Sexual-, Rohheits- und Rauschgiftdelikte auffällig

Kriminalstatistik 2020: Polizei registriert auch in Seligenstadt Auswirkungen der Corona-Pandemie

Dienststellenleiter Thomas Eck hält die Kriminalstatistik 2020 in die Kamera.
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Dienststellenleiter Eck: Hohe Aufklärungsquote, Mitarbeit der Bevölkerung ist dennoch gefragt.

Die Corona-Pandemie hatte und hat auch in Seligenstadt Auswirkungen auf die Kriminalität: Auf die „kleine“ mit einfachen Diebstählen, aber auch auf die „schwere“ mit Rauschgift-, Gewalt- und Sexualdelikten. Thomas Eck, der Leiter der Polizeistation, erläuterte dieser Tage die Statistik 2020 des Polizeipräsidiums Südosthessen.

Seligenstadt – Die Einhardstadt verzeichnet 2020 im Vergleich zum Vorjahr zwar einen Anstieg der Häufigkeitszahl HZ (Fälle auf 100 000 Einwohner hochgerechnet) um fünf Prozent, bleibt aber unter dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Insgesamt registrierte die Polizei im Vorjahr 798 Straftaten, klärte fast 60 Prozent davon auf. Zwar waren keine Straftaten gegen das Leben zu beklagen, doch stimmt ein Anstieg der Fälle gegen die sexuelle Selbstbestimmung von 15 auf 29 Fälle nachdenklich. Ebenso wie die unverändert hohe Zahl der Rohheitsdelikte (110). Dabei geht es weniger um Raub oder Raubüberfall, sondern fast ausschließlich um gefährliche und/oder vorsätzliche Körperverletzung (78 gegenüber 71 im Vorjahr). Aufklärungsquoten von fast 95 Prozent sprechen für die Polizei und lassen Rückschlüsse auf die Beteiligten zu. Deutlich zurückgegangen sind die Diebstähle, sowohl die einfachen als auch die unter erschwerten Umständen.

Das macht sich auch bei den Fahrraddiebstählen bemerkbar, jahrelang ein Seligenstädter Problemfeld, bei denen die Zahl um über 60 Prozent auf 35 Fälle zurückging. Nach wie vor gering auf diesem Sektor ist die Aufklärungsquote von 5,7 Prozent.

Thomas Eck, der Leiter der Polizeistation, lieferte dieser Tage im Rathaus Hintergrundinformationen zum Zahlenwerk 2020. Die Gesamtstatistik des Präsidiums Südhessen sei „phänomenal“, sagte der Erste Polizeihauptkommissar. Die Aufklärungsquote sei im Zehn-Jahre-Vergleich so gut wie noch nie. Gleichwohl mache sich in der Übersicht die Corona-Pandemie deutlich bemerkbar, wie eine Reihe von Veränderungen in der Seligenstädter Statistik belegten. Allgemein sei ein Anstieg der Fallzahlen um 30 festzustellen. So habe es deutlich weniger Straßenkriminalität und Einbruchdelikte gegeben. „Die Menschen sind zu Hause“, fasste Eck zusammen. Aus demselben Grund sei allerdings ein Anstieg der häuslichen Gewalt zu beklagen.

Neben der Aufklärungsquote verdiene die HZ Beachtung, die mit 3752 etwas unter Kreis- und recht deutlich unter Präsidiumsniveau (3952 / 4413) liege.

Den Anstieg der Sexualdelikte in der Einhardstadt begründet Eck mit der Reform der Sexualrechtsprechung, die die Schwelle deutlich gesenkt habe. Beispielsweise finden auch Beleidigungen auf sexueller Basis Eingang in die Statistik. Zugenommen haben allerdings Kinderpornografie und Missbrauchsfälle. Betroffen davon sei auch die Einhardstadt. Die Erhöhung der Fallzahlen sei andererseits auch einem Umdenken in der Bevölkerung geschuldet: Das Anzeigeverhalten haben sich sensibilisiert und sei angestiegen.

Erhöht haben sich auch die Gewaltdelikte, gleichwohl liegt die Aufklärung der 110 Fälle bei 90 Prozent; gar 94 Prozent bei Körperverletzung (78 Fälle). Bei Raub beträgt die Quote 50 Prozent, aber auch das sei ein gutes Ergebnis, sagt Eck.

Ganz anders sieht die Polizeibilanz bei Diebstahl (107 Fälle, Quote 31 Prozent) und schwerer Diebstahl (95 / 8,4 Prozent) aus. „Da brauchen wir die Mitarbeit der Bevölkerung, das kann die Polizei allein nicht schaffen.“

Beim früheren Sorgenkind Fahrraddiebstahl sind die Fälle markant von 88 auf 35 zurückgegangen. Schwerpunkt: Elektrofahrräder, die teilweise auch aus verschlossenen Kellern entwendet werden. Mit fünf Prozent liegt die Quote allerdings sehr niedrig, womöglich sind auch schwer zu identifizierende Serientäter am Werk.

Bei Betrug (96 Fälle) bewährt sich die Einrichtung einer zentralen Ermittlungsgruppe, die eine Erfolgsquote von 76 Prozent vorweisen kann. Schwerpunkt ist mittlerweile die Internet-Kriminalität - Folge des veränderten Kaufverhaltens in der Bevölkerung.

Eine Steigerung bei der Rauschgiftkriminalität um deutlich mehr als 100 Prozent lässt aufhorchen und sich nach Ecks Angaben ebenfalls Corona zuschreiben. Denn Routinekontrollen waren standardmäßig von Drogentests begleitet. Sehr oft wurden die Beamten fündig. In Seligenstadt, so Eck weiter, sei zudem ein großer Schlag gegen ein Drogennetzwerk gelungen. „Die Beteiligten sitzen gerade insgesamt 40 Jahre Haft ab.“

Eine gemeinsame Aktion von Bürgermeister Daniell Bastian und Thomas Eck aus dem Vorjahr wirkte sich ausnehmend positiv aus. In einem Brief hatten beide alle Senioren über Trickbetrüger aufgeklärt und ihnen Hinweise an die Hand gegeben. 2 400 Briefe hatte die Stadt verschickt. „Seit dem Schreiben wurde uns kein einziger Betrugsfall mehr gemeldet“, bilanziert Polizeichef Eck. (Von Michael Hofmann)

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