Höhere Anforderungen durch Globalisierung

Mehr Personal für Standesamt?

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Seligenstadt - Kaum ein Rathausberuf wird mehr unterschätzt: Seltsam, hat sich doch der Alltag von Standesbeamten vor allem unter dem Druck und den Anforderungen der Globalisierung geradezu potenziert.

Auch im Seligenstädter Standesamt kommen zu deutschen längst auch exotische ausländische Ehe-, Familien- und Namensrechts-Fälle hinzu. Nun hat die Stadt, bekanntlich bei auswärtigen Hochzeitspaaren besonders beliebt, aus Personalmangel bereits im März die Reißleine gezogen: Brautpaare ohne Wohnsitz in Seligenstadt können in der Stadt nicht mehr getraut werden. „Wir bedauern sehr, diese Regelung übergangsweise einführen zu müssen“, sagte Bürgermeister Dr. Daniell Bastian damals. Doch nun liegen die Probleme an anderer Stelle: Am knappen Personalstand hat sich nichts geändert, gleichwohl bringt der Arbeitsalltag immer größere Herausforderungen, auch wegen der steigenden Zahl der Migranten. „Aber wertgeschätzt wird die Arbeit nicht“, hat die FAZ über die Standesbeamten herausgefunden.

Im Seligenstädter Standesamt (derzeit eine Vollzeit- und zwei Teilzeitstellen) sind neben Trauungen und Geburtsurkunden längst auch Ehebeurkundungen, Geburtsnachweise oder Vaterschaftsanerkennungen auf der Tagesordnung, oft verbunden mit aufwendigen Recherchen im Ausland, dem Einsatz von Dolmetschern und Grundkenntnissen des internationalen Privatrechts.

Bürgermeister Bastian kennt die Problematik, an einer Lösung werde derzeit gearbeitet. Derzeit laufen die Planungen für das kommende Jahr, so der Rathauschef. Ziel sei eine Aufstockung des Personals. „Ein aufwendiger Block, ein Bereich, der keine Standardverfahren hat“, sagt der FDP-Politiker und verweist auf die hinzukommenden Unterbringungs-Aufgaben seines Ordnungsamts.

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Ursache der Überlastung sei die Entscheidung Kanzlerin Merkels gewesen, mehr als eine Million Menschen konzeptionslos ins Land zu lassen. Die Euphorie sei inzwischen verflogen, die Erstversorgung weitgehend abgeschlossen, doch nun drängten die Alltagsprobleme. Auch im Rathaus, vor allem im Standesamt. Übertüncht werde die Situation von einer breiten Koalition, die unter dem Motto „Alles im Griff“ einen falschen Eindruck erwecke. Doch werde schlicht zu wenig über den Frust gesprochen, der sich mit der Arbeitsüberlastung einstelle.

Der Personalmangel wirkt sich auch aktuell verstärkt aus. So fallen von Montag, 18. Juni, bis einschließlich 6. Juli donnerstags und freitags vor-mittags die Sprechstunden aus. Montags bis mittwochs ist das Standesamt wie gewohnt in der Zeit von 8.30 bis 12 Uhr sowie donnerstags nachmittags von 15 bis 18 Uhr erreichbar. In der Zeit vom 18. Juni bis 16. Juli können auch keine Einbürgerungsanträge entgegengenommen werden, teilt Bastian mit. (mho/sig)

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