Kochen mit Jocvhen Janzer: „An die Töpfe, fertig los“

+
Viele Köche verderben den Brei? Nicht bei den Bosco-Schülern und ihrem Lehrmeister Jochen Janzer.

Seligenstadt - Julian taucht kurz unter. Die Suche nach einem passenden Kochtopf verläuft zunächst ohne Erfolg. Dann wird er doch noch fündig, präsentiert stolz einen großen Behälter. Die erste Aufgabe ist geschafft, doch schon wartet die nächste Hürde auf ihn. Von Jörn Polzin

Wieviel Liter Wasser braucht es? Und auf welcher Temperatur soll es erhitzt werden? Fragen über Fragen. Fragen, die Jochen Janzer in der Küche der Don-Bosco-Schule immer wieder gestellt werden. Und die er gerne beantwortet - nie ohne einen auflockernden Spruch. „Du musst erst dann nervös werden, wenn ich es bin. Und das kann dauern“, sagt der Koch-Experte schmunzelnd.

Elf Schüler der Berufsvorbereitungsklasse (BVK) hat Janzer an diesem Vormittag unter seine Fittiche genommen. Das Sprichwort „Viele Köche verderben den Brei“ gilt heute nicht. „An die Töpfe, fertig los! Freundschaft geht durch den Magen“ - so lautet der Wettbewerb, an dem insgesamt 26 Schülergruppen aus ganz Hessen teilnehmen. Zwei Partnerschulen - jeweils eine Förderschule und eine allgemeine Schule - bekochen und bewerten sich dabei gegenseitig.

Wiegen, Kochen und Braten, was das Zeug hält

Die kleinen Gäste der Bosco-Schule kommen aus der Hainburger Kreuzburgschule. Für 21 Kinder samt Lehrer ist der Raum dekorativ und kreativ eingerichtet. Ruhige Musik erhellt den Speisesaal, während in der Küche noch unter Hochdruck gearbeitet wird. „Wir haben im Vorfeld schon einiges vorbereitet, jetzt geht es ans Eingemachte“, sagt Janzer.

Heißt: Wiegen, Kochen und Braten, was das Zeug hält. Von der aufkommenden Hektik in der Küche lässt sich der erfahrene Koch nicht beeindrucken. Mehr als 1000 Lehrlinge hat er bereits ausgebildet, kennt also die Gepflogenheiten seiner Schützlinge. „Im Vergleich zum Männerkochkurs sind die Schüler sogar etwas ruhiger und fragen mehr nach, wenn sie etwas nicht verstehen“, hat Janzer festgestellt.

Julian hat bereits seine erste Herausforderung hinter sich. Mit einem „richtig scharfen Messer“ schneidet er das Gemüse in dünne Scheiben. Unter Anleitung von Profi Janzer. „Mit so einem Messer und einer neuen Technik zu arbeiten ist ungewohnt, aber macht großen Spaß“, sagt der 17-Jährige. Genau diese kleinen Erfolgserlebnisse sind es, die den Wettbewerb ausmachen, betont Lehrerin Caroline Fischborn. Die Förderschüler im Alter von 15 bis 17 Jahren bräuchten konkrete Ergebnisse, an denen sie sich orientieren können. „Wichtig ist auch, dass jedem eine Rolle zugeteilt wird, die er ausfüllen kann“, sagt Fischborn.

Die Bosco-Schüler stapeln tief

Trotz der positiven Erfahrungen in der Küche kann sich Julian eine Karriere als Koch nicht vorstellen. Das Handwerkliche liege ihm mehr. „Schreiner wäre was für mich.“ Für Jana hingegen wäre eine Ausbildung in der Küche denkbar. „Der Erfahrungsschatz“, so BVK-Leiter Harald Günther, „hilft in jedem Fall allen weiter.“

Und das kulinarische Ergebnis kann sich sehen lassen. In der Vollendung liest sich das Festmahl dann so: Zum Aperitif ein frisch gepresster Orangensaft. Die Vorspeise klingt nicht nur exotisch - sie schmeckt auch so: Jambalaya. Als Zwischengang serviert die Crew Nashibirnen mit gebratenem Speck. „Jugendgerecht“ wird es beim Hauptgang: Cola-Huhn an Wokgemüse. Zum Dessert kredenzen die Nachwuchs-Köche buntes Eis aus der schuleigenen Konditorei.

Offiziell ein Drei-Gänge-Menü. Doch wer richtig liest, sieht: Damit haben die Bosco-Schüler tief gestapelt. Bleibt abzuwarten, welches Urteil die bekochten Kinder fällen. In die Bewertung gehen Geschmack, Tischdekoration und Gastgeberqualitäten ein. Dazu ein kurzes Allgemeinfazit, wie der Besuch ausgefallen ist. Smileys ersetzen die aus Kochsendungen bekannten Notentäfelchen. Am 23. März steht in der Kreuzburgschule die Revanche an. Eine Jury wählt dann bis Ende Mai die Gewinner aus.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare