Kulturdenkmal dient als Nistplatz

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Zahlreiche Antennen sind unter der hölzernen Dachkuppel des knapp 52 Meter hohen Turms angebracht.

Seligenstadt ‐ Neben der Einhardbasilika und dem Steinheimer Torturm ist der Wasserturm ein markantes Bauwerk in der Einhardstadt. 1938 erbaut, reckt er sich von der Sohle bis an die Spitze seiner „Pickelhaube“ auf exakt 51,70 Meter. Von Armin Wronski

Allein durch seinen weißen Anstrich wirkt der ursprüngliche Wasserhochbehälter als weithin sichtbarer Orientierungspunkt in der Landschaft des Ostkreises. Hinter der massiven, fast einen Meter dicken Mauerung wurde seinerzeit ein Wasserbehälter mit einem Volumen von 500 Kubikmetern eingebaut, der für den nötigen Druck im Trinkwassernetz sorgte. Die Baukosten betrugen vor 71 Jahren 120.000 Reichsmark.

Bemerkenswert sind die seinerzeit gezahlten Stundenlöhne: Facharbeiter verdienten 1,40 und Helfer 1,04 Reichsmark in der Stunde. Als Baubeginn verzeichnet die Chronik den 1. Mai 1938. Vermutungen deuten darauf hin, dass der Turmbau als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme diente. Der weiße Putz, die Sandsteinverzierungen, nicht zuletzt die Dachkonstruktion, erinnern an einen barocken Schlossturm und passen in das Ambiente der Einhardstadt.

Turm bis in die 1990er Jahre Löschwasserreservoir

Das massige Gebäude gehört zu den Kulturdenkmälern Hessens/Kreis Offenbach und ist in der Denkmaltopographie der Bundesrepublik Deutschland aufgeführt. Seine ursprüngliche Aufgabe übt er schon lange nicht mehr aus. Das Wasserwerk an der „Langen Schneise“ des Wasserzweckverbandes Stadt und Kreis Offenbach (ZWO) sorgt heutzutage für den notwenigen Druck im Trinkwasserrohrnetz.

Zwar wurde der Turm noch bis in die 1990er Jahre als Löschwasserreservoir für das in der Nachbarschaft angrenzende Krankenhaus genutzt, aber im Ernstfall hätte eine sachkundige Person zunächst auf den Turm steigen und den Brandschieber öffnen müssen.

Für kurzzeitige Aufregung sorgte in Seligenstadt vor einigen Jahren die Nachricht, der ZWO wolle den Turm verkaufen. Die Offerte für das gute Stück stellte der Wasserzeckverband ins Internet und als Anzeige in die Tagespresse. Nur fand sich kein Interessent, der den Kaufpreis von seinerzeit mehr als 1,1 Millionen Mark bezahlen wollte. Daraufhin verschwand die Idee in der Versenkung und der ZWO investierte 2003 über 300.000 Euro zur Renovierung und Sanierung in das imposante Bauwerk.

Mehr als 1000 Besucher

Wie beliebt der Turm bei den Menschen ist, zeigte die Resonanz bei einem „Tag des offenen Denkmals“. Geschätzt sollen es mehr als 1000 Besucher gewesen sein, die an diesem Tag zur Aussichtplattform in 40 Meter Höhe gestiegen waren.

Unter der Kuppel gibt es heute ein halbes Dutzend Antenennanlagen für die Feuerwehren, Katastrophenschutz und andere Hilfsdienste sowie von Mobilfunknetzbetreibern. Außerdem haben die Vogelschützer Nistkästen für die Turmfalken dort oben installiert.

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