„Pro interplast“ unterstützt Operationen für schwerkranke Patienten in Indien / Neuer Spendenrekord / Förderverein begrüßt 750. Mitglied

Kindern ein zweites Leben geschenkt

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Die Mitglieder lauschten den Ausführungen der Ärzte, die von ihren Einsätzen weltweit berichteten.

Seligenstadt (jp) - Dass verdiente Mitglieder bei der Jahresversammlung eines Vereins ausgezeichnet werden ist nichts ungewöhnliches. Dass sie dabei die Anerkennung für ihr langjähriges Engagement erhalten, ebenfalls.

Wenn allerdings ein neues Mitglied gleich am Tag der Unterzeichnung in den Mittelpunkt rückt, muss etwas Außergewöhnliches vorgefallen sein. So geschehen bei der Augenärztin Dr. Müller. Noch während der Mitgliederversammlung von „pro interplast“ füllte sie ihren Antrag aus und ist damit 750. Mitglied des Seligenstädter Fördervereins - eine bemerkenswerte Zahl.

Neben den zahlreichen Mitgliedern begrüßte die Vorsitzende Waltraud Huck auch lokale Polit-Prominenz wie Mainhausens Bürgermeisterin Ruth Disser, Hainburgs Bürgermeister Bernhard Bessel und Peter Dievernich, Vorsitzender des Gewerbevereins. Huck berichtete über ihre Abschiedsreise nach Kalkutta und den damit verbundenen emotionalen Begegnungen und Belastungen. Wehmut schwang in ihrer Stimme mit, als sie von den Verhältnissen in den Krankenhäusern und den notleidenden Menschen erzählte.

Neuer Spendenrekord

Erfreulich ist hingegen der neue Spendenrekord, den der Förderverein im vergangenen Jahr aufstellte. Dazu beigetragen haben neben dem Großspendern auch Gönner, die über das Internet und den Verein Charity Watch auf pro interplast und seine Arbeit aufmerksam geworden sind. Zudem wurde der Verein bei der Finanzierung der Herzoperationen von Kindern in Indien von der Aktion „Ein Herz für Kinder“ unterstützt. Durch diesen Beitrag konnte der Verein für 60 Kinder lebensnotwendige Operation bezahlen und die Chance auf ein normales Leben geben.

Dr. Lutz Gruhl referierte über seine und die Arbeit seines Kollegen Dr. Andreas Schmidt-Barbo im Kodaikanal. Seit nunmehr acht Jahren reisen die Beiden mit ihren Teams nach Südindien. In Zusammenarbeit mit dem indischen Arzt Dr. Macarenhas operieren sie in dessen kleinem Krankenhaus. Bei einem Einsatz von zwei Wochen können etwa 100 Patienten behandelt werden. Dabei arbeiten die Teams nicht weniger als zwölf Stunden am Tag, um der großen Zahl der hilfsbedürftigen Patienten gerecht zu werden. Im Zeitraum 2003 bis 2011 konnten im PASAM Health Center mittlerweile 1000 Patienten behandelt werden.

Operationen retten Leben

Vor allem die Operationen der Verbrennungsopfer seien zeitaufwändig. Häufig handelt es sich bei den Verbrennungsopfern um Frauen, die die sogenannten „Mitgiftmorde“ überlebt haben und nun unter starken Entstellungen und Narbenbildungen leiden. Nur 20 Prozent der Opfer überleben diese Attacke und nur ein Bruchteil erhält eine medizinische Versorgung. Durch den Einsatz im indischen Krankenhaus kommen viele Patienten ein Jahr später noch einmal zur Kontrolle. Somit sei es auch möglich, Korrekturen vorzunehmen. Bei seinem nächsten Besuch im Kodaikanal plant Gruhl gemeinsam mit seinem Kollegen Dr. Gottfried Lemperle den Verein interplast Indien auf die Beine zu stellen, um effektiv „Hilfe zur Selbsthilfe“ leisten. Wobei er aber abschließend auch betonte, dass die Patienten bei seinen Einsätzen nie weniger werden.

Dr. Nguyen Phu berichtete über seine Einsätze in Vietnam. Seit dem Jahr 1998, mit Ausnahme eines Einsatzes in Laos im Jahr 2006, operiert er in wechselnden Gebieten seine Patienten. Im Dezember vergangenen Jahres leitete er in einem zwei Personen-Team einen Einsatz, bei dem 39 Patienten operiert werden konnten. Bei den behandelten Erkrankungen handelt es sich hauptsächlich um Probleme mit der Schilddrüse. Obwohl es Vietnam mittlerweile wirtschaftlich gut geht, werden 80 Prozent aller Aufwendungen für das Gesundheitswesen von den Patienten geleistet. Auf Grund des sozialen Ungleichgewichts können sich nur reiche Vietnamesen einen Krankenhausaufenthalt leisten, die Anderen müssen ihr Hab und Gut für die notwendige medizinische Versorgung verkaufen. Auch im kommenden Dezember plant Phu gemeinsam mit Dr. Alamuti einen erneuten Einsatz in Vietnam.

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