Vor Ort den Ort abbilden

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Der Münchener Künstler Jan Davidoff will in sein Werk auch die Selbstwahrnehmung der Seligenstädter einfließen lassen.

Seligenstadt - Wenn Weißbier auf Ebbelwoi trifft, kann unter Umständen Kunst entstehen. Mit seinem Entwurf eines Triptychons zum Thema Seligenstadt überzeugte der Münchener Künstler Jan Davidoff die Jury des Projekts „Kunst vor Ort“. Von Jenny Bieniek

Das fertige Werk soll spätestens im Frühjahr öffentlich ausgestellt werden, die Vorbereitungen laufen.

Drei Meter lang, knapp 1,50 Meter hoch. Das ist die Fläche, die Jan Davidoff in den nächsten Wochen und Monaten bearbeitet. Mit seinem Entwurf für ein Seligenstadt bezogenes Triptychon setzte sich der 36-Jährige unter 40 Mitbewerbern aus ganz Deutschland durch.

Sein Werk soll die Entstehungsgeschichte der Stadt abbilden und größtenteils vor Ort entstehen. „Dafür habe ich mich im Vorfeld ausführlich mit der Vergangenheit Seligenstadts befasst“, berichtet Davidoff. Seine Frau Vicky, eine Historikerin, unterstützte ihn dabei. „Man hat ja als Künstler immer seine Musen, die einen inspirieren“, verrät er.

Heutige Kultur der Stadt

Stadtvater Einhard und die Translatio der Heiligenreliquien spielten für die heutige Kultur der Stadt eine wichtige Rolle, „mir geht es aber vor allem auch darum, Seligenstadt als Produkt der Zeitläufte darzustellen“, so der kreativ Schaffende. Entstehen soll so eine Synthese zwischen historischen und modernen Stadtansichten. „Mit dieser Herangehensweise ermöglicht Davidoff dem Betrachter ganz neue Einsichten auf seinem Lebensraum“, betont Landrat und Jurymitglied Oliver Quilling.

Zwischen 2005 und 2009 studierte der gebürtige Nordener Davidoff an der Akademie der Bildenen Künste in München. Heute lebt und arbeitet er in München und Utting am Ammersee. Zu seiner Vita zählen neben Kunstmessen auch zahlreiche Austellungen im In- und Ausland. Am Dienstag kommt der Preisträger in die Fastnachtshochburg, um mit Bürgermeisterin Dagmar B. Nonn-Adams den zeitlichen Rahmen für seine Arbeit abzustecken.

Den Vorbereitungsprozess sowie die Anfertigung der Hintergründe muss der 36-Jährige jedoch „auslagern“. „Das geht rein technisch einfach nicht vor Ort, weil ich die benötigten Kupferbleche in München habe.“ Die Malarbeiten selbst finden jedoch in Seligenstadt statt, etwa ein bis zwei Wochen plant der Künstler dafür ein.

Interna der Stadt

„Das Konzept sieht vor, dass die Bürger beim Entstehungsprozess eingebunden werden und mir phasenweise vielleicht sogar zuschauen können“, erklärt Davidoff. Neben verschiedenen Seligenstädter Motiven will er auch die Bewohner auf vielfältige Weise im Triptychon verarbeiten. Dafür hofft er auf Unterstützung. „Die Idee ist, dass mich ein Einheimischer an die Hand nimmt, mich herumführt und mir Interna der Stadt zeigt.“

Das Projekt „Kunst vor Ort“ entstand 1999 aus einer Kooperation zwischen Kreis Offenbach und der Sparkasse Langen-Seligenstadt mit dem Ziel, die Verbindung aus Kunst, Region und Öffentlichkeit zu fördern. Davidoffs Triptychon ist bereits das zwölfte Werk, das mit Hilfe des Projekts realisiert wird. Der Preis ist mit 15 300 Euro dotiert. Das Geld kann der Münchener gut gebrauchen – im März wird er Vater.

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