Der Sohn des „Reichsinspektors“

Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Seligenstädter Maximilian Tischer kandidiert für die AfD

Wahlplakate zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hängen an einem Laternenmast. Der Seligenstädter Maximilian Tischer kandidiert für die AfD.
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Wahlplakate hängen an einem Laternenmast. Am 6. Juni wird der neue Landtag von Sachsen-Anhalt gewählt.

Der gebürtige Seligenstädter Maximilian Tischer kandidiert bei der Landtagswahl in Sachsen für die AfD. Im Skandal um eine rechtsradikale Terrorzelle in der Bundeswehr wurde Tischer 2017 als mutmaßlicher Komplize von Franco A. festgenommen, dann wieder freigelassen.

Seligenstadt/Magdeburg – Wenn die Bürger Sachsen-Anhalts am Sonntag einen neuen Landtag wählen, spielt ein Hesse eine nicht zu unterschätzende Rolle. Auf Platz 26 der AfD-Liste kandidiert der gebürtige Seligenstädter Maximilian Tischer. Der Mann, der im Skandal um eine rechtsradikale Terrorzelle in der Bundeswehr Anfang Mai 2017 als mutmaßlicher Komplize des Rädelsführers Franco A. im baden-württembergischen Kehl festgenommen, nach einigen Wochen aber wieder freigelassen wurde. Tischer und A. waren als Offiziere im Jägerbataillon 291 in Illkirch (Elsass) stationiert.

Damalige Annahme der Bundesanwaltschaft: Tischer soll an Plänen A.s beteiligt gewesen sein, „aus einer rechtsextremistischen Gesinnung heraus“ gemeinsam mit diesem und einem weiteren Helfer einen Anschlag vorbereitet zu haben. Der Verdächtige war mit Hauptwohnsitz in Straßburg, Zweitwohnung in Seligenstadt, gemeldet. Beide Wohnungen gehörten zu 16 Objekten, die mehrere Dutzend Polizeibeamte Ende April 2017 durchsuchten und bei Tischer (damals 27) auf einen Kassiber stießen.

Die CDU ist in der ausgehenden Legislaturperiode im sachsen-anhaltinischen Landtag in Magdeburg mit 30 Mandaten die stärkste Partei, dahinter kommt die AfD, die 21 Sitze hat. Umfragen zufolge könnte die AfD am Sonntag zulegen, das bedeutet, dass Tischer, der kürzlich die Taufe seines ersten Kindes im Seligenstädter Stadtteil Klein-Welzheim feierte, durchaus Chancen auf ein Mandat hätte, alternativ als Nachrücker bestens positioniert ist.

Am 5. Juli 2017 hebt der Bundesgerichtshof (BGH) den Haftbefehl gegen Tischer auf. Aus dem zehnseitigen BGH-Dokument geht hervor, dass es sich nicht gerade um einen Freispruch erster Klasse handelt, vielmehr argumentiert der BGH, es bestehe kein dringender Tatverdacht dahin, dass Tischer als Mittäter oder Gehilfe beteiligt gewesen sei, mithin sei die Aufrechterhaltung der Untersuchungshaft nicht verhältnismäßig. Und das, obwohl die Namensliste mit möglichen Anschlagsopfern (der damalige Justizminister Heiko Maas, Ex-Bundespräsident Joachim Gauck, links gerichtete Institutionen) bei Tischer aufgefunden worden war.

Im Herbst 2018 werden die Ermittlungen gegen Tischer eingestellt. Zu diesem Zeitpunkt ist er bereits Mitarbeiter des AfD-Bundestagsabgeordneten Jan Nolte (32), eines Verteidigungspolitikers und Soldaten. Nachdem die Ausweisstelle des Bundestags Tischers Akkreditierung zunächst verweigert, gewährt sie diese jedoch schließlich nach mehrwöchiger „Tiefenprüfung“. Anfang September 2019 beruft sich das Nachrichtenmagazin Der Spiegel auf einen AfD-Pressesprecher, demzufolge Tischer inzwischen Parteimitglied sei. Zudem lässt sich Tischer in Sachsen-Anhalt in den Landesvorstand der Jungen Alternative (JA) wählen, die das Bundesamt für Verfassungsschutz sowie die Verfassungsbehörden von fünf Bundesländern, darunter Hessen, als „Verdachtsfall“ beobachten. Nach Recherchen der Zeitung Die Welt war der Soldat Tischer bereits 2015 „in den Fokus des Militärischen Abschirmdienstes (MAD) geraten. Er soll einen Kameraden für Aktionen gegen Ausländer angeworben haben“.

Für reichlich Schlagzeilen sorgte auch Tischers Vater Thomas („Der Reichsinspektor“), der einst eine Ausbildung im Seligenstädter Rathaus durchlief und zeitweise im Bürgeramt eingesetzt war, später in Ostdeutschland immer wieder im Zusammenhang mit Reichsbürgern, Selbstverwaltern und rechtspopulistischen Gruppierungen genannt wird.

Franco A. (32), der am 26. April 2017 in Frankfurt festgenommen wurde und derzeit vor dem Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts Frankfurt steht, legte inzwischen ein Teilgeständnis aus seinem Doppelleben als Soldat und syrischer Flüchtling ab, bestreitet aber den Vorwurf der Terrorplanung. Franco A. ist mit Tischers Schwester liiert, das Paar hat zwei Kinder. (Von Michael Hofmann)

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