Ampellösung vom Tisch

Kompletterneuerung der K185: Geballter Bürgerzorn bei Infotermin 

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Kein anderes Thema treibt die Klein-Welzheimer derzeit so um wie die Erneuerung der K185. :

Seligenstadt – Gelbe Westen waren nicht zu sehen. Davon abgesehen erinnerte beim Informationsabend zur geplanten Kompletterneuerung der Kreisstraße 185 am Dienstagabend im Bürgerhaus Klein-Welzheim manches an die frustgeladene Protestbewegung im westlichen Nachbarland.

Mehr als einmal drängte geballter Bürgerzorn die Experten und Politiker auf dem Podium in die Defensive. Mit ihrem lautstarken Auftreten fanden die Gegner der umstrittenen Umleitung über Mainflingen freilich nicht nur Beifall.

Wer auf die Wende und ein Einlenken von Stadt, Kreis Offenbach und Hessen Mobil zugunsten der von einer Bürgerinitiative (BI) geforderten alternativen Ampellösung während der Bauphase gehofft hatte, sah sich enttäuscht. Zwar sei die Option gemäß dem Auftrag der Stadtverordnetenversammlung geprüft, dann aber aus mehreren Gründen verworfen worden, stellte Bürgermeister Dr. Daniell Bastian klar. Aus vier Bauabschnitten würden mit Ampeln zwölf, erklärte Tim Wallrabenstein von Hessen Mobil, der sich gegen erzürnte Zwischenrufe und erregte Proteste zeitweise kaum durchsetzen konnte. Mit Behelfsampeln im Gegenverkehr dürften die Passagen nicht länger als 200 Meter sein. Rotphasen bis zu drei Minuten und im Berufsverkehr Wartezeiten über drei Umläufe seien drin. Zusätzliche Verzögerungen drohten wegen der vielen Baufahrzeuge und Lastwagen, die in die Baustelle ein- und ausfahren.

Zum An- und Abtransport des Bruch- und Baumaterials werden nach Worten von Markus Berger, dem als Oberbauleiter des Unternehmens Strassing die Regie vor Ort obliegt, rund 1500 Lkw-Fuhren nötig sein - verteilt über zehn Monate mit der Einbahn-, über 15 bei der Ampellösung. Allein die ständigen Umstellungen der Behelfsampeln, Absperrungen und Markierungen beanspruchten in Summe einen halben Arbeitsmonat.

Unter kleinteiligem Stückwerk leide zudem die Qualität der Fahrbahn: „Mehr Abschnitte, das heißt auch mehr Nähte im Asphalt“ - von erheblichen Mehrkosten gar nicht zu reden. Details dieser Art wurden von vielen Besuchern im überfüllten Bürgerhaus-Saal mit Interesse vermerkt, die eingeschworenen Gegner der Einbahn-Lösung beeindruckten sie jedoch kaum. Vor allem erfolge die Information der betroffenen Bürger so kurz vor dem geplanten Baubeginn am 18. Februar viel zu spät, monierte Andrea Kuhn als Sprecherin der BI. Widerspruch von Seiten des Rathauschefs und der Ersten Kreisbeigeordneten Claudia Jäger, wonach die Pläne seit Jahren erörtert, vielfach in öffentlichen Sitzungen der städtischen Gremien diskutiert und auch in den Medien mehrfach vorgestellt worden seien, ließen die Gegner nicht gelten.

Bei einem förmlichen Planfeststellungsverfahren, wie es drei Kläger in einem beim Verwaltungsgericht in Darmstadt anhängigen Verfahren fordern, hätten die Bürger viel früher gehört werden müssen, betonte Kuhn. Vehement forderte sie die Prüfung eines Alternativvorschlags ein, wonach der Grünstreifen südlich der K 185 als Behelfsfahrbahn asphaltiert werden soll. So werde abschnittsweise ein Baustellenverkehr in zwei Richtungen möglich, damit auch die erwartete Belastung durch den Umleitungsverkehr in Mainflingen vermindert.

Unzufrieden zeigten sich zahlreiche Besucher nicht nur mit dem nach wie vor geplanten Umleitungskonzept. Auch die Ausbauplanung für die Verbindungsstraße zwischen den Kreiseln am Amtsgericht und an der Einmündung Hauptstraße, von einem Mitarbeiter des städtischen Bauamts vorgestellt, gefielen nicht allen.

Buh-Rufe gab es für das Vorhaben, die Linienbusse an künftig drei barrierefrei ausgebauten Haltestellen auf der Fahrbahn halten zu lassen. Busbuchten verböten sich schon wegen der vielen langen Gelenkbusse im Schülerverkehr, betonte Ordnungsamtsleiter Roman Braun. Kritik übten Bürger zudem an den beiderseits geplanten Fahrradwegen, auch der Nutzen eines ausgebauten Gehwegs zwischen den Stadtteilen erschloss sich nicht allen.

In Gewaltkonflikten richtig verhalten

Auf das Großprojekt ganz zu verzichten und lediglich die Fahrbahnoberfläche auszubessern, kommt für die Erste Kreisbeigeordnete nicht in Frage: „Die Straße ist dringend fällig, da gibt es nichts zu diskutieren“, so Jäger. Der Ausbauplan sei nicht nur zwischen dem Kreis Offenbach als Baulastträger, der Stadt Seligenstadt und Hessen Mobil über viele Jahre abgestimmt, er werde auch verkehrstechnischen Zielen gerecht: Schutz der Radfahrer und besonders der radelnden Schüler, fußläufige Verbindung zur Kernstadt, Barrierefreiheit im öffentlichen Nahverkehr und nicht zuletzt Verkehrsberuhigung. „Am Ende“, so Jäger, „steht ein Gewinn für alle in Sachen Mobilität“. (zrk)

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