Umzug von 32 Flüchtlingen

Weihnachtsfriede gerettet

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Zahlreiche Flüchtlinge hoffen, dass sie in Seligenstadt bleiben können. Zusammen mit Margarete Wilz-Woyk (AK Willkommen) überreichten sie eine Petition an Bürgermeister Dr. Daniell Bastian. Kreis-Sozialdezernent Carsten Müller verschob die geplante Verlegung nach Weiskirchen ins neue Jahr.

Seligenstadt - Vorweihnachtliche Hiobsbotschaft für die Flüchtlinge an der Einhardstraße. Nach dem Willen den Kreises Offenbach sollten 32 Personen am heutigen Donnerstag in die Gemeinschaftsunterkunft des Kreises nach Weiskirchen verlegt werden. Von Armin Wronski

Eine Petition verschafft ein wenig Luft, Kreis-Sozialdezernent Carsten Müller verschiebt den Umzug in den Januar. Während eine Gruppe Seligenstädter Flüchtlinge nacheinander Anlaufs- und Hilfsstellen besucht, um sich für deren Unterstützung zu bedanken, versetzt eine Benachrichtigung des Kreises Offenbach Betroffene und Helfer in Schrecken. Die Bewohner der Wohncontainer hinter der Flüchtlingsunterkunft an der Einhardstraße 76 sollen noch vor Weihnachten in die Gemeinschaftsunterkunft des Kreises Offenbach nach Weiskirchen verlegt werden. Von diesem Vorhaben zeigt sich der Arbeitskreis (AK) „Willkommen in Seligenstadt“ völlig überrascht. „Wir sehen damit unsere Bemühungen, die Menschen in der Einhardstadt zu integrieren, in Frage gestellt“, so AK-Sprecherin Margarete Wilz-Woyk am Dienstag bei der Übergabe einer eilends verfassten Petition an Bürgermeister Dr. Daniell Bastian im Rathaus. Der Arbeitskreis habe sich intensiv mit dem vielfältigen Integrationsangebot in Seligenstadt auseinandergesetzt und dieses auch wahrgenommen. Als beispielhaft nannte Wilz-Woyk den Sprachunterricht durch die Ehrenamtlichen im FLIDUM-Projekt („Flüchtlinge lernen integrativ Deutsch und mehr“). Zudem gebe es Kontakte zu den örtlichen Sportvereinen und besonders zur Kolpingfamilie, miteinander Weihnachten zu feiern. Ein Umzug nach Weiskirchen erschwere diese Kontakte, mache es fast unmöglich, sie weiter zu pflegen.

Die betroffenen Flüchtlinge erkennen an, dass sich durch einen Umzug ihre Wohnsituation verbessert, sie machen aber in der Petition, die an Müller und Dr. Bastian gerichtet ist, darauf aufmerksam, dass sie in Seligenstadt inzwischen Freunde gefunden haben, sich akzeptiert und aufgenommen fühlen: „Wir würden uns freuen, wenn wir Gelegenheit bekommen könnten, über die Situation und auch über Alternativen zu sprechen.“

Dr. Bastian sieht den Kreis Offenbach in der Pflicht, weil er die Regie im „Rote Haus“ sowie in den dahinterstehenden Containern führe. Allerdings bedauert er die mangelnde Kommunikation aus dem Kreishaus in der Sache. Sozialdezernent Carsten Müller erwidert, er verstehe die Aufregung in Seligenstadt nicht. „Seit Sommer ist bekannt, dass im Zuge der geringeren Zuwanderungen Notunterkünfte in Dreieich und Seligenstadt nicht mehr genutzt werden sollen“, so der zuständige Kreis-Dezernent. Betroffen von der Umsiedelung nach Weiskirchen seien 32 Personen. Die Petition hat allerdings ihr Ziel wohl nicht verfehlt: „Wir werden den Umzug in den Januar verschieben“, so Carsten Müller abschließend.

Bilder: So helfen Sie Flüchtlingen in der Region

Unterdessen setzen die Seligenstädter FLIDUM-Macher ihre Aus- und Fortbildungsmaßnehmen für Flüchtlinge fort. Dozent an der Kolpingstraße war dieser Tage Ulrich Wetzel, der Direktor des Seligenstädter Amtsgerichts. Er informierte über die wesentlichen Bausteine unseres Rechtsstaats. In sechs Unterrichtsstunden erhalten die Flüchtlinge Informationen über Demokratie und Rechtsstaat, Justiz und Polizei, Zivilrecht, Strafrecht, Familienrecht, Bürger-, Staats- sowie Verwaltungsrecht. Unterstützt wird diese Aktion vom Hessischen Justizministerium. In Seligenstadt erhalten die Flüchtlinge Unterricht von zwei Richtern des Amtsgerichtes als ehrenamtlicher Beitrag zur Förderung der Integration. Weitere Kurse sollen im neuen Jahr folgen.

Bilder: Umgang mit Flüchtlingen in der Region

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