„Liebe für alle, Hass für keinen“

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Abdullah Wagishauser lobte bei seiner Rede die Zusammenarbeit mit den Behörden.

Seligenstadt (th) - „Eine Moschee in einer Stadt zu bauen ist ähnlich schwer wie die Erstellung eines Kraftwerkes oder eines Heims für schwer erziehbare Jugendliche durchzusetzen.“ Jeder wisse, man brauche diese Einrichtungen, aber niemand wolle sie vor der Haustür.

So deutlich formulierte es der Vorsitzende der islamischen Gemeinde Ahmadiyya Muslim Jamaat, Abdullah Wagishauser. In Seligenstadt wurde am vergangenen Freitag (wir berichteten) nach dreijähriger Planung der Grundstein für die Bait-ul-Hadi Moschee (arabisch für „Haus des geraden Weges“) auf einem Grundstück an der Marie-Curie Straße Ecke Friedrich-Ebert-Straße gelegt.

Viele Schwierigkeiten mussten aus dem Weg geräumt werden, so Wagishauser, der sich ausdrücklich aber auch bei vielen Unterstützern aus Seligenstadt und dem Ostkreis bedankte. „Sachliche und konstruktive Gespräche waren immer möglich.“

Unter den rund 150 Gästen der Grundsteinlegung war auch der geistige Leiter der Imame (Vorbeter) in Deutschland, Haider Ali Zafar, sowie der Seligenstädter Bauamtsleiter Rudolf Post. Neben den geistlichen Würdenträgern der Muslime, Vertretern der verschiedenen Gemeinde-Gruppierungen (Frauen, Männer über 40 Jahre und unter 40 Jahren) mauerte auch der Seligenstädter einen Stein in die begonnene Baugrube.

Eine liberale und konservative islamische Gemeinde

In einer vorhergegangenen kurzen Zeremonie, bei der unter anderem eine Mädchengruppe der Gemeinde ein deutsch-arabisches Gebet vortrug, hatte Wagishauser betont, dass die Ahmadiyya Muslim Jamaat sich als liberale und konservative islamische Gemeinde verstehe. Und: „Wir sind jederzeit offen für Gespräche mit allen Religionen“, so der in Groß-Gerau lebende Gemeinde-Vorsitzende. „Liebe für alle, Hass für keinen“, rief Wagishauser den Gästen der Zeremonie zu. Diese wurde übrigens – bis auf Koran-Rezitationen – komplett in deutscher Sprache abgehalten.

Bereits Ende Juni soll die Moschee in Seligenstadt fertig sein. Möglich wird die kurze Bauzeit durch die angewandte Modulbauweise, erstmals für eine Moschee genutzt. Das Gebäude verfügt dann über zwei Gebetsräume, einen Gemeinschaftsraum sowie Logistik- und Technikbereich. Äußerliches Zeichen des Gebetshauses wird ein rund sieben Meter hohes Minarett sein.

Die Ahmadiyya Muslim Jamaat zählt eigenen Angaben zufolge zu den fünf großen islamischen Gemeinden in Deutschland. Ihr gehören 30.000 Mitglieder an, in Seligenstadt und Umgebung bekennen sich rund 120 Muslime zu dieser Gemeinschaft. Die Ahmadiyya sieht keinen Unterschied zu anderen islamischen Bewegungen, außer in ihren Anstrengungen „die ursprüngliche Schönheit und Einfachheit des Islam“ wiederherzustellen, und im absoluten Verzicht auf Gewalt bei der Verfolgung ihrer Ziele.

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