Literatur-Projekt in der Buchhandlung „geschichten*reich“

Die fantastischen Leseratten

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13 Mädchen und vier Jungen waren am Samstag dabei, als in der Seligenstädter Buchhandlung „geschichten*reich“ ein Leseclub für Kinder und Jugendliche gegründet wurde.  

Seligenstadt - Ab sofort gibt es in Seligenstadt einen Leseclub für Kinder und Jugendliche. 17 junge Leseratten sind am Samstag in der Buchhandlung „geschichten*reich“ zusammengekommen, wo das erste Kapitel des Projektes aufgeschlagen wurde. Mit ihm erfüllt sich Inhaberin Nadine Nitsche einen lang gehegten Wunsch. Von Sabine Müller 

Früher habe ihre Mutter immer über ihren unersättlichen Lesehunger gestöhnt, berichtet die 27-Jährige ihren jungen Gästen: „Du machst mich noch pleite!“ Sie wollte selbst als Kind Mitglied eines Leseclubs sein. Für Erwachsene gebe es in Seligenstadt mehrere Zirkel, um sich regelmäßig über Lektüre auszutauschen, für die Jugend noch nichts. Auf einer Tagung machte sich Nadine Nitsche, die vor neun Monaten den ehemaligen „Bücherwurm“ an der Aschaffenburger Straße übernahm, kundig. Am Samstagnachmittag war es nun soweit: Im „geschichten*reich“ startete der Leseclub für kleine Bücherwürmer.

„Einfach vorbei kommen und reinschnuppern“, hatte die Buchhändlerin im Vorfeld eingeladen. Und genauso entspannt und unverbindlich ist die Auftaktveranstaltung im Laden. Vier Jungs und 13 Mädchen haben es sich auf Stühlen, Bänken und Sitzkissen bequem gemacht. Fast alle sind der Aufforderung nachgekommen, Lektüre von zuhause mitzubringen, die sie den anderen kurz erläutern. Dagegen wird die anvisierte Altersspanne von zehn bis 15 Jahren gesprengt: In der Vorstellungsrunde stellt sich heraus, dass die jüngste Teilnehmerin acht, die älteste schon 17 ist. Für die Buchhändlerin, die sich auf Kinder- und Jugendliteratur spezialisiert hat, kein Problem.

Neuerscheinungen lesen, die zum Teil noch nicht mal erschienen sind und Verlage kostenlos zur Verfügung stellen, ist ein Privileg der Leseclub-Mitglieder. Der Handel wiederum profitiert von den Rückmeldungen der Nachwuchs-Konsumenten. Und die wissen schon ganz gut, was ihnen gefällt und was nicht. „Eulenzauber“ hat eine Drittklässlerin zur Kommunion bekommen. „Oh, das kenn ich“, sagen ein paar andere anerkennend. Über „Alarm auf der Achterbahn“ hat eine Zehnjährige bereits ein Referat in der Schule gehalten. Fantasy-Geschichten werden genannt, weil sie voller spannender Überraschungen und Magie stecken. Auch der Klassiker „Hanni und Nanni“ wird präsentiert, und gleich drei Mal sind die Tagebücher „Mein Lotta-Leben“ dabei. Nadine Nitsche weiß um die Beliebtheit der Reihe: „Deshalb gibt es davon auch schon neun Teile.“ Die einen verschlingen Science-Fiction, andere schmökern am liebsten Bücher, in denen man sich selbst wiederfindet. Aber egal ob realistisch oder imaginär: „Lesen heißt immer, in eine andere Welt eintauchen“, sagt die Buchhändlerin.

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Buchvorstellungen mit eigener Bewertung sind fester Bestandteil der Veranstaltung, „und sie werden bestimmt bald lockerer, wenn wir uns besser kennen“, verspricht Nadine Nitsche jenen, die noch nicht so frei vor anderen sprechen. Sie möchte die Lesejugend auch gerne mit Genres wie Manga, Krimi und Biografie bekannt machen. „Oder wir könnten mal gemeinsam das Schaufenster gestalten oder ich lade eine Autorin oder einen Autor zur Lesung ein – nennt mir eure Ideen!“ Die sind heute noch gefragt, denn das Treffen soll einen Namen bekommen. „Club der fantastischen Leseratten“, schlägt ein Kind vor – das finden alle gut. Bis die Eltern sie abholen, basteln die Teilnehmer an ihrem Clubausweis, stöbern in Leseexemplaren, die sie ausleihen wollen oder lauschen Nadine Nitsche, die aus dem Buch „Bestimmt wird alles gut“ vorliest, eine wahre Geschichte über Flüchtlingskinder aus der syrischen Stadt Homs.

Der Club trifft sich samstags von 14.30 bis 16 Uhr. Die nächsten Termine: 21. Mai, 25. Juni, 6. August, 3. September, 8. und 29. Oktober, 17. Dezember.

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