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Fitte Klein-Welzheimer Senioren auf frühlingshafter Wandertour im Spessart

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Hindernisse oberhalb der Dörsthöfe.
Hindernisse oberhalb der Dörsthöfe. © Hackendahl, Holger

Seit April 2022 gibt es in Klein-Welzheim eine Wandergruppe für fit gebliebene „Jungseniorinnen und Jungsenioren“, die jeden Freitag im Spessart oder im Odenwald „auf Schusters Rappen“ unterwegs ist.

Klein-Welzheim – „Im Seniorenkreis der Pfarrgemeinde St. Cyriakus hatten wir uns Gedanken gemacht, was wir körperlich fitten Senioren anbieten können“, erinnert sich Heinz Seipel, der sich allwöchentlich um die Organisation der Wandertouren kümmert. Kürzlich war die Gruppe mit einer „Rekordbeteiligung“ von 14 Personen im Alter zwischen 58 und 82 Jahren im unterfränkischen Kahlgrund unterwegs. Die OP begleitete sie bei ihrer dreieinhalbstündigen, frühlingshaften Tour, an deren Ende 11,4 Kilometer, 455 Höhenmeter und – beim Bergaufstieg – auch etliche Tropfen Schweiß standen.

„Wir sind immer freitags unterwegs – meist von 9 bis 15 Uhr. Heute mit anschließender Einkehr in unserem Stammlokal in Schöllkrippen“, erläutert Heinz Seipel beim Aufstieg zum Hahnenkamm. Kurz zuvor war die Gruppe mit dem Bus in Michelbach angekommen, nachdem sie die Mainflingener Kilianusbrücke passiert und im unterfränkischen Dettingen in den Bus Richtung Alzenau-Michelbach gestiegen waren.

Seligenstädter Senioren: Auch mit 82 Jahren immer beim Wandern dabei

Kaum war die Kahl überquert, die Ortsgrenzen von Michelbach verlassen, ging es steil bergan. „Wir wandern zum Hahnenkammsee und dann im großen Bogen über die Schwedenschanze, vorbei an einem alten Grenzstein, an der hessisch-bayrischen Grenze zurück nach Michelbach“, blickt Seipel voraus. „Mit dabei ist heute auch unser fitter Senior Eckhard Musch, der trotz seiner 82 Jahre jede Strecke und jedes Tempo mitgeht.“

„So viele Teilnehmer wie heute waren wir noch nie bei bisher rund 40 Wanderungen“, erzählt Heinz Seipel beim Anstieg, der bei klarer Sicht in Richtung Norden den Blick auf die fernen Staudinger-Kühltürme und das Rhein-Main-Gebiet freigibt. Ein laues Lüftchen, angenehme Temperaturen, frühlingshaftes Vogelgezwitscher und einige Sonnenstrahlen begleiteten die Gruppe beim Anstieg auf den 410 Meter hohen Bergkamm.

Wandertour im Kahlgrund: Rekordbeteiligung.
Wandertour im Kahlgrund: Rekordbeteiligung. © Hackendahl, Holger

Nach einer guten Dreiviertelstunde sind die ersten 300 Höhenmeter geschafft. Doch die Pause ist nur kurz, zu frisch weht der Wind durch den noch unbelaubten Forst. Weiter geht’s, vorbei am Hinweisschild auf den „giftigen Trail“, einer Mountainbike-Route am Hahnenkamm, bergab zum Hahnenkammsee, wo am Aussichtspunkt auf das idyllische Vogelschutzgebiet eine viertelstündige Rast eingelegt wird.

Selbst geschmierte Brote und Obst kommen aus den Rucksäcken zum Vorschein, werden von den Wanderfreunden verspeist, um die Energiespeicher aufzufüllen.

Einige Wanderer sind fast immer dabei, andere nur ab und an. „Wir sind ja kein Verein, sondern nur eine lockere Runde mit gleichem Interesse, der Freude am Wandern“, erzählt Seipel. „Aus Klein-Welzheim sind heute fast alle Vereine vertreten: Musikverein, Liederkranz, Seniorenkreis und Wallfahrtsvereinigung St. Cyriakus, aber auch Basilika-Chor und TGS aus Seligenstadt – sogar ein Froschhäuser ist dabei“, macht die lustige Gruppe, auf Bänken sitzend, „Vereinsinventur“.

