Anstelle des Stadtwerkegeländes

Marktbeschicker schlagen Löffeltrinkerplatz als Ausweichstandort vor

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Heile Marktbeschicker-Welt auf dem Marktplatz: Bei Sonderveranstaltungen sieht‘s anders aus. Die Marktleute lehnen den Ausweichstandort Stadtwerkegelände rundweg ab.

Seligenstadt - Für Sonderveranstaltungen auf dem Marktplatz hat die Stadt Seligenstadt die „Testphase“ für die Marktbeschicker auf dem Stadtwerkegelände verlängert. Damit, so zeigt sich, ist das Thema Ausweichstandort vertagt, aber noch lange nicht vom Tisch. Von Michael Hofmann 

Von einer durchaus möglichen Win-Win-Situation beim Thema Wochenmarkt sind alle Beteiligten weiterhin weit entfernt: die Stadt Seligenstadt, die den Klagen der Marktbeschicker nicht ausreichend Gehör schenkt und ihre Testphase auf dem ungeliebten atmosphärlosen Ausweichstandort Stadtwerkegelände mangels besserer Ideen über den Sommer verlängert hat; die Marktleute, die über Einbußen klagen und keine Antwort auf Alternativ-Vorschläge bekommen; und natürlich die Seligenstädter Bürger, Stammkunden, die die Stände mittwochs und samstags auf dem Marktplatz gern und oft besuchen, dagegen die Ausweichstandorte (Freihof, Stadtwerkegelände) meiden, als herrsche dort die Pest. Dabei dürfte nicht eine ansteckende Krankheit, sondern der Trubel diverser Großveranstaltungen für sie ausschlaggebend und abschreckend sein. Natürlich zum Nachteil der 14 Marktleute, die seit Monaten im Fokus stehen.

Elke und Stephan Neubauer vom Eichwaldhof zählen zu den Marktbeschickern. Sie sind nicht zufrieden mit der Entwicklung, schon gar nicht mit den in der Öffentlichkeit gehandelten Zahlen. Denn es gehe keineswegs nur um läppische vier Ausweichtermine pro Jahr, wie immer wieder kolportiert werde, sondern um elf - ohne die Geleitsjahre. Die Samstage beim Frühlingseinkauf, bei „Sommer in der Stadt“, beim Weinmarkt und an den drei Adventsmarkt-Wochenenden samt dreimal mittwochs und diverse Sonderveranstaltungen (Radrennen, Vereins-Jubiläen) zählt Neubauer auf. Seit 34 Jahren weicht er mit seinem Stand bei Marktplatz-Veranstaltungen auf den Freihof aus. Dort, so versichert er, müssen die Marktleute durch die Bank mit einem Drittel an Einbußen rechnen. Das sei schon immer so, aber erträglich.

Beim Ausweichstandort Stadtwerkegelände, vom Gewerbeverein ins Spiel gebracht und von der Stadt aufgegriffen, sei der Umsatz dagegen katastrophal. Dabei habe er mit seinem Angebot (Kartoffel, Zwiebel, Hausmacher Wurst) noch den Vorteil, dass seine Ware nicht gleich verdirbt. Die beiden Obst- und Gemüsestände dagegen müssten nicht nur grottenschlechten Umsatz verkraften, sondern können ihre Waren im Anschluss wegschmeißen. Und der Wein-Mann, der fast 90 Kilometer Anfahrt habe, sei nur zu bedauern. Außerdem: Das (unter die Erde verlegte) Abwasserpumpwerk rieche unangenehm. Das sei eben ein Parkplatz und kein Marktplatz.

Darauf haben die Marktbeschicker Bürgermeister Dr. Daniell Bastian nach einer Unterredung Ende Januar in einem Brief aufmerksam gemacht; auch darauf, dass sie das Stadtwerkegelände als Alternative rundweg ablehnten, während er es merkwürdiger als „Lösung“ herausgefiltert habe. Dass auf ihr Schreiben keine Reaktion kam, sorgte für zusätzlichen Verdruss.

Bilder zum Frühlingsmarkt in Seligenstadt

„Wir machen die Testphase mit, das ist Ehrensache“, sagen Elke und Stephan Neubauer. „Aber die Lösung kann doch nicht darin bestehen, dass wir Marktbeschicker drauflegen. Wir wollen die Fronten keineswegs verhärten, hoffen deshalb, dass die Stadt noch einmal zu einem konstruktiven Gespräch auf uns zukommt. Wir beleben die Stadt zum Jahresanfang, wenn wirklich gar nichts los ist, aber jetzt brauchen wir eine Lösung, und wir haben Fragen, die noch nicht beantwortet wurden.“

Und sie haben einen Vorschlag, auf den noch keiner richtig eingegangen sei. Während die Marktleute Verständnis für die Probleme beim Ausweichstandort Freihof haben - die dortigen Gastwirte müssen umständlich ihre Bänke und Stühle beiseite räumen - erscheint ihnen der Löffeltrinkerplatz geradezu ideal - gepaart mit der (oft praktizierten) Sperrung der Aschaffenburger Straße ab Freihof. Der Standort eigne sich aufgrund seiner Nähe zum Marktplatz, sei übersichtlich und könne die dortigen Geschäfte inklusive Metzgerei, die dort samstags einen Verkaufsstand betreibt, integrieren und zu Synergien führen. Und: „An Veranstaltungstagen können wir bei Marktende abbauen und abfahren - das würde gar keiner mitbekommen.“ Alles viel besser als der Platz vor dem Vereinsheim, der alternativ ins Spiel kam, „aber viel zu klein ist“, sagt Neubauer.

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