Kita-Bedarfsplan der Stadt für 2017/2018 liegt vor

Ausbau der Betreuung als große Herausforderung

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Wichtige Aufgabe und große Herausforderung: Kinderbetreuung kostet die Stadt viel Geld. Bürgermeister Dr. Bastian wünscht sich mehr Unterstützung vonseiten des Landes.

Seligenstadt -  Bedarf und Nachfrage steigen schneller als die Stadt Seligenstadt bauen und finanzieren kann: Vor allem für Kinder unter drei Jahren fehlen Betreuungsplätze. Der Ausbau stellt die Kommune vor einen gewaltigen Kraftakt. Von Katrin Stassig

Jammern möchte er nicht, betont der Bürgermeister. „Ein gutes Betreuungs- und Bildungsangebot für unsere Kinder vorzuhalten, ist eine unserer wichtigsten Aufgaben“, sagt Dr. Daniell Bastian. „Und wir übernehmen sie gerne.“ Es gibt trotzdem ein Aber: „Die Rahmenbedingungen stimmen nicht.“ Will heißen: Der Staat beschließt einen Rechtsanspruch, die Kommunen müssen dafür sorgen, dass dieser umgesetzt wird – ohne finanziellen Ausgleich. Das stellt auch die Stadt Seligenstadt vor große Herausforderungen. Vor allem in der U3-Betreuung steigen Bedarf und Nachfrage sehr viel schneller, als Verwaltung und Träger Abhilfe schaffen können. Neben dem finanziellen ergibt sich ein logistisches Problem. „Eine neue Kita baut man nicht innerhalb eines Monats.“

Konkreten Aufschluss über den Ist-Zustand und die Entwicklung in den kommenden Jahren gibt der Bedarfsplan der Stadt Seligenstadt für Kindertageseinrichtungen 2017/2018, den Dr. Bastian gestern gemeinsam mit Iris Knies, Leiterin des Amtes für Kinder, Senioren, Sport und Kultur, der Presse vorstellte. In ihrer Sitzung am Montag, 12. Juni, wird sich die Stadtverordnetenversammlung mit dem knapp 30 Seiten starken Papier beschäftigen.

Der Bedarfsplan beleuchtet die Betreuungssituation der Altersgruppe von der Krippe bis zum Ende der Grundschulzeit. „Bisher konnte den Betreuungswünschen der Familien gut entsprochen werden, wir waren stolz auf unser umfassendes Angebot“, blickt Bastian zurück. „Seit Beginn des laufenden Kindergartenjahres werden aber die Plätze knapp.“ Das gilt selbst unter Berücksichtigung bereits beschlossener Maßnahmen. Noch in diesem Jahr wird die Kita St.-Josefshaus um zwei Gruppen erweitert, sodass Plätze für 17 Krippenkinder und 15 Kinder ab drei Jahren entstehen. Die Kita St. Margareta wird im Zuge des Neubaus ebenfalls um zwei Gruppen erweitert, sodass bis zum Jahr 2019 eine zusätzliche Krippengruppe und eine zusätzliche Gruppe für den Regelkindergarten hinzukommen. Um den Bedarf in der U3-Betreuung zu decken, wären allerdings noch zwei weitere Gruppen nötig.

Bastian und Knies nennen als Gründe den Zuwachs seit dem Jahr 2013 und die steigende Nachfrage. Es gibt also zum einen immer mehr Kinder (durch Zuzug, Zuwanderung und die steigende Geburtenrate) und zum anderen immer mehr Eltern, die für ihre Kinder einen Betreuungsplatz in Anspruch nehmen wollen – ausgelöst durch den Rechtsanspruch und durch die Entwicklung, dass immer mehr Mütter arbeiten gehen.

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Da hilft es der Stadt Seligenstadt nicht, dass sie mit ihrer aktuellen Versorgungsquote über dem kreisweiten Durchschnitt liegt. „Wir haben trotzdem einen Mangel“, so Bastian. Die vom Gesetzgeber avisierten 35 Prozent in der U3-Betreuung erreicht die Einhardstadt inzwischen nicht mehr. Außerdem: „Dieser Versorgungsquotient reicht längst nicht aus.“ In Seligenstadt werde aktuell ein tatsächlicher Betreuungsbedarf von 41,7 Prozent festgestellt.

„50 Prozent der ein- bis zweijährigen Kinder können wir derzeit versorgen“, berichtet Iris Knies. Dabei sind Kinder unter einem Jahr nicht eingerechnet – für diese gebe es allerdings auch wenig Nachfrage. Auf einer Warteliste stehen derzeit knapp unter 50 Namen. Allerdings ist diese Zahl laut Amtsleiterin Knies nicht besonders aussagekräftig. In der Praxis benötige etwa ein Drittel dann doch keinen Platz.

Überlegungen, wo noch ein Ausbau möglich wäre

Für die nächsten zwei Jahre geht der Bedarfsplan von einem jährlichen Zuwachs von 18 Kindern in der Altersgruppe unter drei Jahren aus. Um den Rechtsanspruch erfüllen zu können, so Bastian, müssten zeitnah mindestens zwei weitere Krippengruppen entstehen. „Wir überlegen derzeit, wo wir das realisieren könnten, wo vielleicht noch ein Anbau möglich wäre.“ Der Bürgermeister hofft, dass eine dieser zusätzlichen Gruppen im Jahr 2018, die zweite ein Jahr später umgesetzt werden kann.

In der Altersgruppe der Drei- bis Sechsjährigen prognostiziert der Bedarfsplan für die nächsten beiden Jahre einen jährlichen Zuwachs von 26 Kindern. Vor diesem Hintergrund wird neben den bereits beschlossenen Erweiterungsmaßnahmen in den Kitas St. Josefshaus und St. Margareta die Eröffnung eines Waldkindergartens mit einer Gruppe empfohlen. „Damit könnten wir 20 neue Plätze schaffen sowie ein neues Angebot, das es bei uns bisher so nicht gibt“, sagt Bastian. Mit diesem Thema sollen sich die politischen Gremien in der nächsten Sitzungsrunde nach den Sommerferien beschäftigen.

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