Drei Ehrungen, aber Festtag und Ausflüge gestrichen

Mainflinger Schifferverein muss auf Feier verzichten

Schiffermast und Anker am Mainflingener Mainufer
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Im Jahr 1975 errichtete der Verein Schiffermast und Anker am Mainflingener Mainufer.

Bunte Fahnen der Schiffer wehen bei überwiegend trockenem Wetter auch in diesen Tagen am 1975 errichteten Schiffermast am Mainufer zwischen der Pfarrkirche Sankt Kilian und der Kilianusbrücke. Die traditionelle Feier des Schiffertags beim Mainflinger Schifferverein Sankt Nikolaus konnte im Jahr des 112-jährigen Vereinsbestehens wegen Corona aber nicht stattfinden.

Mainflingen – Auch nicht der traditionelle Vereinsausflug und andere Zusammenkünfte, noch nicht mal am Mast. Der einzige Verein seiner Art in Stadt und Kreis Offenbach nahm aber bei drei langjährigen und verdienten Mitgliedern die Ehrungen dieser Tage einzeln zu Hause vor.

Bei seinen Besuchen hob Vereinsvorsitzender Gerhard Stegmann jeweils deren großes Engagement hervor. Für je 60 Jahre Mitgliedschaft wurden Paul Heng und Oswald Löser geehrt. Für 25 Jahre Vereinstreue wurde Jürgen Engler aus Dettingen ausgezeichnet. Gerhard Stegmann selbst bekleidet das Amt des Vorsitzenden seit dem Jahr der Aufstellung des Schiffermastes, hat es somit vor 46 Jahren von Karl Müller übernommen. „Er ist bis heute der Motor des Vereins“, konstatiert die langsam kleiner werdende Gruppe seiner Mitstreiter. Die biologische Uhr tickt auch bei den Schiffern, aber der Vorsitzende und so einige andere machen unbeirrt weiter. Und zwar „sobald es eben nach Corona wieder geht.“

Die Anforderungen und Struktur der Binnenschifferei, wie auch die Entwicklung von Technik und Arbeitsbedingungen haben sich über die Jahrzehnte hinweg einem stetigen Wandel unterzogen. Wenn auch nur noch ganz wenige Mitglieder in Mainflingen heutzutage mit der Schifferei ihr tägliches Brot verdienen, so sind doch alle bis heute mit dem Herzen dem Main und der Schifffahrt verbunden; ob als Pensionäre oder Erwerbstätige. Einige sind nach wie vor aber gern als Freizeitkapitäne mit dem Boot oder dem Nachen unterwegs. Vorsitzender Gerhard Stegmann erinnert an die Vereinsgründung als „existenziell beruflich begründete Zweckgemeinschaft vor 112 Jahren, am 4. Januar 1909.“

Der Schifferverein pflegt eine alte Tradition, die auf die Anfänge der organisierten Schifferzunft in Mainflingen zurückgeht. Damals verbrachten Schiffseigner und deren Beschäftigte nach einem harten Arbeitsjahr in der Frachtschifffahrt die Weihnachtstage zu Hause bei ihren Familien. Deutliche Minusgrade damals bescherten in der Regel einen zugefrorenen Main, dessen Eisdecke meist auch über den Jahreswechsel hinaus lange Bestand hatte.

Diese Zwangspause nutzten die befreundeten Schifferfamilien, die sich übers Jahr auch gar zu selten sahen, für einen gemeinsamen Tag, bei dem die zumeist jungen Männer ihre besten Anzüge trugen und die Frauen sich in Festkleidern präsentierten. Den im Vorhinein terminlich festgelegten Schiffertag um das Dreikönigsfest herum nutzte die Zunft mit ihren Familien zu einem gemeinschaftlichen Frühstück, einem Kirchgang, einer Feierstunde mit deftiger Stärkung für das leibliche Wohl. Und damals noch zum abrundenden Tagesausklang mit einem rauschenden Ball im feinsten Zwirn und den Festkostümen. Der Schifferball wurde bis vor wenigen Jahren noch jährlich im Mainflingener Bürgerhaussaal veranstaltet.

Wenn in früherer Zeit die Schifffahrtswege wieder befahrbar waren, konnte man das neue Arbeitsjahr mit der schönen Erinnerung an einen erfreulichen Tag sowie eine schöne Zeit mit der Familie an Land gelassen angehen. Denn es folgte ein berufsbedingter Abschied von der Heimat meist für längere Zeit.

Von Thilo Kuhn

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