Lebhafte Reise durch Geschichte

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Josef Happel

Froschhausen (th) ‐ Es war ein Informationsabend mit vielen Erinnerungen aber auch mit einer Vielzahl neuer Eindrücke für die jungen Besucher.

Ehrenbürger Josef Happel, Zeitzeuge der jüngeren Geschichte Froschhausens, erläuterte auf Einladung der Jungen Union Froschhausen die Entwicklung der Kommune von der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg bis zum Verlust der Selbstständigkeit des heutigen Seligenstädter Stadtteils.

Josef Happel, war von 1956 bis 1976 in der Kommunalpolitik in verantwortlichen Positionen tätig. Zu Beginn der Veranstaltung hatte Thomas F. J. Lortz, Vorsitzender des Ortsverbandes der Jungen Union, gemeinsam mit dem Vorstandsmitglied Jasmin Wollner die vielen Gäste begrüßt, darunter auch Mandatsträger und den Vorsitzenden des Vereinsrings Froschhausen, Landtagsvizepräsident Frank Lortz.

Josef Happel zeigte sich als profunder Kenner seines Heimatorts: Vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zählte Froschhausen 1371 Einwohner. Dominierend waren die Lederwarenindustrie und die Landwirtschaft. Während der Nazidiktatur ab 1933 gab es keine demokratischen Parteien mehr. Happel erinnerte an den Luftangriff am 25. März 1945, bei dem elf Einwohner zu Tode kamen.

Kenner seines Heimatorts

Mit dem Einmarsch der US-Truppen war für Froschhausen der Krieg beendet. Bürgermeister Valentin Holler, der seit 1913 als ehrenamtlicher Verwaltungschef amtierte, hatte Froschhausen, so Happel, „gut durch die schlimme Zeit geführt“. Mit Ehren verabschiedet, ging er 1945 in den Ruhestand.

Bürgermeister Otto Adam Schmitt übernahm das Amt in schwierigster Zeit. Die erste Wahl einer Gemeindevertretung im Frühjahr 1946 brachte folgendes Ergebnis: CDU fünf Sitze, SPD zwei Sitze. Überall herrschte Not, die Kriegsschäden mussten beseitigt werden, die Versorgung der Bevölkerung lag im Argen und die Wohnungssituation war prekär. In den folgenden Jahren kamen zudem nahezu 500 heimatvertriebene Neubürger nach Froschhausen. „Es war für die Gemeinde eine ungeheure Aufgabe, die Unterbringung und Versorgung mit dem Nötigsten für diese Menschen zu garantieren. Hier hat sich Bürgermeister Schmitt große Verdienste erworben“, so Happel.

Aus- und Aufbau der Infrastruktur Froschhausens nahmen in den folgenden Jahren einen bescheidenen Anfang. Die Steuereinnahmen fehlten, die sehr lohnintensive Lederwarenindustrie brachte wenig Gewerbesteuer. Die Gemeinde hatte keine Grundstücke zum Verkauf, deshalb konnten auch keine Umlagen erhoben und Eigenkapital gebildet werden.

CDU verlor Mandate an SPD und Bürgerverein

Nachdem es bei der Kommunalwahl 1952 einen klaren Wahlsieg der CDU gegeben hatte (zehn Sitze CDU, zwei Sitze SPD), kam es 1956 beim kommunalen Urnengang zu einem Patt. Die CDU erhielt sechs Mandate, die Sozialdemokraten drei und ein neu gegründeter Bürgerverein ebenfalls drei Sitze. Es war eine schwere kommunalpolitische Zeit berichtete Josef Happel, der im Jahr 1956 den Vorsitz der CDU-Fraktion übernommen hatte.

Nachdem die Friedhofshalle erstellt war und ein Ehrenmal für die Gefallenen errichtet wurde erfolgte im Jahr 1957 der Beschluss zum Bau einer neuen Schule. Nach der Kommunalwahl 1960 hatte die CDU wieder die absolute Mehrheit. Bürgermeister Otto Adam Schmitt erhielt die Ehrenbezeichnung Altbürgermeister und beendete seine Amtszeit am 30 Juni 1961. Hans Gerstner aus Heusenstamm wurde neuer Bürgermeister, viele neue Gemeindevertreter zogen ins Parlament ein.

Ziel der politischen Mehrheit war die Wiedergewinnung des Gestaltungsspielraums der Gemeinde, die Erarbeitung einer Konzeption für die Weiterentwicklung Froschhausens und die Verbesserung der Einnahmesituation. Der Verkauf des gemeindeeigenen Sportplatzes im Bereich der heutigen Marienstraße, Freiherr-vom-Stein-Ring und die Verlegung des Sportfeldes der TUS in die Lache war eine positive Zäsur. Aus dem erzielten Gelände konnte die Gemeinde Baugebiet umwandeln und verkaufen.

Bürgerhausbau war größte kommunale Investition

Danach wurde das sogenannte Südgebiet geplant und erschlossen. Es ging in Froschhausen spürbar aufwärts. 1964, 1968 und 1972 errang die CDU jeweils mit deutlichem Abstand die absolute Mehrheit bei den kommunalen Wahlen. In dieser Zeit wurde Froschhausen komplett kanalisiert, der Straßenausbau wurde komplettiert, Gehsteige, Beleuchtung, Kläranlage und das Altenwohnheim konnten realisiert werden. Auch der Kindergarten in der Schulstraße entstand. Mit vereinten Anstrengungen wurde das Ziel, ein Bürgerhaus zu errichten, erreicht. Josef Happel verwies darauf, dass mit dem Bürgerhausbau die größte kommunale Investition Froschhausens über die Bühne gegangen sei.

Nach Abschluss seiner mehr als eineinhalbstündigen Ausführungen und einer kurzen Aussprache erfuhr Ehrenbürger Josef Happel viel Anerkennung für seine Arbeit in den letzten Jahrzehnten.

Thomas Lortz bezeichnete Jupp Happel als Zeitzeugen, der an nahezu allen wesentlichen Entscheidungen in Froschhausen nach dem Zweiten Weltkrieg aktiv mitgewirkt habe. Zudem kündigte der Vorsitzende der Jungen Union an, weitere politische Informationsabende folgen zu lassen.

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