Vorsichtige Töne, blanke Nerven

Kulturring Seligenstadt: Vor dem Programm zu den Klosterkonzerten steht ein dickes Fragezeichen

Streicherquartett mit zwei Männern und zwei Frauen spielt auf einer Bühne im Freien vor Publikum.
+
Zum Kleinen Streicherfestival soll, so die Hoffnung, auch das Henschel-Quartett wieder spielen.

Einen vorsichtigen Ausblick wagt der Kulturring Seligenstadt. Tenor: Es soll weitergehen, auch unter erschwerten Bedingungen.

Seligenstadt – Drei Klosterkonzerte im September und Oktober des vorigen Jahres ließen kurz aufatmen. Doch die Hoffnung, 2021 wieder durchstarten zu können, trog, das erste Quartal wurde für die Planungen ausgeklammert. Kulturring-Vorsitzender Franz Preuschoff startet seinen Bericht jedoch mit einer guten Nachricht: Im künftigen Bildungs- und Kulturhaus Hans-Memling stehen voraussichtlich schon ab Sommer Kursräume zur ständigen Nutzung durch die Volkshochschule zur Verfügung. „Das in einem Gebäude konzentrierte Angebot wird der Geschäftsführung die Arbeit erleichtern und damit die Effizienz erhöhen. Es ermöglicht dazu den politisch geforderten Ausbau des Angebots“.

Zurzeit seien die Sachgebiete „Gestalten“ und „Gesundheit“ die Renner. Nach einem weiteren Programmausbau liege nun ein aus Gründen der Einschränkungen durch die Pandemie semesterübergreifendes Programm vor, mit rund 150 Angeboten rekordverdächtig. Es bleibt die Unsicherheit, ob die Entwicklung der Corona-Pandemie eine Umsetzung auch zulässt.

Das Jahr 2020 hätte ein besonderes im Reigen der seit einem halben Jahrhundert veranstalteten Klosterkonzerte werden sollen, gleichzeitig zum Beethoven-Jubiläum (geboren 1770). Das opulente Jahresprogramm, das letztlich abgesagt werden musste, sollte auch eine mit Genugtuung erfüllte Rückschau auf fünf Jahrzehnte Musikgeschehen in der Einhardstadt sein, die mit vielen großen Namen verbunden waren. Dem weltweit gefragten Geiger und Hochschullehrer Saschko Gawriloff verdanken die Klosterkonzerte durch seine sieben über Jahrzehnte verteilten Gastauftritte einen wesentlichen Ansehensgewinn.

Das Konzertprogramm, das der Arbeitskreis Klosterkonzerte für 2021 erstellt hat (Artikel links), dient „vor allem als Beleg, dass uns Öffnungen nicht unvorbereitet treffen würden“, sagt Preuschoff. „Die jüngste Entwicklung mit der Bundes-Notbremse stellt das wohl alles weitgehend wieder infrage. Wenn die Inzidenz unter bestimmte Werte sinkt und eventuell Lockerungen winken, werden bei einem erneuten Überschreiten der Grenzwerte automatisch alle Vorbereitungen hinfällig. So ist aber ein Arbeiten nicht möglich.“ Abgesagt werden muss bereits das für Pfingstmontag geplante Konzert in der Basilika mit dem Ensemble TOP Leipzig.

Die Möglichkeit, Veranstaltungen wie Konzerte vorläufig mit Beschränkung auf einen geimpften oder genesenen Personenkreis zu begrenzen, werde bislang offenkundig nicht erwogen, bedauert Preuschoff. „Dabei wäre das eine gute Möglichkeit zu einem gleitenden Übergang in eine relative Normalität.“ Nachdem jetzt auch die Aufhebung der Priorisierung bei den Impfungen erwogen wird, würde auch der ohnehin nicht gerechtfertigte Vorwurf einer Bevorzugung einer bestimmten Gruppe entfallen, sagt der Kulturring-Vorsitzende.

Auch die Fortdauer der Abstandsregelungen für diesen Personenkreis sollte seiner Meinung nach kritisch hinterfragt werden. „Wenn keine nennenswerte Ansteckungsgefahr mehr von ihm ausgeht, dann sollte für kulturelle Veranstaltungen, bei denen das Publikum ruhig auf seinen Plätzen sitzt, das bereits erprobte moderate Mittel des sogenannten Schachbrettmusters zugelassen werden.“

Die Nerven lägen allerorten blank. „Künstler sind in akuter Existenznot, nicht nur wirtschaftlich, sondern auch psychisch. Ältere, alleinstehende Menschen leiden unter Kontaktarmut und dem Fehlen geistig kultureller Anregung“, schließt Preuschoff.  (fj)

Konzerte unter Vorbehalt:

12. Juni, St. Marien: Klavier-Rezital mit dem Pianisten Christoph Ullrich mit Werken von Domenico Scarlatti und Franz Schubert

30. Juni bis 2. Juli, Abtei-Kreuzgang/Basilika: Kleines Streicherfestival mit Henschel- und Delian-Quartett

18. Juli, Kreuzgang Basilika: Gastspiel des Bayerischen Kammerorchesters Bad Brückenau mit Werken von Mendelssohn, Le Duc, Mozart und Robert Fuchs

29. und 30. Juli, Hofgut Hörstein: „Besuche bei Abt Beringer“ mit dem Klarinettentrio der Da Ponte-Stiftung Darmstadt und mit Marizas Erben – Höhepunkte der Operettenmusik, dargeboten von Thomas Gabriel und Freunden

21. August, Konventgarten: Blechbläser-Serenade

12. September: „Hör-mal im Denkmal“ mit den Frankfurter Barocksolisten

24. September, Kirche St. Marien: Christoph Henschel (Geige), Margarita Oganesjan (Piano) und Hendrik Blumenroth (Bratsche) spielen Beethoven, Saint-Saëns und Arensky

Ende Oktober: Gerold Huber (Piano) und Consortium Musicale Würzburg holen Beethoven-Jubiläumskonzert nach

11. November, Basilika: Kammermusik mit dem Trio Cardinet und Werken von Bach, Ravel, Debussy

28. November, St. Gabriel Hainstadt: Georgi Mundrov (Piano) spielt Chopin, Skrjabin, Rachmaninoff

Silvesterabend, Basilika: Festliche Klänge zum Jahresschluss

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare