„Wir wollen ein Kulturzentrum“

Seligenstadt - CDU und Bündnisgrüne hatten mit einem gemeinsamen Antrag den Vorstoß unternommen, die SPD war mit einem Änderungsantrag beigesprungen. Von Sabine Müller

Schließlich lag in der Stadtverordnetenversammlung am Montagabend ein gemeinsam formuliertes Papier aller drei Fraktionen zur künftigen Nutzung der ehemaligen Hans-Memling-Schule vor, das bei Gegenstimmen der FDP-Fraktion befürwortet wurde. Der Antrag schlägt vor, im schmucken Gebäude in prominenter Lage neben der Basilika, um das bei der Schulkonzentration vor fünf Jahren so heftig gekämpft worden war, ein Kulturzentrum einzurichten.

„Die Stadtverordnetenversammlung hat den Magistrat bereits im August 2010 damit beauftragt, mit dem Kreis ein Konzept für die Schule zu entwickeln, das bisher nicht vorgelegt wurde“, so Dr. Richard Georgi in seiner Stellungnahme. „Das akzeptieren wir nicht länger.“ Man wolle nicht, dass dort Eigentumswohnungen, ein Einkaufsmarkt oder eine Drogerie einziehen. „Wir wollen ein Kulturzentrum.“

Laut Antrag soll der Magistrat deshalb Verhandlungen mit dem Kreis Offenbach führen und bis zur nächsten Stadtverordnetenversammlung ein Nutzungskonzept vorlegen. Vorab müssen jedoch die Eigentumsverhältnisse geprüft werden, denn sollte das Heimfallrecht greifen, dann wäre das Gebäude, nachdem es nicht mehr als Schule genutzt wird, im Besitz der Stadt. Untersucht werden soll auch, ob Einrichtungen wie die städtische Bücherei, die Musikschule und kulturtreibende Vereine untergebracht werden können, und unter welchen Voraussetzungen eine gewerbliche Nutzung - etwa für ein Café - möglich wäre.

Bedenken der FDP

Die SPD hatte in ihrem Änderungsantrag ein Nutzungs- und Kostenkonzept verlangt, bevor die Stadt das Haus vom Kreis anmietet. Im aktuellen Kollektivantrag wird ein Investitionsplan vorgegeben, der neben Umbau-, Betriebs- und Unterhaltungskosten auch Sanierungskosten und Rückstellungen ausweist. Laut Auskunft des Kreises lagen die Unterhaltungskosten bisher bei durchschnittlich 25.000 Euro pro Jahr. Mittel, die nach Meinung der drei Fraktionen durch Einsparungen bei Mieten (für die Bücherei) und Zuschüssen (für die Vereine) sowie durch Pacht (durch ein Café) aufgebracht werden könnten.

„Der Unterhalt ist ein wichtiges Thema“, meinte FWS-Vorsitzender Jürgen Kraft. Allein für die Seligenstädter Bürgerhäuser sei derzeit ein Zuschuss von 1000 Euro pro Tag zu berappen. Kraft signalisierte für seine Fraktion ein Ja zum Antrag. Anderer Ansicht war FDP-Fraktionschef René Rock, der eingangs der Sitzung erfolglos beantragt hatte, das Thema noch einmal zu schieben. „Der Kreis kann das denkmalgeschützte Gebäude nur schwer aus eigener Kraft unterhalten“, argumentierte er. „Wir sollen ihm jetzt aus der Patsche helfen.“ Gleichzeitig verpflichte der Landrat die Stadt zum Sparen. Die Idee eines Kultur- und Bildungszentrums sei nicht schlecht, doch angesichts der Kosten könnten die Liberalen den Antrag nicht mittragen.

Natascha Maldener-Kowolik und Peter Störk (Grüne) warnten vor Untätigkeit: Das Gebäude könnte sonst an Investoren vermarktet werden. CDU-Vorsitzender Joachim Bergmann sah diese Gefahr ebenfalls, erklärte aber wie schon die Bürgermeisterin im Fachausschuss, Landrat Oliver Quilling habe zugesichert, dass es keine Entscheidung zur Nutzung ohne die Einbindung der Stadt gebe.

Rubriklistenbild: © Birgit H./pixelio.de

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