„Mehr als nur schlichte Seniorenmedizin“

Seligenstadt - „Die Geriatrie ist mehr als nur schlichte Seniorenmedizin“, sagt Dr. Nikos Stergiou, ärztlicher Direktor und Chefarzt der Inneren Medizin an der Asklepios-Klinik, und lässt keinen Zweifel daran, dass das neue Projekt mit viel Ehrgeiz und Engagement vorangetrieben wird. Von Oliver Signus

„Dass alte Menschen weiter unabhängig leben können, ist unser Ziel“, sagte er anlässlich des Spatenstichs, mit dem gestern offiziell der Bau der Geriatrie begann. Bis Dezember soll nach Angaben von Klinik-Geschäftsführerin Dr. Dagmar Federwisch das mindestens zehn Millionen Euro teure Projekt fertiggestellt sein. Mit 8,5 Millionen Euro fördert das Land Hessen das Vorhaben, die Klinikkette Asklepios investiert 1,5 Millionen Euro, wobei sich Dr. Federwisch nicht sicher ist, „ob das reicht“. Unter anderem wird der Neubau neben 50 vollstationären „Akutbetten“ auch über eine angeschlossene Tagesklinik mit zwölf Plätzen verfügen. Die Geschäftsführerin rechnet mit etwa 50 neuen Arbeitsplätzen, davon 30 Vollzeitstellen. Zusätzlich sind sechs neue Planstellen im ärztlichen Bereich vorgesehen.

Landrat Peter Walter erinnerte daran, dass noch vor einigen Jahren der Klinikstandort Seligenstadt stark gefährdet war. Der Kreis hätte lediglich die Klinik in Langen halten können, betonte Walter. Erst mit der Übernahme beider Krankenhäuser durch Asklepios vor sechseinhalb Jahren seien die Diskussionen um die medizinische Versorgung in der Einhardstadt verstummt.

Während der Landrat „wenige erfreuliche Tage in der Politik“ sah, fand der Landtagsabgeordnete Frank Lortz, dass es in Seligenstadt doch eine Reihe von erfreulichen Tagen gibt. Der gestrige sei ein solcher gewesen, da „eine wichtige Investition von besonderer Bedeutung“ getätigt wurde. „Denn irgendwann wird jeder in der Geriatrie landen“, meinte Lortz und hob den „sehr guten Ruf der Klinik weit über die Region hinaus“ hervor.

„Die Akzeptanz der Klinik steigt stetig“, stimmte Dr. Stergiou zu. Das Spektrum an medizinischen Angeboten habe sich vergrößert, „wie wir das nie erwartet haben“. So werden Ärzte in Seligenstadt ausgebildet, die Klinik ist zudem akademisches Lehrkrankenhaus der Universität in Frankfurt. „Das wäre früher undenkbar gewesen“, kommentierte Stergiou die Erfolgsgeschichte.

Die Versorgung von Patienten sei dank Kooperationen mit anderen Kliniken und niedergelassenen Ärzten wesentlich verbessert worden. Stergiou betonte, dass die Arbeit der Geriatrie dazu diene, alte Menschen wieder zu „vollwertigen Mitgliedern der Gesellschaft zu machen anstatt sie an den Rand zu drängen“. Damit dies gelingt, so Dr. Federwisch, ist bereits ein „innovatives, multiprofessionelles Behandlungskonzept“ ausgearbeitet worden. So wird ein „geriatrisches Konzil“ über die Behandlung der Patienten entscheiden. Dabei legen Spezialisten verschiedener Fachrichtungen gemeinsam die Therapie fest.

Im 2120 Quadratmeter großen Neubau ist Platz für 20 Zweibett- und zehn Einbettzimmer. Sie werden ebenso im Erdgeschoss untergebracht wie die Tagesklinik, für die wiederum ein separater Eingang vorgesehen ist. Therapieräume, Besprechungszimmer und Büros werden im ersten Stock eingerichtet. Eine Cafeteria für Patienten, Mitarbeiter und Besucher ist ebenfalls geplant.

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