VOLKSBANK Stabile Ertragslage, drei Prozent Dividende

Leben mit Negativzinsen

Volksbank-Vorstände Müller (links) und Rech: Sparanlageverhalten zwingend ändern.
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Volksbank-Vorstände Müller (links) und Rech: Sparanlageverhalten zwingend ändern.

Trotz schwierigster Rahmenbedingungen hat sich die Volksbank Seligenstadt auch im Jahr 2020 sehr gut behauptet. Das betonte Vorstandsmitglied Oliver Müller in der coronabedingt rein virtuell veranstalteten Jahresversammlung am Mittwochabend. „Unsere stabile Ertragslage und Thesaurierungsfähigkeit (Reinvestition) belegen die Zukunftsfähigkeit unseres kundenorientierten Geschäftsmodells.“ Vorstand und Aufsichtsrat schlugen für die Mitglieder eine Dividende von 3,0 Prozent vor.

Seligenstadt - Volksbank-Vorstandskollege Stefan Rech erläuterte die Zahlen des Geschäftsjahres 2020. Die erfolgreiche Entwicklung dokumentiere sich in der überdurchschnittlichen Ertragslage. Der Zinsüberschuss sei gegenüber dem Vorjahr um 349 000 Euro oder 6,8 Prozent gesteigert worden. Auch habe sich das Provisionsergebnis positiv entwickelt (+ 4,1 Prozent). Mit einem Betriebsergebnis vor Bewertung von 2,3 Millionen Euro sei die Ertragslage weiterhin überdurchschnittlich gut und ermögliche eine deutliche Stärkung der Rücklagen.

Ebenso habe die Volksbank eine Steigerung des Kundengeschäftsvolumens um 0,9 Prozent auf 367,4 Millionen Euro erreicht, so Rech weiter.

Die Bilanzsumme reduzierte sich hingegen geringfügig um 1,4 Prozent auf 194 Millionen Euro. Ursache sei das leicht rückläufige Kundenkreditvolumen. Dagegen konnte eine Steigerung der Kundeneinlagen um 3,1 Prozent auf 107 Millionen Euro verzeichnet werden.

Deutlich gesteigert wurde die Eigenkapitalausstattung. Das bilanzielle Eigenkapital beläuft sich auf 21,8 Millionen, 8,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Vorstand und Aufsichtsrat schlugen eine Dividende von 3,0 Prozent vor. Ebenso soll eine angemessene Stärkung des Eigenkapitals der Bank erfolgen. Im weiteren Verlauf der Sitzung wurden Vorstand und Aufsichtsrat entlastet, der Jahresabschluss festgestellt, der Dividendenvorschlag angenommen und Richard Fecher für eine weitere Amtszeit in den Aufsichtsrat gewählt.

Aufsichtsratsvorsitzender Rolf Nover hatte die Sitzung eröffnet, Oliver Müller aktuelle politische und wirtschaftspolitische Themen aufgegriffen, natürlich auch Corona. Besonders hervorzuheben sei, dass die Bank viele ihrer Kunden, die aufgrund der Pandemie unverschuldet in Schwierigkeiten geraten seien, habe unterstützen können - mit Förderkrediten oder auch der Möglichkeit einer Ratenreduzierung.

Kritisch beurteilt Müller die Forderung, die Rolle des Staates weiter auszubauen. Wenn Politiker meinten, der Staat sei der bessere Unternehmer, der alles zentralistisch regeln könne, „bekämen wir ein großes Problem in Deutschland“, warnte Müller. Sorge bereitet dem Vorstandsmitglied darüber hinaus, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Märkte weiterhin mit Geld flute und sich die Staaten in einem noch nie dagewesenen Ausmaß verschuldeten. Ein Ende sei nicht in Sicht. Deshalb seien Negativzinsen auf Dauer die Regel. Nun kämen noch Vorboten einer inflationären Entwicklung hinzu. All das werde politisch billigend in Kauf genommen, der Sparer zahle die Zeche. Wer einigermaßen gegensteuern möchte, müsse zwingend sein Sparanlageverhalten ändern. Das gute alte Sparbuch tauge in derartigen Zeiten nur noch zur Ansammlung eines Notgroschens.  mho

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