Mofa schaffte über 100 „Sachen“

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Ganz gezielt sprechen die Polizeibeamten die jungen Menschen an. Mit krassen Beispielen verdeutlichen sie ihnen, wie wichtig ein vernünftiges Verhalten im Straßenverkehr ist.

Seligenstadt - Man sieht es dem verunglückten Schrottauto an: In dem Wagen muss sich ein Drama abgespielt haben. Auf der Beifahrerseite ist die Karosserie der Limousine völlig eingedrückt. Und es hat sich eine Trägödie mit diesem Auto abgespielt. Von Thomas Hanel

Ein Toter und zwei Schwerstverletzte sind die Opfer des brutalen Crashs. Die jungen Fahrzeuginsassen waren nicht angeschnallt, hatten Drogen und Alkohol konsumiert und waren viel zu schnell unterwegs. Vermutlich war auch fahrerische Selbstüberschätzung im Spiel, als der Wagen seitlich in ein Haltestellen-Häuschen einschlug.

„Ein Bild sagt manchmal mehr als 1000 Worte“, bringt es Polizeioberkommissar Fred Gellner auf den Punkt. Aufklärung auf brutale Art – aber sinnvoll und richtig. Die Demonstration ist Teil einer Verkehrssicherheitswoche der Seligenstädter Polizei. Erster Polizeihauptkommissar Roland Stenger: „Fünf Tage lang wollen wir über die Risiken im Straßenverkehr aufklären.“ Vor allem die Sensibilisierung jugendlicher Verkehrsteilnehmer für verantwortungsbewusstes Verhalten auf den Straßen stehe dabei im Mittelpunkt.

An jedem der fünf Tage bildet ein anderes Thema den Schwerpunkt der polizeilichen Aufklärung. Es geht um Unfallursachen und Geschwindigkeit, um Gurtpflicht und Handyverbot, um Alkohol und Drogen und die sogenannte „Ritzelkriminalität“. Mit letzterem ist das verbotene Tuning von Mofas und Roller gemeint. „Auch wenn heute ja nicht mit mehr neuen Ritzeln getunt wird, sondern mit technischen Methoden“, sagt Fred Gellner. Erste Ergebnisse liegen bereits vor. An einem Tag wurden zwischen 11 und 16 Uhr 18 Mofas und Roller kontrolliert. 13 davon landeten anschließend auf einem geeichten Rollenprüfstand, um einer Geschwindigkeitsmessung unterzogen zu werden. „Spitzenreiter war ein für die Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h zugelassenes Mofa, das 101 km/h schnell gemessen wurde, ein weiteres brachte immerhin noch 95 km/h auf die Straße“, weiß der Seligenstädter Polizeichef Stenger. Bei zehn der 13 geprüften Roller wurde die Betriebserlaubnis entzogen.

Infos auf Marktplatz, vor Schulen und Disco

Unterstützt bei den Zweirad-Kontrollen wurde die Seligenstädter Polizei von Beamten der Motorrad-Einsatzbereitschaft. „Besonders der Kollege auf dem zivilen Motorrad ist dabei natürlich eine große Hilfe.“ Für die ertappten Mofa- und Roller-Piloten wird es jetzt teuer: Erlöschen der Betriebserlaubnis, Bußgeld, mögliche Sperre des Führerscheins, Verstoß gegen die Versicherungs- und Abgabeverordnung – einen ganzer Rattenschwanz von Delikten zieht das Vergehen nach sich. „Das kostet alles richtig Geld“, sagt Oberkommissar Gellner. Zudem müsse das zurückgebaute Mofa einem Sachverständigen vorgeführt werden, damit die Betriebserlaubnis wieder erteilt wird. „Aber oftmals kriegt man die Unvernunft nur mit repressiven Maßnahmen aus den Köpfen“, so der erfahrene Polizist.

Auf dem Marktplatz wollen die Beamten vor allem mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen ins Gespräch kommen und auf Gefahren durch individuelles Fehlverhalten hinweisen. Unterstützt werden die uniformierten Polizisten von einem in der Jugend-Prävention tätigen Kripobeamten. Gestern lockte das Unfallauto auf dem Marktplatz schon zahlreiche Interessierte an, die sich mit Informationsmaterial der Polizei eindeckten. Heute früh steht das Auto, in dem ein junger Erwachsener starb und zwei schwer verletzt wurden, an der Einhardschule. Die Polizei wird dann in den Klassen unterwegs sein. Nächster Einsatzort für das Unfallauto ist der Parkplatz vor einer Disco in Klein-Krotzenburg.

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