Openair-Kino und Sponsorenlauf geplant

Seligenstädter Jugendbeirat will sich profilieren

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Jugendbeiratssitzung: „Wir sind alle hoch motiviert“  

Seligenstadt - Mit Openair-Kino und einem Sponsorenlauf zugunsten der Flüchtlinge möchte der Seligenstädter Jugendbeirat der Amtsperiode 2015/16 bekannter werden. Von Sabine Müller

Von der extrem niedrigen Wahlbeteiligung im vergangenen Herbst lassen sich die neu gewählten Mitglieder nicht schrecken. Engagiert arbeiten sie derzeit an ihren Projekten. 2202 Seligenstädterinnen und Seligenstädter zwischen zwölf und 21 Jahren waren im vergangenen November aufgefordert, ihre politische Interessenvertretung für ein weiteres Jahr zu bestimmen. Aber nur 2,6 Prozent nutzten diese Chance. Zehn Jugendliche hatten sich zur Wahl gestellt, neun im Alter zwischen 14 und 16 Jahren gehören jetzt dem politischen Gremium an, das Sprachrohr der jungen Generation sein will. Mit Ausnahme eines Jungen, der die Merianschule besucht, besteht die Gruppe aus Gymnasiastinnen der Einhardschule; zwei Mitglieder haben Migrationshintergrund. Dazu gehört auch Sprecherin Beritan Özkur. „Wir sind alle hoch motiviert“, sagt sie. An erste Stelle müsse jedoch das Ziel stehen, eine höhere mediale Präsenz zu erreichen, um bekannter zu werden und weitere Mitglieder zu werben, vor allem Jungs und Jugendliche mit ausländischen Wurzeln, um „mehr Sichtweisen“ zu bekommen.

Zur dritten öffentlichen Sitzung im März sind sechs Mitglieder im Nachbarschaftshaus erschienen. Dort ist auch das städtische Kinder- und Jugendbüro angesiedelt, das den Jugendbeirat begleitet. Die Jugendlichen diskutieren über Entwürfe eines Informationsblattes, das Antworten gibt auf Fragen wie „wer sind wir?“ und „warum lohnt es sich, bei uns mitzumachen?“ Das Gremium existiert bereits seit 1999, steht in seiner 17. Amtszeit. Da muss das Logo überarbeitet und die Webseite aufgemotzt werden, um wieder Blickfang zu sein. Der Leiter des Kinder- und Jugendbüros, Tom Heilos, fragt nach Format und Stückzahl des Flugblatts und erinnert: „Ihr seid ein städtisches Gremium und bekommt finanzielle Unterstützung - macht einen Kostenvoranschlag.“

Trockene Lehrstunde über das politische System

Mit dem zweiten Tagesordnungspunkt schwenkt die Vorsitzende auf die Kommunalwahl: „Wie habt ihr sie erlebt?“ Es stellt sich heraus, dass die Neuformation von städtischem Parlament und Kreistag an den Jugendlichen weitgehend vorbeigegangen ist. Über die Bürgermeisterwahl 2015 habe man sich eher unterhalten, auch der ausgefallene Rosenmontagszug sei wichtiger gewesen. „Da wir nicht wahlberechtigt waren, kann man ja eh nichts ändern“, erklärt ein Mädchen. „Aber auch ihr seid politische Menschen“, meint Tom Heilos, selbst Mitglied der Seligenstädter Grünen, verteilt Zettel mit den Wahlergebnissen und interpretiert sie. Dann erläutert er die Position des Stadtverordnetenvorstehers, die Errechnung der Sitze von Magistrat sowie Fachausschüssen und lädt die Jugendlichen zur konstituierenden Sitzung der Stadtverordnetenversammlung ein. Dort hat der Jugendbeirat zwar kein Stimmrecht, aber er hat Rede- und Vorschlagsrecht in den Ausschüssen. Zudem muss er als gewähltes Vertretungsgremium Jugendliche in allen Belangen, die diese betreffen, beteiligt und angehört werden.

Nach dieser offenbar etwas trockenen Lehrstunde über das politische System werden die Beiratsmitglieder wieder lebendiger, als die Sprache auf ihr Projekt „Frischluftkino“ kommt. Bekannte Filme, im Sommer unter freiem Himmel präsentiert, würden viele Jugendliche locken, da sind sie sicher. „Wir wissen, wie sie ticken“, sagt Beritan Özkur. Doch Tom Heilos warnt vor Aufwand und hohen Kosten durch die gewünschte Eigenregie. Diese Idee lasse sich am ehesten in Kooperation mit der Stadtmarketing-GmbH umsetzen. „Auch die Parteien regen viel an, und die Stadt macht es dann.“ Ähnlich verhält es sich mit dem Sponsorenlauf zugunsten der Flüchtlingshilfe, mit dem die Jugendlichen auf die Initiative „Respekt! Kein Platz für Rassismus“ aufmerksam machen wollen. „Nehmt die Leichtathleten oder die Feuerwehr mit ins Boot“, rät der Jugendhaus-Leiter, „allein seid ihr eine zu kleine Gruppe und zum Teil noch nicht mal geschäftsmündig.“ Die Mitglieder lassen sich überzeugen, eine Sportlerin will beim nächsten Training vorfühlen. Das Gremium hofft, dass sich diese Pläne noch in diesem Jahr realisieren lassen.

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