In den Koronargruppen in Seligenstadt und Zellhausen halten sich Betroffene fit

Stete Schritte für das Herz

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Gisela Mundinger (links) ist stellvertretende Vorsitzende der Herzsportgruppen, neben ihr die Ärztin Gudrun Schüler sowie die Übungsleiterinnen Inge Dieterich und Beate Degen.

Ostkreis - Sport treiben ist wichtig - auch nach einer schweren Herzerkrankung. Damit sich die Betroffenen nicht überfordern, bieten die Herzsportgruppen in Seligenstadt und Mainhausen seit Jahren regelmäßig Trainingseinheiten unter fachkundiger Leitung an. Von Thilo Kuhn

„Die Füße nach vorne! Arme leicht über dem Kopf kreisen lassen!“ Solche oder ähnliche Kommandos der Übungsleiterinnen erschallen, untermalt von entspannender Musik, einmal pro Woche in der Sporthalle der Seligenstädter Einhardschule oder in der Turnhalle neben dem Zellhausener Bürgerhaus. „Ärztlich angeleitete Bewegungsabläufe sind Trumpf für die Patienten“, so die stellvertretende Vorsitzende der Koronargruppe Seligenstadt, Gisela Mundinger, und Gudrun Schüler, Ärztin aus Neu-Isenburg, die beide schon seit Jahrzehnten die Koronargruppen der Region begleiten.

Gerne erinnert sich Gudrun Schüler an die Anfänge der Gruppe in den frühen 1980er Jahren, als Dr. Lothar Schute vom damaligen Seligenstädter Kreiskrankenhaus die Gründung in der Region mit aufbaute. Bis vor wenigen Jahren habe die Devise gegolten, äußerste Ruhe sei für Herzpatienten die beste Medizin. In den ersten Tagen oder Wochen nach einem Infarkt sei dies auch heute noch angebracht, so die Ärztin. Doch mittlerweile seien Mediziner der Ansicht, dass Patienten nach überstandenem Herzinfarkt neben gesunder Ernährung auch wohl dosierte Bewegung in Form eines Herz-Kreislauf-Trainings gut tue. „Auch eine positive Lebenseinstellung ist für die Bewältigung der Krankheit mitentscheidend“, betonen die Frauen.

Gymnastik gehört zum regelmäßigen Programm der Herzsportgruppen. Die Trainingseinheiten finden stets unter ärztlicher Aufsicht statt.

Zum Ärzteteam gehören neben Gudrun Schüler auch Dr. Winfried Steil, Dr. Igor Tschirkov und Dr. Jörg Hinze. Die Übungsleiterinnen sind Beate Degen, Inge Dieterich, Claudia Kraus, Birgit Blümel und Renate Bludau. Nach dem Trainingsteil stehen noch diverse Ballspiele in einem kleinen „Wettkampf“ als Anreiz für die leistungsstärkere Gruppe an. Die etwas weniger Belastbaren versuchen sich im „Bosseln“, einer Art „Eisstock-Schießen“ auf Turnhallenboden. Fünf bis sechsmal jährlich bieten gemeinsame kleine Wanderungen die Möglichkeit sich näher kennen zu lernen. Ausflüge und eine Weihnachtsfeier sind weitere Aktivitäten.

Die Ausstellung einer ärztlichen Verordnung für Rehabilitationssport geht dem Erstkontakt mit der Koronargruppe in der Regel voraus. 45 oder 90 Übungseinheiten über zunächst ein oder zwei Jahre umfasst eine Verordnung. Der ersten Teilnahme an einem Training geht eine medizinische Eingangsuntersuchung voraus, bei der die Belastbarkeit des Einzelnen anhand von ärztlichen Befunden, Klinikenberichten und bereits verordneter Medikation festgestellt und die aktuelle die Leistungsfähigkeit des Herzens ermittelt wird. Eine ärztliche Karteikarte wird in der Gruppe ebenso angelegt wie eine Anwesenheitsliste.

Fitte Sprünge - Trainieren auf dem Trampolin

Die unterschiedliche Leistungsstärke der Einzelnen im Sitzen, Stehen oder Laufen hat eine Einteilung der Patienten in drei Gruppen zur Folge. Die Belastbarkeit wird in Ergometerwerten bis 70, bis 100 und über 100 Watt eingeteilt. In Zellhausen existieren derzeit lediglich zwei Gruppen, dort sind noch Plätze frei. Organisatorisch werden die Gruppen seit acht Jahren vom Vorsitzenden Eugen Rast aus Rodgau und seiner Stellvertreterin Gisela Mundinger geleitet, die seit mehr als 20 Jahren im Vorstand und als Wanderwartin im Verein aktiv tätig ist. Die Trainerinnen der Gruppen sind Fachübungsleiterinnen für Rehabilitation mit der Fachrichtung Innere Medizin und besitzen eine spezifische Lizenz. Sie nehmen auch regelmäßig an Fortbildungen teil. Das Programm der Übungsabende stimmen sie mit den jeweils anwesenden Medizinern ab.

Das wöchentliche Training erfolgt stets unter ärztlicher Aufsicht. Puls- und Blutdruckmessungen während oder im Anschluss an die Stunde sind möglich und oft nötig. Auf eventuelle Notfälle sind die Ärzte vorbereitet, so gehört zur Ausrüstung auch ein Defibrillator. In den Gruppen von höchstens 20 Personen herrscht eine recht familiäre Atmosphäre, weil neben den Patienten auch Ehepartner dabei sind und zur Motivation mittrainieren. „Austausch mit Betroffenen ist auch psychologisch ganz wichtig“, erklären Gudrun Schüler und Gisela Mundinger. Stärkung des Selbstvertrauens und aktive Lebensgestaltung ohne Angstzustände nach einer oft unerwarteten Erkrankung seien ebenso bedeutende Faktoren.

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