Moderne papierlose Technik

Nachwuchspolitiker machen Druck: Schnelles Breitband, WLAN-Ausbau

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Eine der fünf Breitband-Formen: Internet-Zugang über Glasfaserkabel.  

Seligenstadt - Davon können wir derzeit höchstens digital träumen: Unter dem Motto „Mit 150 MBit/sec. durch Alzenau, Bessenbach und Geiselbach“ bewirbt die Telekom die angrenzenden bayerischen Spessart-Kommunen mit superschneller drahtloser LTE-Breitbandversorgung und verspricht „neue Höchstgeschwindigkeit beim Herunterladen“. Von Michael Hofmann

Dagegen arbeitet der Kreis Offenbach emsig an einem flächendeckenden Breitbandausbau mit einer Versorgung von 30 bis 50 MBit/sec. Vor allem die Ostkreis-Kommunen hinken hinterher. Breitbandausbau und WLAN sind in Seligenstadt nach wie vor Reizthemen, das ist vor allem dem markanten West-Ost-Gefälle im Kreis geschuldet. Die Garde der jungen örtlichen CDU-Politiker hinterfragt inzwischen die geplanten Zielvorgaben der Kreisverwaltung, fordert zudem vor Ort den Ausbau der WLAN-Technik. In einem Antrag an die Stadtverordnetenversammlung verlangt die Union Verhandlungen mit der Kreisspitze, „um im Rahmen des geplanten Breitbandausbaus dafür Sorge zu tragen, dass die Mindestversorgungsbandbreite von 30 Mbit/sec. auf mindestens 100 Mbit/sec. angehoben wird“, so der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Oliver Steidl. Nach Ansicht der CDU-Fraktion hat sich der vom Kreis angestrebte untere Richtwert mit 30 Mbit/sec. „selbst im privaten Bereich längst überholt. Für Gewerbetreibende ist das in jedem Fall unzureichend“.

Um dem ständig steigenden Bedarf an einer höheren Bandbreite gerecht zu werden und um nicht in kurzer Zeit wieder nachbessern zu müssen, „sehen wir daher eine Versorgungsbandbreite von mindestens 100 Mbit/sec. zum jetzigen Zeitpunkt als notwendig an“, so Oliver Steidl weiter.

In der Stadtverordnetenversammlung dieser Tage legte die Union beim Thema Zukunftstechnologie nach, fragt nach umfassender WLAN-Versorgung. Bekanntlich hat die Stadt erreicht, dass die Energieversorgung Offenbach (EVO) Ende 2015/Anfang 2016 zwei kostenlose sogenannte Hotspots (öffentliche drahtlose Internetzugriffspunkt) auf dem Marktplatz und auf dem Freihofplatz in Betrieb genommen hat. Weitere Angebote werden geprüft. „Das war der Start, aber wir wollen natürlich weiterkommen und Verbesserungen erreichen“, versprach Bürgermeister Dr. Daniell Bastian in der Parlamentssitzung. Er schränkte aber ein, dass die Bürgerhäuser, die Bücherei im Kloster, die Kindergärten oder das Nachbarschaftshaus im Niederfeld derzeit kein Thema seien. Ohne Sponsoren müsste die Stadt selbst zahlen - 20 000 Euro pro Standort, Gelder, die nicht zur Verfügung stehen.

Dem CDU-Antrag, für die Teilnehmer der Gremiensitzungen der Stadt im Rathaussaal, im Feuerwehrhaus und in den Fraktionszimmern „schnellstmöglich einen freien WLAN-Zugang zu schaffen“ und damit der „modernen papierlosen Technik“ nach dem Wegfall der Bürgerhaftung den Weg zu bereiten, lehnte die Koalition aus SPD, FDP und FWS aus rechtlichen Gründen ab.

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Erneut verwies der Bürgermeister auf die hohen Kosten, aber auch darauf, dass das Netzwerk der Stadt für diese Zwecke nicht geeignet sei und ein neues vonnöten wäre. Die Zustimmung des gesamten Plenums fand indes ein weiterer CDU-Vorschlag. „Hilfsweise“ soll nun der Magistrat in einem ersten Schritt schnellstmöglich einen passwortgeschützten WLAN-Zugang für alle Mandatsträger einrichten, analog zum Kreistag.

Seit 2015 plant der Kreis gemeinsam mit allen Kreiskommunen den flächendeckenden Ausbau des Breitbandnetzes. Damals war es vor allem die Stadt Seligenstadt gewesen, die nach langwierigen und intensiven Vorarbeiten auf die gemeinsame Fortsetzung der Breitband-Initiative gepocht hatte, weil sie das extreme West-Ost-Gefälle in der Breitbandausstattung mit den Sorgenkindern Rodgau, Rördermark, Seligenstadt und Mainhausen nicht länger akzeptieren wollte.

Bei der Darstellung der Wirtschaftslage des Kreises Offenbach sagte Landrat Oliver Quilling vor einigen Tagen, der flächendeckende Breitbandausbau mit einer Versorgung von 30 bis 50 Mbit/sec. stehe ganz oben auf der Prioritätenliste. Mehr als 80 Prozent seien bereits erreicht. „Für den Lückenschluss werden die Bieterverhandlungen im Sommer angeschlossen sein.“ Im Finanzierungspool, gespeist von Kreis und Kreiskommunen, befinden sich 1,5 Millionen Euro. Schwerpunkte der Nachrüstung sind Rödermark, Rodgau, Hainburg und Teilen Seligenstadts.

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