Moritaten-Illustratorin Anna-Franziska Holstein

Berühmte Bilder von der Rolle

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Als Geschichtenmalerin über viele Jahre hinweg unverzichtbar für die Seligenstädter „Moritäter“: Doch am heutigen Abend beendet Anna-Franziska Holstein ihre Karriere. Wer in ihre Fußstapfen tritt, ist noch nicht geklärt.

Seligenstadt - Nach dreimal elf Jahren beendet Anna-Franziska Holstein ihre Karriere als Moritatenmalerin des Heimatbunds. Die in der Szene bestens vernetzte Künstlerin begann als Zugereiste 1978 ihre Karriere in der schlumberländer Fastnacht. Von Armin Wronski

Holstein, Absolventin der Offenbacher Werkkunstschule, verdingte sich seinerzeit zunächst bei den Wagenbauern und später als Illustratorin für die Moritatensänger Hartmut Wurzel, Rudi Brauneis und Georg Burkhard. „Ich hab die Malerei von Theo Musch übernommen, weil der zu den Fastnachtsfreunden abgewandert ist und dort voll vereinnahmt wurde“, schildert sie ihren Einstieg auf der Narrenbühne.

Als dann Wurzel, Brauneis und Burkhard 1982 selbst in den „Ruhestand“ gingen, versorgte die umtriebige Kunstschaffende deren Nachfolger als „Moritäter“, Jürgen Zöller, Wolfgang Wettig und Willi Beike, mit ihren berühmten Bildern auf der Rolle. Nicht immer war das einfach, oft saß sie mit Jürgen Zöller zusammen, um die Moritaten-Strophen zu füllen. In den letzten Jahren passierte im Städtchen einfach nicht mehr so viel Typisches oder Spektakuläres, zumal bekannte Originale wie zum Beispiel der „Maa-Peter“ nicht mehr da sind. Aber irgendwie hat sie es immer geschafft die Narren in Stimmung zu bringen.

„Am Aschermittwoch ist alles vorbei“

Einmal ist es in ihrer Laufbahn vorgekommen, dass sich eine Frau beleidigt fühlte, weil sie bildlich auf die Schippe genommen wurde. Anschließend sprach sie kein Wort mehr mit Anna-Franziska Holstein. „Aber damit kann ich leben, denn schließlich ist Fastnacht, und am Aschermittwoch ist eh alles vorbei.“ Ihre Collagen auf der 13 Meter langen Stoffrolle sind etwas mehr als einen Meter hoch und 1,30 Meter breit. Damit sich die Bildflächen nicht verheddern, hat sie im Verlauf der vergangenen drei Jahrzehnten eine eigene Technik entwickelt. „Die Textilrolle wird so aufgelegt, dass sie nicht nur immer schön gespannt ist, keine Falten schlägt, sondern die frischen Bildflächen bei der Bemalung in der Rolle nicht aneinander verkleben.“

Die schlumberländer Narren dürfen gespannt sein, was die Moritatenmalerin bei ihren letzten Auftritten am heutigen Freitag im Riesensaal in Szene setzt, wenn es wieder heißt: „Leute, hört die Geschichte einer neuen Moritat. Lauter heitere Berichte aus dem Alltag unserer Stadt. So manches geben wir bekannt, was nicht im Heimatblatt stand. Wir bringen Euch in Ton und Bild Geschichten mit Humor gefüllt! - zimtärä, zimtärä.“ Wer in ihre Fußstapfen tritt, ist noch nicht geklärt. Den Trick mit der Rolle will sie gerne weitergeben.

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