Mal atemberaubend, mal witzig

Kunst im Kreisverkehr: Hingucker in der Einhardstadt mit ihren 16 Kreiseln

Der Bauhandwerker-Kreisel an der Ecke Aschaffenburger und Würzburger Straße: Das Tor zur Stadt hin ist stets geöffnet.
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Der Bauhandwerker-Kreisel an der Ecke Aschaffenburger und Würzburger Straße: Das Tor zur Stadt hin ist stets geöffnet.

Kunst im öffentlichen Raum, neudeutsch Public Art, ist eine Bezeichnung für alle möglichen Werke, die jeder Interessent in den städtischen Parks, auf Straßen oder Plätzen erleben kann. Statt Ampeln, die den Verkehr regeln, haben Kreisverkehre in vielen Kommunen die Regie übernommen. Ideale Orte für Public Art, wie die Internetseite „Kunst im Kreisverkehr“ eindrucksvoll belegt. Seligenstadt ist dort mit drei Kunstkreiseln vertreten.

Seligenstadt - Insgesamt 16 Kreisel sind in der Einhardstadt an neuralgischen Stellen eingerichtet. Dennoch ist die eiserne Regel „Fahrzeuge im Kreisel haben grundsätzlich Vorfahrt“ längst nicht bei jedem angekommen. Womöglich, weil so mancher sich zu sehr mit den Exponaten in der Mitte beschäftigt – aber das ist Spekulation.

Seligenstadt wäre nicht Seligenstadt, hätten es spezielle Exemplare wie der Froschkreisel oder der wahrscheinlich weltweit kleinste Kreisverkehr an der Ellenseestraße nicht schon zu Bütten-Ehren gebracht. Neben der funktionalen und der fastnachtlichen gibt es indes auch eine ästhetische Betrachtungsweise: Weil Schönheit im Auge des Betrachters liegt, verweisen wir an dieser Stelle auf die Internetseite „Kunst im Kreisverkehr“, mit mehr als 1,9 Millionen Besuchern sehr angesagt, die Kreiselexponate aus ganz Deutschland und darüber hinaus darstellt. Mit fast 100 Motiven ist Hessen dabei gut vertreten. liegt aber meilenweit hinter „Tabellenführer“ Baden-Württemberg mit gut 240 Exponaten.

„Mal atemberaubend, mal witzig (...) Keine Frage, Kreisverkehre liegen voll im Trend. Sie sind praktisch und begeistern zudem neuerdings immer öfter auch in ästhetischer Hinsicht“, so Webseiten-Inhaberin Monika Baur und Webmaster Thomas Kappel. Und sie haben Recht. „Was unter Kunst im Kreisverkehr zu verstehen ist, sieht wahrscheinlich jede Gemeinde anders. Von abstrakten Kunstwerken über riesige Skulpturen bis hin zu dezenter Lichtillumination bei Nacht ist fast alles dabei.“

Drei Kreisel-Kunstwerke aus Seligenstadt online vertreten

Zu sehen sind in der Tat tolle Motive, darunter drei aus Seligenstadt: die Stadttor-Abbildung auf dem Bauhandwerker-Kreisel an der Aschaffenburger Straße, die Lore an der Steinheimer Straße sowie die „Drei Türme“ an der Dudenhöfer Straße.

Beeindruckend und ein echter Augenschmaus sind die Top Ten, wiewohl ohne Seligenstädter Beteiligung. Neben Fotos und Ortsangaben sind bei vielen Einsendungen auch Erläuterungen zu finden. Unter anderem zu Ortrud Sturms „Drei Türmen“ aus Eichenholz am Kreisel Dudenhöfer Straße, 2003 eingeweiht. Die Künstlerin, so Fotograf Thomas Emden-Weinert, „schlägt mit ihrer Skulptur eine Brücke von der Altstadt mit den Türmen der Basilika, des Rathauses und dem Wasserturm, die den Besucher der Stadt schon von weit her begrüßen, zu den neu entstehenden Siedlungsgebieten außerhalb der alten Stadtgrenzen.“ Auch das Material, Eichenholz aus dem ehemaligen Abtswald verbinde Altes mit Neuem. Bei genauerem Hinsehen bemerke der Betrachter, dass jeder Turm anders sei. Eine sicher interessante Interpretation, gleichwohl ist es in jenen neuen Siedlungsgebieten nicht weit her mit Türmen. Auch zeigt Sturms „Turm 1 + 2“ vor dem Rathaus Walldorf, dass ihre Exponate wohl nicht zwingend klassische Türme symbolisieren.

Seligenstadt besitzt keine Stauferstele

Ortrud Sturms Kunstwerk „Drei Türme“ auf dem Kreisel Dudenhöfer Straße, eingeweiht im Jahr 2003.

Im Falle der „Drei Türme“ wäre ein Verweis auf die berühmten Staufer-Stelen sicher reizvoll, von denen es in Italien, Frankreich, Deutschland, Österreich, Tschechien und den Niederlanden viele Beispiele gibt und die an das im Mittelalter dominierende Fürstengeschlecht erinnern. Darunter ist eine im Benediktinerkloster Lorch, um 1102 vom Stauferherzog Friedrich I. als Familien-Grablege gestiftet, wenngleich keiner der späteren Könige und Kaiser dort bestattet wurde.

Zwar besitzt Seligenstadt selbst keine Stauferstele. Dennoch rechtfertigen der Hoftag im Jahr 1188 im Romanischen Haus und das Palatium, die Kaiserpfalz am Mainufer, allemal einen Verweis. Außerdem bringen archäologische Untersuchungen Ende der 1990er Jahre sowohl Friedrich I. Barbarossa als auch Friedrich II. mit dieser Residenz in Verbindung. Fazit: „Seligenstadt war demnach schon immer ein beliebtes Reiseziel für Pilger und Könige.“ (Von Michael Hofmann)

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