„Diese Verantwortung legt man nicht ab“: Drei ehemalige Rathauschefs kandidieren

Kommunalwahl im Ostkreis: Vom Bürgermeistersessel in die Parlamente

Ein Wähler wirft einen Wahlzettel in die Urne.
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Der Ostkreis bestimmt am 14. März die kommunalen Vertreter. Unter den Kandidaten sind auch zwei ehemalige Bürgermeister und eine Ex-Rathauschefin.

Ihre Amtszeit auf dem Rathauschefsessel liegt hinter ihnen, mitmischen wollen sie trotzdem noch: Wenn am 14. März die kommunalen Volksvertreter bestimmt werden, stehen im Ostkreis auch zwei ehemalige Bürgermeister und eine Ex-Bürgermeisterin zur Wahl. Was sie zur Kandidatur bewegt und wie sie auf den Erfahrungen ihrer Amtszeit aufbauen wollen, haben sie unserer Zeitung erzählt.

Ostkreis – In Sachen Sichtbarkeit verfolgen die drei Kandidaten unterschiedliche Wege. So sind Bernhard Bessel (CDU Hainburg) und Rolf Wenzel (SPD Seligenstadt) auf den jeweils letzten Plätzen ihrer Parteienlisten zu finden. „Einer muss ja schließlich der Letzte sein“, sagt Bessel, der jungen Leuten, denen er hervorragende ehrenamtliche Arbeit attestiert, den Vortritt lassen will. Wenzel ergänzt: „Der letzte Listenplatz einer Kandidatenliste bei der Kommunalwahl muss ja nicht der letzte nach der Wahl sein.“

Anders hält es Dagmar B. Nonn-Adams. Die 66-Jährige tritt auf Listenplatz vier für die FDP Seligenstadt an, deren Vorsitzende sie ist. „Wer verantwortlich zeichnet, sollte offen zeigen, welche Rolle er in der kommunalpolitischen Arbeit einnimmt. Ich bevorzuge also das offene Visier.“

Dagmar B. Nonn-Adams wurde 2003 als parteilose Quereinsteigerin die erste Frau an der Seligenstädter Rathausspitze. Zwölf Jahre war sie im Amt. Für die FDP Seligenstadt kandidiert die Ortsvereinsvorsitzende auf Listenplatz vier.

Zwölf Jahre lang war Nonn-Adams Bürgermeisterin in Seligenstadt – diese Verantwortung, so sagt sie, lege man mit Amtsaufgabe nicht einfach ab. Als Vorsitzende des FDP-Ortsvereins sei sie im ständigen Dialog mit den Parteivertretern im Stadtparlament. „Es ist für mich daher selbstverständlich, zusammen mit unserem Bürgermeister, unserem Landtagsabgeordneten und unserer Fraktionsvorsitzenden den Wählerinnen und Wählern sichtbar zu machen, für welche Ziele wir uns als Team einsetzen“, umreißt Nonn-Adams ihre Ambitionen. Die Schaffung stabiler Mehrheiten, die Bereitschaft zu parteiübergreifenden Lösungen – für sie eine Herzensangelegenheit.

65 Prozent der Wähler gaben ihr bei ihrer letzten Bürgermeisterwahl die Stimme. Dieses für sie erfreuliche Ergebnis führt Nonn-Adams darauf zurück, stets ein offenes Ohr für die Bürger gehabt zu haben. „Dieses Gespür für die Sorgen und Nöte, für den kommunalpolitischen Handlungsbedarf aus Sicht der Bürgerinnen und Bürger, der Vereine und Gewerbetreibenden kann und möchte ich einbringen.“

Zunächst gelte es, die Folgen der Corona-Pandemie zu verarbeiten, Digitalisierung der Schulen und Erhaltung einer lebendigen Einkaufsstadt eingeschlossen. Gerade wenn es um große kommunale Projekte wie finanzierbaren Wohnraum und städtische Infrastruktur geht, sieht sich Nonn-Adams angesichts der aufkommenden Meinungsvielfalt als Brückenbauerin gefordert.

