„Jüngster Turnerspielmann“

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Urgestein der Turnbewegung und hochdekorierter Fastnachter: Ferdi Schreiner starb am gestrigen Freitag im Alter von 89 Jahren.

Seligenstadt ‐ Wenige Tage nach seinem 89. Geburtstag ist Ferdinand Schreiner, der Ehrenvorsitzende des Turngaus Offenbach-Hanau, am gestrigen Freitag nach langer und schwerer Krankheit gestorben. Von Michael Hoffmann

Kaum einer in Seligenstadt und weit über die Grenzen der Stadt hinaus, der den „Schreiner-Ferdi“ nicht kannte. Mit Schreiner, SPD-Politiker, Gewerkschafter, Turner und Fastnachter, starb der wohl letzte beredte Zeuge einer Zeit, die in seinen Erzählungen ganz besonderen Charme und Beschaulichkeit hatte. „Gell, die hat net jeder“ lässt Autorin Gisela Spitznagel in einer Broschüre zum 60-jährigen Fastnachter-Jubiläum den Schreiner-Ferdi im Jahr 1997 mit Verweis auf zahllose Orden und Ehrungen sagen. In der Tat ist kaum ein Seligenstädter mit derart vielen Auszeichnungen bedacht worden.

Den Beinamen „Urgestein“ hatte er sich ohnehin redlich verdient. Schreiner gehörte mehr als 80 Jahre der Turnbewegung an. Bei seinem Heimatverein, der Turngesellschaft Seligenstadt (TGS), wurde er 2008 für 80-jährige Mitgliedschaft geehrt. Schon 1930, beim Mittelrhein-Kreisturnfest in Hanau, war Schreiner als jüngster Turnerspielmann beim TGS-Spielmannszug dabei. Viele ehrenamtliche Aufgaben übernahm er bei der TGS: Übungsleiter, Abteilungsleiter, zweiter Vorsitzender, Geschäftsführer und Vorsitzender des Verwaltungsrates. Seit 1980 gehörte Schreiner dem Vorstand des Turngaus Offenbach-Hanau an, als zweiter oder erster Vorsitzender und ab 1996 schließlich als Ehrenvorsitzender.

Viel Zeit auch in Kommunalpolitik investiert

Neben der Turnleidenschaft und seinem beruflichen Werdegang (unter anderem von 1967 bis 1984 als Angestellter beim Bintz-Verlag) war Schreiner stark in der Gewerkschaftsarbeit engagiert - sei es als Betriebsrat in mehreren Unternehmen, sei es als Vorstandsmitglied des DGB-Ortskartells. Viel Zeit investierte er auch in die Kommunalpolitik seiner Heimatstadt, in der er fast 20 Jahre als Stadtverordneter und Mitglied des SPD-Vorstands aktiv war. Dem Seniorenbeirat gehörte Schreiner seit Gründung (1993; zeitweise als Vorsitzender) ebenso an wie der IG Fastnachtsmuseum. Schreiner, Alterspräsident der TGS-Fastnachter, war zudem Mitbegründer der Seniorenfastnacht. Zu seinen Auszeichnungen gehören neben Bundesverdienstkreuz und Landesehrenbrief auch die Goldene Ehrennadel des Landessportbunds und der Goldene Verdienstorden des Bundes Deutscher Karneval.

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