Aktion „Wir machen auf....merksam“

Corona: Einzelhandel klagt Not - Neue Aktion geplant

An der Boutique „Josies Fashion“ an der Bahnhofstraße prangte gestern ein Flyer, mit dem Einzelhändler auf ihre schwierige Situation aufmerksam machen.
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An der Boutique „Josies Fashion“ an der Bahnhofstraße prangte gestern ein Flyer, mit dem Einzelhändler auf ihre schwierige Situation aufmerksam machen.

Bei manchem Einzelhändler in Seligenstadt macht sich Unmut über die aktuellen Corona-Regeln breit. Zwei Frauen beteiligen sich an einer bundesweiten Aktion und wollen ihre Läden öffnen.

Seligenstadt – Wir machen auf“ - Für einigen Wirbel sorgte in den vergangenen Tagen der Aufruf zu einer Aktion, an der sich bundesweit Einzelhändler aus Protest an den Corona-Regeln beteiligen sollen. „Auftakt sollte am gestrigen Montag (11.01.2021) sein, doch die Initiatoren haben den Start nun auf den 18. Januar vertagt. Den Slogan in etwas abgewandelter Form („Wir machen auf....merksam“) nutzten gestern mindestens zwei Seligenstädter Geschäftsfrauen, um auf ihre prekäre Situation aufmerksam zu machen. Eine von ihnen ist Alexa Toth, Inhaberin von „Josies Fashion“.

„Wir öffnen Ihre Augen für eine absolute Notsituation“, sind die Worte auf einem Flyer, gerichtet an die Bevölkerung, der an der Tür ihres Geschäftes hängt. Und Alexa Toth greift weitere Inhalte des Zettels auf, um ihre Beteiligung zu erklären: „Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass die Innenstädte veröden, wenn die Läden schließen müssen.“ Sie betont, dass es nicht um den Verstoß gegen derzeit geltende Regeln gehe, die würde sie alle einhalten. Mit der Aktion, die auch durch verschieden soziale Medien wie Facebook oder Twitter geht, solle deutlich werden, dass viele Einzelhändler finanziell am Ende seien.

„Normalerweise“, sagt die Geschäftsfrau, „gibt es um die Zeit keine Ware mehr“. Derzeit böten die Händler jedoch „jede Menge Insolvenzware“ an, weil viele ihrer Kolleginnen und Kollegen pleite seien.

Corona und der Einzelhandel im Kreis Offenbach: Protest in Seligenstadt

Wie Alexa Toth bezieht auch Louisa Bormann, Inhaberin von „Cactus Fashion“, so genannte Orderware. Kaufverträge für Lieferungen in diesem Monat hat sie bereits vor einem dreiviertel Jahr abgeschlossen. Investiert habe sie in Jacken, Hosen, Mäntel und vieles mehr einen fünfstelligen Betrag, in derselben Größenordnung gehe das auch im Februar oder März weiter.

Während die junge Geschäftsfrau berichtet, kommen zwei Frauen auf ihr Geschäft zu und fragen, ob es geöffnet ist: „Wir sind extra gekommen, um in den Geschäften einzukaufen, die heute aus Protest gegen die Corona-Maßnahmen aufmachen“, sagt eine der Damen. Dass die Aktion vertagt ist, hatten sie noch nicht mitbekommen. Während sie einen Blick ins Schaufenster der Boutique werfen, erzählt Louisa Bormann, dass weitere Vertragsabschlüsse ins Haus stünden. Bereits jetzt müsse sie für den kommenden Winter bestellen. Zwar bietet sie ihre Ware über das Internet und soziale Medien an, doch ist der Umsatz natürlich geringer. Zurzeit ist zudem noch unklar, wann die Geschäfte wieder öffnen dürfen. Je nachdem werde sie dann wohl auf einigen Wintertextilien sitzen bleiben, „denn im März kaufen die Kundinnen für den Sommer ein“.

Einzelhändler in Seligenstadt im Kreis Offenbach: „Die Luft wird dünn“

Wolfgang Reuter, Vorsitzender des Seligenstädter Gewerbevereins, hält die gestrige Aktion eher für kontraproduktiv, da sie mit dem eigentlichen Aufruf an die Geschäftsleute, die Läden aus Protest wieder zu öffnen, verwechselt werde. Innerhalb des Gewerbevereins sei über dieses Thema noch nicht gesprochen worden, die erste gemeinsam Zoom-Sitzung in diesem Jahr fand laut Reuter erst gestern Abend statt.

Die Coronahilfen, die die Regierung angekündigt hatte, fließen auch zu langsam. Reuter berichtet, dass das Ausfüllen der Anträge nicht ganz einfach sei und es Rückfragen gebe, was zu Verzögerungen führen könne. Ein anderer Seligenstädter Geschäftsmann, der nicht genannt sein möchte, sagt, dass es an der Zeit sei, dass die zugesicherte Unterstützung kommt, „sonst wird die Luft dünn“. Von Oliver Signus

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