Christina Poppe aus Froschhausen

Keine To-Do-Listen mehr

Da geht’s hin: Christina Poppe verbringt ab Mitte August ein Jahr in Kolumbien und arbeitet dort in einem sozialen Projekt mit.  (c)Foto: Stassig
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Da geht’s hin: Christina Poppe verbringt ab Mitte August ein Jahr in Kolumbien und arbeitet dort in einem sozialen Projekt mit.

Seligenstadt - Mitte August geht es los. Dann tauscht Christina Poppe ihre Heimat Froschhausen gegen die große weite Welt ein. Die Abiturientin absolviert ein freiwilliges soziales Jahr in Kolumbien. Von Katrin Stassig

Die Welt verändern, das wird sie nicht. „Da mache ich mir keine Illusionen“, sagt Christina Poppe über ihren Freiwilligendienst in Kolumbien. In einem sinnvollen gemeinnützigen Projekt arbeiten und damit etwas Gutes tun, das ja. „Aber die Verhältnisse in Kolumbien werden sich dadurch nicht ändern.“ Das Land, die Menschen und ihre Kultur kennen lernen und einen kleinen Beitrag zur Völkerverständigung leisten, das erhofft sie sich.

Gerade hat die 19-Jährige aus Froschhausen ihr Abitur an der Einhardschule abgelegt – als Jahrgangsbeste mit 1,0. Schon länger stand für sie fest, dass sie danach nicht gleich studieren möchte. Au pair oder Work & Travel kamen für sie nicht in Frage, die Idee eines Freiwilligendienstes aber schon. Den hätte sie auch in Deutschland absolviert, aber es reizt sie, eine andere Kultur und Sprache kennen zu lernen. Ihre Wahl fiel auf Südamerika, gerade weil man über diesen Kontinent bei uns relativ wenig weiß.

Seit 2007 bietet das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) den Freiwilligendienst „weltwärts“ für junge Menschen im Alter von 18 bis 28 Jahren an. Den Austausch organisiert der internationale Verein ICJA. Die Teilnehmer arbeiten in ganz unterschiedlichen Projekten, zum Beispiel mit Straßenkindern, Behinderten oder Senioren. Fachwissen ist nicht erforderlich.

Nicht nur Drogenhandel, Armut und Gewalt

Wer Kolumbien hört, denkt an Drogenhandel, Armut, Gewalt. Bis vor einem Jahr war das auch Christinas Wissensstand. Inzwischen kennt sie das Land zumindest aus Erzählungen aus erster Hand. Ihre Familie beherbergte nämlich von September bis Anfang Juli eine Gastschülerin aus Kolumbien, Mariana. „Das ist sehr hilfreich“, sagt Christina. „Ich glaube, dass ich auf Kolumbien gut vorbereitet bin.“

Ein bisschen Bammel hat die 19-Jährige trotzdem vor der ersten Begegnung mit ihrer kolumbianischen Gastfamilie. Denn sie spricht bisher kein Spanisch. Nach ihrer Ankunft wird sie zunächst einen zweiwöchigen Intensivkurs absolvieren. Erste Wörter lernt sie derzeit über ein Programm im Internet. Es macht ihr Mut, wenn sie daran denkt, wie schnell Mariana Deutsch gelernt hat. „Sie findet sich hier inzwischen ganz allein zurecht.“

Von der Gastfamilie in Kolumbien kennt Christina bisher nur einen Namen und eine Adresse, diese Daten werden fürs Visum benötigt. Näheres erfährt sie kurz vor ihrer Abreise.

Gleiches gilt für das Projekt, in dem sich die 19-Jährige in Kolumbien engagieren wird. Vermutlich wird sie für ein Förderprogramm an der Nationalen Universität in Bogotá arbeiten, das Schülern aus Minderheiten oder sozial schwachen Familien ein Studium ermöglicht. Sie könnte dann zum Beispiel Englisch unterrichten. „Es klingt nach einem sinnvollen Projekt.“

Abreise rückt näher

Nach ihrer Rückkehr plant die Froschhausenerin ein Wirtschaftsstudium, will sich für den interdisziplinären Studiengang „Philosophy & Economics“ in Bayreuth bewerben. „Mal schauen, vielleicht habe ich in einem Dreivierteljahr noch andere Interessen“, meint sie. „Ich sehe das entspannt.“ Jetzt rückt erst einmal die Abreise nach Kolumbien näher. Als Vorbereitung hat sie sich von ihrem dreijährigen Dasein als Vegetarierin verabschiedet. Sie rechnet nicht damit, dass es in Südamerika möglich sein wird, sich konsequent vegetarisch zu ernähren. Sie hat gehört, dass die Kolumbianer viel und gerne Fleisch essen.

Für ihren Aufenthalt muss Christina Poppe 2500 Euro aufbringen. 10.000 Euro kostet ein Freiwilligendienst, 75 Prozent übernimmt das Förderprogramm „weltwärts“. Ihren Anteil müssen die Freiwilligen über einen Förderkreis zusammentragen, das heißt, sie sollen „nicht einfach Mama und Papa fragen“, sondern Spenden sammeln, im Bekanntenkreis oder bei Firmen. Ein Ziel dabei ist, den Menschen von dem Projekt und dem Land zu erzählen und so „ein realistischeres Bild von Kolumbien zu vermitteln“.

„Die Menschen dort sollen sehr fröhlich sein, voller Lebensfreude, trotz der schlimmen Vergangenheit“, sagt Christina. „Ich glaube, die Menschen sind viel spontaner, nicht so durchgeplant. Hier in Deutschland schreibt man To-Do-Listen“, fügt sie hinzu. „Ich denke, damit werde ich in Kolumbien aufhören.“

Von ihren Erfahrungen in Kolumbien berichtet Christina Poppe in einem Blog (christinainkolumbien.wordpress.com) und in loser Folge auch in unserer Zeitung.

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