Keine sehr schöne Visitenkarte

+
Verwahrlostes Bahnhofsgelände in Seligenstadt: Zuletzt im Jahre 2009 beauftragte die Stadtverordnetenversammlung den Magistrat, in Gesprächen mit der Bahn für eine ansprechendere Gestaltung des Areals zu werben - ohne größeren Erfolg.

Seligenstadt (mho) ‐ Wer hätte das gedacht? Beim Seligenstädter Bahnhof, nicht gerade die attraktivste Visitenkarte der Einhardstadt, handelt es sich um ein Kulturdenkmal.

Dies zumindest weist die Denkmaltopographie der Eisenbahnen in Hessen aus. Ein Gang über das südlich an das Bahnhofsgebäude angrenzende Gelände treibt dem Besucher schnell die Stirnfalten ins Gesicht: Auf einer verwahrlosten und mit Schlaglöchern übersähten Fläche parkt, wer immer das will - und in der Regel kunterbunt durcheinander. Kulturdenkmal mal ganz anders! Die Bahn sieht's offensichtlich mit großer Gelassenheit, von Handlungsbedarf keine Spur. Und die Stadt, die Wert auf ein attraktiveres Aussehen der Fläche legt, hatte bislang keinen Erfolg bei ihren Verhandlungen. Dabei führt die Diskussion über die 11.700 Quadratmeter große Fläche bis in den Anfang der 90er Jahre zurück. Bereits damals gab's Pläne, dort etwas Ordnung hineinzubringen. Die Stadt hatte Ideen, das Areal zur Wohnbebauung oder zur gemischten Wohn- und gewerblicher Bebauung zu entwickeln. Vor allem von einem „Park an Ride“-Modell war die Rede.

Es fanden Besprechungen mit Vertretern der Deutschen Bundesbahn zur entsprechenden Verwertung des Geländes statt. Und zunächst schien auch alles gut zu laufen, denn die Deutsche Bundesbahn beabsichtigte damals das Gelände am Bahnhof komplett zu veräußern. Der Geländeschätzpreis lag bei überaus ambitionierten 1,8 Millionen Mark. „Die damals geführten Gespräche bei der Bauaufsichtbehörde des Kreises Offenbach haben eindeutig zum Ergebnis geführt, dass eine Genehmigung gemäß Paragraph 34 des Baugesetzbuchs (Analogbebauung) nicht in Frage kommt“, schreibt der Magistrat in einem aktuellen Bericht zum „Bahnhofsgelände-Entwicklungskonzept“.

Gespräche wurden viele geführt

Damit wäre im Falle aller Fälle eine entsprechende Bauleitplanung (Bebauungsplan inklusive Änderung des Flächennutzungsplanes) erforderlich. Der Seligenstädter Magistrat stellte im Dezember 1991 fest, „dass die Stadt erst, wenn sie im Besitz des Geländes ist, die Änderung des Flächennutzungsplanes und die Aufstellung eines Bebauungsplanes einleiten soll.“ Und damit war der Stillstand zementiert, die Aktivitäten erlahmten. Erst 1995 wurde die Thematik wieder im Magistrat behandelt. Seinerzeit berichtete Bürgermeister Rolf Wenzel, dass die Bundesbahn einem Vertreter der Firma Tengelmann das Gelände zur Errichtung eines Verbrauchermarktes angeboten habe. Weitere fünf Jahre später wurde erneut im Magistrat von Veräußerungswünschen durch die Bahn AG berichtet.

Gespräche fanden in der Folgezeit auch mit Bürgermeisterin Dagmar B. Nonn-Adams statt. Auch diese führten nicht zum gewünschten Erfolg. Im Prinzip soll sich an der grundsätzlichen Bahnposition nicht viel geändert haben - bis auf den Preis: Statt 1,8 Millionen Mark sei nunmehr auf diesem Niveau von Euro-Beträgen die Rede gewesen, so war zu hören. „Als Resümee aus den geschilderten Vorgängern kann ausgesagt werden, dass eine Nutzung des Geländes nur im Rahmen eines Bauleitplanverfahrens möglich ist. Dieses Verfahren sollte die Stadt jedoch erst weiter verfolgen, wenn die Besitzverhältnisse geklärt sind.“

Für die Bahn ging es nur um Pacht oder Kauf

Von „Park and Ride“-Plätzen war irgendwann mal keine Rede mehr, dabei hatte eine Studie ergeben, dass der Bedarf an solchen Stellflächen vorhanden war, auch lagen die Planungen der Seligenstädter fertig in der Schublade. Allein für die Bahn gab's nur die Alternativen Pacht oder Kauf, auf die die Stadt wiederum nicht eingehen wollte. Dabei sollte die Parkfläche auf der anderen Seite des Bahnhofs doch Vorbildcharakter haben: Damals gab's zum Bau noch Mittel aus dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz sowie - man höre und staune - einen Zuschuss der Stadt Frankfurt. Dort hatte man eine (inzwischen längst wieder eingestampfte) Ablösesatzung für die Innenstadt geschaffen, von der auch die Einhardstadt profitierte. Denn um die Zahl der motorisierten Einpendler zu reduzieren, war das Seligenstädter Parkplatzprojekt den Frankfurter Stadtvätern durchaus einen Zuschuss wert.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare