Hilfe für Flüchtlinge 

Menschen jenseits der Statistik

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Auf dem Gelände der ehemaligen Don-Bosco-Schule laufen die Vorbereitungen für die Anlieferung der Wohncontainer für Flüchtlinge.

Seligenstadt - Der Arbeitskreis „Willkommen in Seligenstadt“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, die hier ankommenden Flüchtlinge zu unterstützen. Beim Gang zu Behörden, beim Deutschlernen, bei der Arbeitssuche, kurz, beim Einfinden in das neue Leben in Deutschland. Von Katrin Stassig 

Auf der einen Seite steht der Verwaltungsapparat. Schlüsselzahlen, Zuweisungen an die Kommunen, Bau von Unterkünften. „Über dieser Notwendigkeit wird oft vergessen, dass das Menschen sind, die von einem Moment auf den anderen alles verloren haben“, stellt Bürgermeisterin Dagmar B. Nonn-Adams fest. Sie hatte Vertreter des Arbeitskreises zum Pressegespräch ins Rathaus eingeladen. Die Gruppe Ehrenamtlicher – die auf aktuell 67 Helfer angewachsen ist – will der Flüchtlingshilfe eine menschliche Note geben, die Asylbewerber nicht als Zahl in einer Statistik sehen, sondern als Individuen. Welches Schicksal bringen sie mit, welche Fähigkeiten? „Das kann nicht die Verwaltung leisten, dazu braucht es Menschen, die sich ihnen annähern“, meint Nonn-Adams. Das tut die Seligenstädter Initiative um Burkhard Müller.

Die Bilder, die wir im Fernsehen sehen, das ist für viele weit weg, stellen Müller und Nonn-Adams fest. „Aber diese Menschen sind hier“, betont Müller. Und sie haben Schreckliches erlebt. Kinder, die missbraucht wurden, Familien, deren Brüder oder Väter getötet wurden. „Diese Menschen sind hier in Seligenstadt.“ Und sie möchten ein neues Leben anfangen.

Konkrete Hilfsangebote

Ergänzend zu den Pflichtaufgaben von Kommunen und Kreis und der sozialpädagogischen Beratung der Caritas organisieren die ehrenamtlichen Helfer ganz konkrete Hilfsangebote. Dazu gehören, in Absprache mit den Eltern, zusätzliche Unterrichtsstunden für die Kinder an den Schulen. In der nächsten Woche startet diese gezielte Förderung an der Emma- und an der Merianschule. Ein weiterer Kurs für Jugendliche beginnt in Zusammenarbeit mit Caritas und Sozialem Netzwerk Mainhausen ebenfalls an der Merianschule. „Die Kinder wollen das, sie wollen lernen, lernen, lernen“, berichtet Müller.

Die Ehrenamtlichen haben aber auch die Erwachsenen im Blick. Die Asylberwerber haben in ihren Heimatländern ganz unterschiedliche Berufe gelernt, sind teils hochqualifiziert. Ein Arzt ist darunter, ein Elektroingenieur, ein IT-Spezialist, Krankenschwestern, Baggerfahrer und Schweißer. Um den Flüchtlingen eine berufliche Zukunft zu ermöglichen, suchen die Helfer den Kontakt zur Wirtschaft. Unterstützung bekommen sie dabei von Unternehmer Winfried Korb, Geschäftsführer einer Firma für Mikromontage in Froschhausen, der in der Initiative aktiv ist. Die Wirtschaft sei auf Einwanderer angewiesen, stellt Korb fest, viele Stellen könnten sonst nicht besetzt werden. Nach einer Gesetzesänderung erhalten Flüchtlinge inzwischen drei Monate nach der Anerkennung als Asylberwerber eine Arbeitserlaubnis. Praktika sind auch vorher schon möglich.

Bisher kein politischer Populismus

Mit den äußeren Gegebenheiten, den Unterkünften für die Flüchtlinge in Seligenstadt, zeigt sich Müller zufrieden. Diese seien zwar nicht komfortabel, aber menschenwürdig. „Sie können dort gut wohnen.“ Verbesserungen seien wünschenswert, aber „wir hoffen, dass das mindestens der Standard bleibt“. Mit etwas Sorge blickt Müller auf das große Flüchtlingsheim des Kreises, das derzeit vorbereitet wird.

Auch die Flüchtlinge selbst fühlen sich in Seligenstadt wohl, so Müllers Eindruck. So hätten viele den Wunsch geäußert, hier bleiben zu wollen, wenn ihr Asylantrag positiv beschieden wird. Theoretisch könnten sie dann ihren Wohnort frei wählen.

Positiv wertet Müller außerdem, dass in Seligenstadt bisher kein politischer Populismus zu dem Thema zu beobachten sei. Der Arbeitskreis hat bei Stadtverordnetenvorsteher Peter Sulzmann eine interfraktionelle Willkommenserklärung angeregt; der Ältestenrat wird darüber beraten.

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