„Lange Nächte sind meine größte Herausforderung“

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Nicole Fecher hat sich auf Küchenplanung spezialisiert.

Seligenstadt - (he) Mit einem absoluten Novum wartet das Schlumberland in der Fastnachtskampagne 2009 auf: Die Regentschaft der Seligenstädter Narrenschar ist Prinzenpaar und Dreigestirn in Personalunion.

Seine Tollität Norbert Zöller ist Prinz und gleichzeitig Bauer, und die 26 Jahre junge Nicole Fecher ergänzt als ihre Lieblichkeit das perfekte Gespann. Der 45-jährige Prinz Norbert bezeichnet sich selbst als Fastnachter aus zweiter Reihe. Er ist aktiv im Gesangverein Germania 03 und in der Gruppe „Maries Bunkerschlumber“ beim Wagenbau sowie als deren Traktorfahrer beim Rosenmontagsumzug mit von der Partie.

Das Angebot der „drei Weisen“ vom Heimatbund das Oberhaupt der Seligenstädter Narren zu werden, sei für den hauptberuflichen Landwirt völlig überraschend gekommen. „Ich hatte auch keine Probleme mit der Geheimhaltung, wurde ich doch gar nicht als Aspirant gehandelt“, sagt der vierfache Familienvater lächelnd.

Die Prinzessin an seiner Seite hatte es da vergleichsweise schwer. Als Spross aus der Familie der Gärtnerei Fecher, bereits durch Vater Herbert und Schwester Anja ein erprobtes Adelsgeschlecht, eng mit der Seligenstädter Fastnacht verbunden, war sie ein Dauergast an der Prinzessinnen-Wettbörse. Nicole Fecher trainiert das Männerballett der Germania 03, tanzt selber auf der Heimatbundbühne und ist ihr Leben lang fester Bestandteil der „Gruppe Fecher“.

Gemeinsam mit Familienmitgliedern und Freunden wird in der Wagenbauerhalle alljährlich ein kreativer Motivwagen zusammengezimmert, um damit dann beim Rosenmontagsumzug mitzuwirken. Für die ausgebildete Tischlerin, die sich auf Küchenplanung spezialisiert hat, ist mit der Nominierung ein Traum in Erfüllung gegangen. Darauf gehofft habe sie schon, erzählt Nicole, „aber du weißt ja nie, ob's Wirklichkeit wird.“

Wie alle Lieblichkeiten aus dem Schlumberland vor ihr musste auch sie zusagen, ohne den Namen des Prinzen zu erfahren. Im Moment der Wahrheit stand dieser in einem Ganzkörperbärenkostüm vor ihr und stellte Rätselfragen, bis sie auf seinen Namen kam. Diese Geduldsprobe war eine der vielen Aufregungen in ihrem Prinzessinnenleben auf Zeit.

„Meine größte Herausforderung sind die langen Nächte“, beschreibt der studierte Agrarwissenschaftler Norbert. Er muss einen Sieben-Tage- Job samt 24-Stunden-Bereitschaft mit der zentralen Rolle im Fastnachtsgeschehen verbinden. So warten unter anderem 22 Milchkühe ungeachtet seiner hoheitlichen Funktion morgens und abends darauf, von ihm gemolken zu werden. Auch am Rosenmontag, noch vorm Weckruf, wird er dieser ersten Tätigkeit eines Tages auf seinem Hof nachgehen. Am Abend, wenn der Lindwurm ruht und alle am Feiern sind, wird er wieder die Euter seiner Kühe prüfen, an die Melkmaschine anschließen und nachbehandeln.

Norbert und Nicole erhalten viel Unterstützung von Familie und Freunden, aber es gibt eben Aufgaben, die möchte man trotz allen Trubels selber erledigen, genauso wie sich einmal inkognito während der närrischen Tage unters Volk mischen…

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