Geplantes Asklepios-Bettenhaus:

Konflikt zwischen Anwohnern und Klinik spitzt sich zu

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Direkt an das dreistöckige Haupthaus soll der Neubau L-förmig angebaut werden - die Anwohner empfinden das als „erdrückend“.

Seligenstadt - Der Konflikt zwischen Anwohnern der Schubertstraße und der Asklepios-Klinik spitzt sich zu. Es geht um Pläne zum Bau eines dreistöckigen Bettenhauses in ihrer unmittelbaren Nähe und auf 70 Metern Länge. Von Michael Hofmann 

Ein Schlichtungstermin im Rathaus scheiterte im März, nun beschweren sich die Anwohner bei den Stadtverordnetenfraktionen über das „erdrückende Gebäude“. Wie bereits berichtet, plant die Seligenstädter Asklepios-Klinik einen Anbau mit 144 Betten, weil die Ausstattung im Haupthaus mit überwiegend Dreibett-Zimmern nicht mehr zeitgemäß ist. Später soll das bestehende Gebäude modernisiert werden. Dieser Anbau, der Stein des Anstoßes, soll L-förmig an das dreistöckige Haupthaus angefügt werden - mit 13,50 Metern in gleicher Höhe. Vorgesehen sind drei Etagen, auf jeder der beiden oberen sollen zwei Stationen mit jeweils 36 Betten in 18 Zimmern entstehen, insgesamt also Platz für 144 Patienten.

Im aktuellen Schreiben an die Fraktionen versichern die Anwohner, sie seien keineswegs gegen eine notwendige Erweiterung der Klinik. „Wir verstehen aber nicht, wie man in Bezug auf eine gute Nachbarschaft so bauen will, obwohl das vorhandene Gebäude viele alternative Möglichkeiten bietet, die die Bedürfnisse der Klinik erfüllen, ohne den Nachbarn die Wohnqualität zu nehmen.“

Genau darum geht es. Die Anwohner berufen sich auf den Wohngebietscharakter ihres Areals, in dem laut Bebauungsplan bei Einfamilienhäusern einstöckige Bebauung, mithin eine Höhe von maximal 8,5 Metern, vorgesehen sei. Gewährten Straßen und Freiflächen bisher eine gewisse Privatsphäre zur Erholung, sei es damit vorbei, wenn „nun im Abstand von zirka fünf Metern ein 13,5 Meter hohes und 70 Meter langes Gebäude“ entstehe. Dieses Gebäude füge sich auch nicht in mehr in die Umgebung, wie es der Analog-Bebauungs-Paragraf 34 laut Baugesetzbuch fordere. In der Konsequenz werde in den Monaten März bis September die Sonneneinstrahlung „stark eingeschränkt oder entfällt vollständig, Sonnenkollektoren werden nur noch wenig oder gar keine Leistung mehr abgeben.“ Die Bewohner sprechen von einer „nicht mehr hinnehmbaren Reduzierung der Wohnqualität“, die ihnen schon des Öfteren die Nachruhe gekostet habe.

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Ob die Parteien nun im Rahmen ihrer Möglichkeiten dazu beitragen können, eine Lösung zu finden, „die für alle tragbar ist“, steht dahin. Bürgermeister Dr. Daniell Bastian erinnert sich noch gut an den März-Termin im Rathaus und die „extrem aggressive Stimmung“ einiger Anwohner; natürlich auch daran, dass es keine Einigung gegeben habe. Die Organisatoren des Klinik-Ausbaus hatten damals zugesagt, ihr Vorhaben zu überdenken, gaben den Anwohnern jedoch schon Anfang April schriftlich bekannt, dass es doch bei der vorgestellten Planung bleibe. Bei allem Verständnis für die Anwohner, so der Bürgermeister dieser Tage, unterstütze die Stadt Seligenstadt die Klinik-Erweiterung. „Wir haben allerdings keinen Einfluss auf die Ausgestaltung, so lange die baurechtlichen Vorgaben eingehalten werden. Unter diesen Umständen halte ich eine rechtliche Auseinandersetzung zwischen Klinik und Anwohnern allerdings durchaus für möglich.“ In der Tat ist der Kreis Offenbach Genehmigungsbehörde, die sich mit dem Bauvorhaben der Seligenstädter Asklepios-Klinik auseinsandersetzen muss.

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