Stadt plant Zusammenarbeit mit Gewerbe, Eisdielen und Cafés

Lösung: Mehrwegbechersystem

Wegwerfartikel Eisbecher.
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Wegwerfartikel Eisbecher.

Seligenstadt – Überquellende Abfalleimer, Papier- und Plastikmüll, zahllose beschichtete Einwegbecher: In den Sommermonaten immer wieder in der Seligenstädter Altstadt zu beobachten, und das trotz Sonderschichten der städtischen Mitarbeiter. Doch das soll sich bald ändern. Stichwort: Mehrwegbechersystem.

Dass die Seligenstädter Stadtverordnetenversammlung kürzlich einen Grünen-Antrag mit dem selbsterklärenden Titel „Weniger Plastikmüll in Seligenstadt, Mehrwegsysteme für mehr Nachhaltigkeit“ ausnahmslos ablehnte, klingt wie ein Anachronismus, ist aber keiner.

Denn vor den Grünen hatte bereits Erster Stadtrat Michael Gerheim (SPD) die Initiative ergriffen, konnte im Fachausschuss von schon länger laufenden Gesprächen berichten. Sein Ziel: ein freiwilliges Mehrwegbechersystem für die Gewerbetreibenden in Seligenstadt etablieren. Die Stadt setzt zudem auf die engagierte Beteiligung der Eisdielen und Cafés.

In der Parlamentssitzung lehnte die Koalition aus SPD, FDP und FWS den Grünen-Antrag ab und stärkte die Verwaltung dabei, schnell und auf freiwilliger Basis in Kooperation mit dem örtlichen Gewerbe stichhaltige Lösungen zu finden.

„Das ist der richtige Weg. Dadurch, dass wir so eng zusammenarbeiten, gibt es schneller weniger Müll“, so Gerheim, der auf eine Online-Veranstaltung („Mehrwegbecher-Pfandsystem für Speisen und Getränke“) am 25. November verweist. Im Mittelpunkt steht dann das Konzept „FairCup“, ein Start-up-Unternehmen, das 2016 auf Initiative der Lehrerin Sibylle Meyer und ihrer damaligen Schüler in Göttingen entstand. Das Besondere bei den FairCup-Bechern ist, dass sie in Leergutautomaten beteiligter Supermärkte zurückgegeben werden können.

Allerdings verzögert sich die Einführung eines - wie auch immer gearteten - Systems durch die zusätzliche Belastung der Seligenstädter Verwaltung wegen der Corona-Krise.

Vergebens hatte Petra Werk in der Stadtverordnetenversammlung zuvor für den Grünen-Antrag geworben. Es werde immer deutlicher, welche Müllmassen durch Einwegbecher und -geschirr entstehen. Ein Teil verschwinde nach einmaliger Nutzung in den privaten Mülltonnen oder sei in den gelben Säcken am Straßenrand bereitgestellt.

„Ein großer Teil ist jedoch in den städtischen Müllbehältern oder einfach achtlos weggeworfen zu besichtigen, insbesondere dort, wo sich die Menschen zum Verzehr aufhalten.“ Kein schöner Anblick, so Werk weiter, von der Ressoucen-Verschwendung und vor allem hohem städtischen Aufwand des Einsammelns und Entsorgens abgesehen. Grünen-Ziel sei eine lokale Verbesserung und Entlastungen. „Wir sehen neben dem Gewerbeverein klar den Magistrat mit Umweltamt und Wirtschaftsförderung in der Pflicht, da diese eine höhere Reichweite erzielen können.“

Von Michael Hofmann

Fehlbesetzung am Ende der Verwertungskette.

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