Bernhard Bessel war 24 Jahre lang Bürgermeister in Hainburg. Nach vier Amtszeiten war im Februar 2017 Schluss. Die CDU Hainburg will Bessel auch im Ortsparlament vertreten, kandidiert ganz hinten auf Platz 37.

An einem „kommunalpolitischen Gen“ hält Bessel mit seiner Kandidatur in Hainburg fest: Sein Großvater war Bürgermeister, sein Vater jahrzehntelang Gemeindevertreter, Beigeordneter und stellvertretender Bürgermeister. „Auch nach 24 Jahren als Bürgermeister möchte ich an der Entwicklung und Gestaltung unserer liebens- und lebenswerten Gemeinde mitwirken“, sagt der 69-Jährige. Es mache viel Spaß und sei sehr spannend, als Vertreter der älteren Generation Teil einer so jungen Fraktion zu sein.

Die wichtigsten Projekte sieht Bessel, der 2017 aus dem Amt ausschied, von seinem Nachfolger Alexander Böhn erfolgreich weitergeführt und umgesetzt. Der Neubau an der evangelischen Kita für U3-Kinder und des Betreuungsgebäudes an der Dependance der Johannes-Gutenberg-Schule sind abgeschlossen, das Rathaus ist im Bau. „Das Hainstädter Gewerbegebiet entwickelt sich sehr gut, der Rewe-Markt wird vergrößert, dazu kommt ein neues Seniorenwohnheim mitten in Hainstadt, und der Bebauungsplan fürs generationenübergreifende Wohnprojekt am Simeonstift ist beschlossen“, zählt Bessel auf. Besonders freue er sich auf die Inbetriebnahme des Wohnheims der Behindertenhilfe Stadt und Kreis Offenbach in der zweiten Jahreshälfte.

Rolf Wenzel ist Seligenstädter Ehrenbürgermeister und seit 2006 Stadtverordneter, von 1992 bis 2003 war er Rathauschef in der Einhardstadt. Für die SPD kandidiert Wenzel auf dem letzten Listenplatz 29 zur Kommunalwahl.

Bedürfnisse und Probleme der Bürgerschaft erkennen und in Initiativen umsetzen, das will Wenzel weiterhin. Durch Mitarbeit in der Stadtverordnetenversammlung könne er unmittelbar bei der Gestaltung der Kommunalpolitik mitwirken. „Nach meiner Amtszeit als Bürgermeister war ich – trotz langer kommunalpolitischer Tätigkeit – nach wie vor motiviert, meine Ziele umzusetzen“, sagt der 80-Jährige. Die Ziele seiner Bürgermeisterzeit sieht Wenzel noch nicht alle verwirklicht: „Zum Beispiel stehen die Umgestaltung des Jahnsportplatzes, des Stadtwerke- und Bahnhofgeländes sowie die Schaffung des Betreuten Wohnens an. Besonders ärgerlich finde ich, dass das Land Hessen die Planungen für den dritten Bauabschnitt der Umgehungsstraße so vernachlässigt.“

Daneben erwähnt Wenzel auch erfreuliche Entwicklungen: „Meine Ausbaupläne für die Kinderbetreuung werden weiter umgesetzt. Die Errichtung eines Jugend- und Seniorenbeirats in meiner Amtszeit hat sich etabliert und trägt zur Entscheidungsfindung der Mandatsträger bei.“ Als Erfolg sieht er auch die von ihm geschaffene Grundlage zur Gründung des Stadtmarketings zur Stärkung des heimischen Gewerbes an.

Den Vorwurf, sie hätten sich als „Parteisoldaten“ aufstellen lassen, musste sich noch keiner der drei Kandidaten anhören. „Im Gegenteil“, so Wenzel, „bei Gesprächen mit Bürgerinnen und Bürgern erhalte ich großen Zuspruch und Ermunterung“. Auch Bessel und Nonn-Adams sind sich einig: Ein solcher Begriff passe nicht zu ihnen.

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