Foto begeisterte Wanderer aus Seligenstadt:

Mit Wolfgang Helm, dem ehemaligen Hüttenwart des Wanderclubs Edelweiß Seligenstadt, wandert ein fotobegeisterter Wanderfreund mit durch die Höhen des Spessarts. „Bei so einer Wandertour kommt man mit jedem schnell ins Gespräch“, erfahre ich an diesem Vormittag gleich mehrfach. Themen sind dann das Reisen, die Hobbys, mitunter auch die Welt- und Lokalpolitik. „Aber über die Enkel haben wir noch nie gesprochen, oder?“, fragt Heinz Seipel mit einem Schmunzeln in die Runde. „Nö, kann mich nicht erinnern“, lautet Antwort.

Den geteerten Weg geht es vom Hahnenkammsee weiter bergab in Richtung Brücken. Als das idyllische Dorf erreicht ist, blühen Schneeglöckchen und Narzissen. Die Wanderer passieren die in einer Kurve liegende Wendelin-Kapelle, einige fotografieren die historische Brückener Fachwerkkapelle, eilen der Gruppe dann schnell hinterher.

„Für Wanderungen, die mich interessieren, nehme ich mir freitags frei“, erzählt die begeisterte Heidi Griese, die gerne mal Argentinien und Chile bei einer Trekkingtour unter ihre Sohlen nehmen will.

Seit April 2022 ist die Klein-Welzheimer Wandergruppe aktiv.
Seit April 2022 ist die Klein-Welzheimer Wandergruppe aktiv. © Hackendahl, Holger

Nur kurz geht’s für die Gruppe entlang der Kahlgrund-Einfallstraße, an einer Schnapsbrennerei vorbei (nicht hinein!) und wieder hoch in den Wald. „Heute habe ich einen kleinen Hindernisparcours eingebaut“, schmunzelt Heinz Seipel, bevor es – für alle ein wenig überraschend – einen matschigen Weg „querfeldein“ und etwas bergan geht.

Festes und wasserdichtes Schuhwerk ist gefragt, als ein Quellbach auf dem Weg durch den Wald passiert werden muss. Ein sohlen- bis knöcheltiefes Gewässer, in dem jede Kröte ihr ideales Laichgebiet gefunden hätte.

Seligenstädter Wanderer im Spessart: Hindernisse müssen überwunden werden

Nun kommt es noch dicker. Auf dem Weg geht es nicht nur durch Herbstlaub und über Steine, sondern auch über „Stock“. Besser gesagt, über Baumstämme. Oberhalb der Dörsthöfe müssen gleich mehrere über den Weg gefallene Bäume passiert werden. Entweder drüber steigen oder drunter durch krabbeln – jeder der Senioren wählt seine eigene Variante, um die Hindernisse, die bei einer Windhose im Sommer 2020 umgestürzt sind, zu passieren.

Dann ist es fast geschafft, ein letztes Mal geht es auf einem breiten Waldweg etwas steiler bergan. „Diese Steigung wird mir auf meinem Navi gar nicht angezeigt“, ist auch Seipel überrascht. „Das ist heute übrigens unsere bisher kürzeste Tour. Üblicherweise wandern wir zwischen 18 und 22 Kilometer.“ Mit dem Erreichen der Michelbacher Weinberge, die nun als „leichter Spaziergang“ durchquert werden, geht es fortan stetig bergab.

In den Parzellen des bekannten Weinbergs werden derzeit die Reben geschnitten, die ersten Sträucher am Wegesrand öffnen ihre Knospen. In Gesprächen vertieft geht es recht strammen Schrittes in Richtung Ausgangspunkt Michelbacher Bahnhof. Dort besteigt die Wandergruppe einige Minuten später die Kahlgrundbahn, um sich im Schöllkrippener Stammlokal kulinarisch für die Mühen der Wandertour zu belohnen. (Von Holger Hackendahl)

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