Konzept zur Parkraumbewirtschaftung

Mehr und höhere Parkgebühren in der Altstadt

Parken in der Seligenstädter Altstadt: angespannte Situation für Bewohner nachts, oft Suchverkehr.   - Foto: mho
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Parken in der Seligenstädter Altstadt: angespannte Situation für Bewohner nachts, oft Suchverkehr.

Seligenstadt - Verteuerung des Parkens im Stadtkern. So lautet die Empfehlung von Verkehrsplanern für die Parkplatzbewirtschaftung in der Seligenstädter Altstadt. Von Sabine Müller

Auf Grundlage ihrer Untersuchung hatte der Magistrat ein Konzept erstellt, das am Montagabend im Verkehrsausschuss debattiert wurde. Die Mitglieder gaben noch keine Beschlussempfehlung ab, votierten statt dessen dafür, dass von Gewerbe- und Altstadtverein noch eine Stellungnahme eingeholt wird. Gemäß Haushaltssicherungskonzept 2015/16 sollen marktgerechte Parkgebühren für die beiden Seligenstädter Parkdecks eingeführt werden sowie eine gesamte Parkraumbewirtschaftung erfolgen. Deshalb hatte der Magistrat das Planungsbüro von Mörner (Darmstadt) mit der Erstellung eines Konzepts beauftragt. Untersuchungsgebiet war der Innenstadtbereich (Jahnstraße/Main/Würzburger Straße/Bahnlinie), da hier der höchste Parkdruck durch Besucher besteht und die meisten öffentlichen Stellplätze vorhanden sind.

„Mit der Parkraumbewirtschaftung soll erreicht werden, dass der Parkdruck sinkt und der Parksuchverkehr abnimmt“, begründet der Magistrat seinen Antrag. Sie sei aber nicht rechtens, „wenn eine Parkgebührenpflicht überwiegend zum Zwecke der Einnahmenerzielung angeordnet würde“. Außerdem müsse im Blick sein, „dass Parkraumbewirtschaftungsmaßnahmen eine Verlagerung des Parkverkehrs zur Folge haben können“ auf die an die Altstadt angrenzenden Straßen.

Professor Jörg von Mörner vom gleichnamigen Büro erläuterte in der Ausschusssitzung die Schlussfolgerungen aus der Parkraumanalyse vom Juli 2015: „Ein repräsentativer Werktag.“ Zwischen 7 und 19 Uhr wurde im Plangebiet stündlich die Parkraumbelegung inklusive Parkdauer erfasst; zwischen 2 und 5 Uhr gab es eine nächtliche Begehung. Insgesamt wurde im nach Nutzungsart in verschiedene Parkraumbereiche eingeteilten Gebiet 1856 Stellplätze gezählt: „Das ist viel“, meinte der Verkehrsplaner.

Das Resümee: Die beiden altstadtnahen, aber kostenpflichtigen Bereiche Parkdeck Kloster und Parkhaus Altstadt sind nur gering ausgelastet, während der kostenlose Feuerwehrparkplatz, der Parkplatz am Parkhaus Altstadt oder freie Stellplätze im Bereich Am Riegelsbach nahezu voll belegt sind, wie auch Plätze in oder unmittelbar an die Altstadt angrenzend. „Das Angebot an altstadtnahen Stellplätzen für Besucher ist unter Berücksichtigung der überdurchschnittlich langen Fußwege insgesamt ausreichend.“ Die Parksituation für Bewohner sei allerdings nachts etwas angespannter und bewege sich nahe an der 85-Prozent-Grenze, womit Parkplatzsuchverkehr entstehe. Die Parkbereiche Wohnen-West, P+R-Platz, Bahnhofstraße und Feuerwehr liegen mindestens einmal täglich über der 85-Prozent-Grenze. Die Experten raten vor allem zur Prüfung, ob die Feuerwache in das Bewirtschaftungssystem einzubeziehen ist. „Gerade für Dauerparker oder länger Parkende können auch längere Wege in Kauf genommen werden, so dass Alternativen am Rande der Altstadt anzubieten wären.“

Diese Park-Unfälle sind absolut verrückt

Zur Umsetzung des Konzeptes beantragt der Magistrat folgende Maßnahmen: Der Parkplatz an der Feuerwehr, vor dem Parkdeck an der Grabenstraße 37, auf dem Kapellenplatz sowie auf dem ehemaligen Gelände der Stadtwerke an der Steinheimer Straße wird gebührenpflichtig. Die Gebühren im Bereich der Seligenstädter Altstadt verändern sich von derzeit 50 Cent je halbe Stunde auf 60 Cent, auf den Parkdecks von 20 auf 30 Cent. Das Tagesticket kostet zwei Euro, das Monatsticket 30 Euro. Am Marktplatz bleibt die Höchstparkdauer bei 30 Minuten, die Brötchentaste wird jedoch abgeschafft. „Insgesamt könnten damit jährliche Einnahmen von voraussichtlich 485 000 Euro (2015: 247 877 Euro) realisiert werden.“ Voraussetzung: Das Parkverhalten ändere sich nicht. Zur Steigerung des Radverkehrs werden am Marktplatz zwischen Bahnhofstraße und Gasthof Riesen zwei Pkw-Stellplätze in Fahrradabstellanlagen umgewandelt sowie ein Stellplatz am Mainufer unterhalb des „Bubenschulhofs“.

In der Aussprache regte Adina Biemüller (Bündnis 90/Grüne) an, auch am Main-Parkplatz die Gebühren zu erhöhen, um den Verkehr dorthin zu reduzieren. Ihr Fraktionskollege, Altstadtbewohner Peter Störk, forderte, die Parkzonen der Anwohner deutlicher zu beschildern. CDU-Vertreter Joachim Bergmann fragte kritisch: „Wo sollen die Pendler denn hin? Es braucht auch nicht bewirtschaftete Parkplätze für Leute, die hier arbeiten.“ Letztlich schoben die Seligenstädter Ausschussmitglieder den Tagungsordnungspunkt eine Runde, um zuvor noch Stellungnahmen von Altstadt- und Gewerbeverein einzuholen.

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