„Statt zum Feiern geht man in eine Impfkabine“

Jeder Tag eine Großveranstaltung: Event-Profi Mischa Buschmann aus Seligenstadt leitet Impfzentrum des Kreises

Mischa Buschmann mit medizinischer Maske im Gesicht und Aktenordern in den Händen im Impfzentrum Heusenstamm.
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Vom Event-Profi zum „Impf-Manager“: Mischa Buschmann freut sich über die neuen Aufgaben.

Eigentlich plant der Seligenstädter Mischa Buschmann mit seiner Eventagentur europaweit Veranstaltungen. Die Corona-Krise ist zunächst Gift für sein Geschäft, bringt dann aber neue Aufgaben mit sich: Buschmann wird Leiter des Impfzentrums in Heusenstamm – ein Job, für den er dank seiner Erfahrung im Event-Business bestens gerüstet ist.

Seligenstadt – Im Herbst 2019 ist Mischa Buschmann mit seiner Eventagentur ganz oben angekommen: Das Team rund um den Seligenstädter stattet den Sportpresseball in Frankfurt mit Dekoration, Floristik und Co aus – danach geht es direkt ins lukrative Weihnachtsgeschäft über. Für 2020 plant „Buschmann Eventdesign“ europaweit Veranstaltungen. Doch dann kommt das Coronavirus: Mitte März ist die Firma vom einen auf den anderen Tag dicht.

„Das war mit der schlimmste Tag in meinem Leben“, erinnert sich Mischa Buschmann. Denn auch privat engagiert er sich, ist in vielen Vereinen aktiv und gerne unterwegs. „Plötzlich fällt alles weg – das ist schon hart.“ Doch bevor der Seligenstädter in ein Loch fallen kann, kommt der rettende Anruf vom Kreis Offenbach: Ralf Ackermann ist Leiter des Gefahrenabwehr- und Gesundheitszentrums und Kreisbrandinspektor. Die beiden kennen sich, weil Buschmann 17 Jahre aktiv bei der Feuerwehr in der Einhardstadt war. Jetzt sucht der Kreis Offenbach Personen zur Unterstützung im Gesundheitsamt und holt den Event-Profi ins Team.

„Ich habe in Dietzenbach im Krisenstab Protokoll geschrieben, bei der Digitalisierung unterstützt und war halt der Allrounder, der hilft, wo es ging. Das war psychologisch das Beste, was mir passieren konnte“, sagt Buschmann rückblickend. „Ich hatte eine Aufgabe, während alle anderen im Lockdown waren.“

Von Juni bis in den Herbst hinein geht es auch bei seiner Eventagentur wieder bergauf: Das Team organisiert mehrere kleinere Veranstaltungen, unter anderem im Einhards im Alten Bahnhof. Dann kommt mit dem November-Lockdown der nächste Knall – wieder alles zu.

„Ich hatte aber durchgehend Kontakt zum Gesundheitsamt. Als das Impfzentrum dann ein immer größeres Thema wurde und ich mich mit Ralf Ackermann darüber unterhalten habe, war klar: Das ist mein Ding“, sagt der Seligenstädter. Er entwirft Zeltpläne, arbeitet am Sicherheitskonzept, organisiert Gas, Wasser und Strom – dabei schöpft er aus seinem reichen Erfahrungsschatz als Event-Profi. „Das Impfzentrum in Heusenstamm ist ja wie eine Veranstaltung aufgebaut: Es gibt einen Parkplatz und Eingang, Security, eine Taschenkontrolle, einen Check-in und eine Anmeldung. Nur statt zum Feiern geht man in eine Impfkabine“, sagt er. „Statt Blumen und Möbel bestelle ich jetzt Spritzen und Desinfektionsmittel.“

Als der Einsatzbefehl des Landes Hessen kam, war klar: Von Beginn an ist der Druck groß. Innerhalb von etwa drei Wochen wird das Zentrum im Eilverfahren aufgebaut. „Wir mussten am 15. Dezember fertig sein, damit Ende des Jahres schon geimpft werden konnte.“ Doch der Impfstart verzögerte sich. Stattdessen werden die Abläufe geübt: Zuerst gab es einen Testdurchlauf mit den Rettungsdiensten im Kreis Offenbach. „Die sind ja eh Priorität 1 gewesen“, sagt Buschmann.

Inzwischen ist das Impfen in vollem Gange, der Druck aber weiterhin da. „Ich habe eine riesige Verantwortung hier vor Ort, bin außerdem die Schnittstelle zum Land Hessen“, erklärt der Seligenstädter. Dazu kommen zahlreiche Auseinandersetzungen mit Patienten, unter anderem wegen der Impfstoffe. „Letzte Woche haben wir gefühlt mehr diskutiert als geimpft. Da braucht man ein dickes Fell – das habe ich zum Glück.“

1 800 Menschen werden pro Tag in Heusenstamm geimpft, das bedeutet hessenweit Platz 3. Mischa Buschmann ist stolz: „Wir geben hier immer Gas. Es ist jeden Tag eine Großveranstaltung, die man organisieren muss.“ Umso mehr ärgert ihn, wenn er wichtige Änderungen rund ums Impfen aus der Presse oder den sozialen Medien erfährt. „Das kann einfach nicht sein.“

Trotzdem sieht er vor allem das Positive: „Klar nagt es an einem, wenn man vorher sein eigener Chef war und jetzt ständig diskutieren muss. Aber ich lerne hier unglaublich interessante Menschen kennen und mache Erfahrungen, die mich privat und beruflich nochmal weitergebracht haben.“

„Buschmann Eventdesign“ bleibt aber seine Herzensangelegenheit. „Ich habe ein Team, das mir den Rücken freihält und sich um alles in der Agentur kümmert“, sagt er. „Wenn es in der Branche wieder losgeht, können wir also Vollgas geben. Das ist super, denn die Firma soll es im Gegensatz zum Impfzentrum ja auch noch sehr lange geben.“ (Von Julia Oppenländer)

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