Die Quadratur des Fährkreises

Umstellung auf Einmann-Betrieb theoretisch möglich, aber nicht praktisch

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Mainfähre „Stadt Seligenstadt“: Nach der Umstellung vom Zwei- auf das Einschicht-Modell ist nun auch die Variante „Einmannbetrieb im Zweischichtsystem“ aufgetaucht.

Seligenstadt – Der Trend zur Personaleinsparung macht auch vor der Seligenstädter Mainfähre „Stadt Seligenstadt“ nicht Halt. Aus nachvollziehbarem Grund: Die traditionsreiche frei fahrende Wagenfähre, seit 1971 in Betrieb, gilt als Sorgenkind-Betriebszweig der Stadtwerke. Von Michael Hofmann

Das jährliche Defizit war besorgniserregend gestiegen, als die Stadtverordnetenversammlung im Frühjahr 2017 die Reißleine zog. Mit seiner SPD/FDP/FWS-Mehrheit stimmte das Parlament einem Magistratsantrag auf Umstellung vom Zwei- auf das Einschicht-Modell zum 1. Mai zu. Einsparpotenzial: 100.000 Euro.

Die damit einhergehende Verkürzung der täglichen Betriebszeiten auf 9.45 bis 20.10 Uhr samt Mittagspause sorgte anfangs für kritische Stimmen, auch eine Unterschriftenliste machte die Runde. Inzwischen ist Ruhe eingekehrt am Wasserbau - bis die Grünen-Fraktion das Thema Fähre, eingebettet in einen umfangreichen Haushaltsantrag, im Dezember erneut aufgriff. So soll zunächst geklärt werden, ob die Kreisverkehrsgesellschaft Interesse an einer Übernahme hat.

Weitere Option: Erweiterung der Fährzeiten bei Reduzierung der Personalkosten. Dies über eine Umstellung auf „Einmannbetrieb im Zweischichtsystem“ durch Zuhilfenahme technischer Mittel, etwa Digital-Überwachung des kreuzenden Schiffsverkehrs (wir berichteten). Was wie die Quadratur des Kreises klingt, hat eine Vorgeschichte. Vor der Umstellung auf das Zweischichtsystem hatte sich eine Delegation (Stadtwerke und Betriebskommission) bei der Verwaltung des Mainzer Wasser- und Schifffahrtsamts über die Fähr-Alternativen informiert. „Dabei haben wir erfahren, dass die Umschreibung des Patents auf einen Einmann-Betrieb grundsätzlich möglich ist“, erinnert sich Bürgermeister Dr. Daniell Bastian. Allerdings sei dies, wie auch die Grünen angaben, mit Umrüstungs- und Sicherungsmaßnahmen verbunden. Da dann ja nur der Mann in der Führerkabine an Bord ist, wäre ein hydraulisches Schrankensystem auf beiden Seiten erforderlich, auch müsse die Fähre beim Anlegen mechanisch mit einer Art überdimensionalen Halteöse gesichert werden. „Alles technisch machbar“, meint Bastian. Aber in der Praxis scheitert der Einmann-Betrieb an einer vermeintlichen Bagatelle: „Es ist keiner da, der kassiert.“

Fähre zur Revision in der Werft

Abgesehen davon, dass ein Ausbau der Fährzeiten bei nur einem Mann an Bord unmöglich sei, so Bastian weiter, sei an dieser Stelle schon Feierabend. Alle Varianten seien durchgespielt worden: etwa Ticket-Automaten. „Das funktioniert nur bei geringem Andrang, kommen viele Kunden, wird’s unübersichtlich.“ Auch müsse geklärt werden, wer die Tickets an Bord kontrollieren soll. Ordnungspolizei in Zivil? Stichproben? Und schließlich kosten diese Automaten mehrere zehntausend Euro, und da stelle sich schon die Frage, wer ein solches am bayerischen Ufer ja ebenfalls erforderliches Gerät vor Vandalismus schützen solle.

Die Option, dann eben ganz auf Fährgeld zu verzichten, weist Bastian zurück. Die Stadt könne kaum auf Einnahmen von rund 120.000 Euro im Jahr verzichten. „Wir haben auch die Situation auf dem Rhein abgeprüft. Da ist immer ein Kassierer an Bord. Ein alternatives System, das auch funktioniert, ist mir nicht untergekommen“, so der Bürgermeister.

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