Öffnung bei Einzelhandel und Gastronomie angestrebt

Neues Konzept: Seligenstadt bewirbt sich als Modellstadt

Auf das Testzentrum bei der Glaabsbräu könnte noch mehr Arbeit zukommen. Hier Yasemin Bozkir.
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Auf das Testzentrum bei der Glaabsbräu könnte noch mehr Arbeit zukommen. Hier Yasemin Bozkir.

Neben Main-Kinzig-Kreis, Kreis Darmstadt-Dieburg sowie den Städten Offenbach und Rodgau bewirbt sich Seligenstadt als hessische Modellstadt, um zeitnah Öffnungsschritte für Gastronomie und Einzelhandel zu ermöglichen.

Seligenstadt – Am Freitag reichte die Einhardstadt einen Antrag bei der Staatskanzlei ein, um die rechtlichen Grundlagen zu schaffen für ein kommunales Modellprojekt vom 1. April bis zum 31. Mai. Basis ist die Corona-Verordnung zur Beschränkung sozialer Kontakte und des Betriebs von Einrichtungen und Angeboten. Mit dem Modellprojekt will die Stadtverwaltung zudem der Landesregierung Erkenntnisse zur Verfügung stellen, die zur Bewältigung der Pandemie beitragen.

„Wir hoffen auf grünes Licht“, so Bürgermeister Daniell Bastian. „Mit dem zentral gelegenen Testzentrum in der Altstadt haben wir die besten Voraussetzungen, um ein kontrolliertes Öffnungskonzept einzuführen.“ Durch die geografische Lage am Main und die gewachsene Struktur rund um die ehemalige Stadtmauer sei die Altstadt klar definiert. Dort fänden sich etwa 100 Einzelhändler, überwiegend kleine, inhabergeführte Geschäfte sowie eine vielseitige Gastronomie, so der Rathauschef weiter. Auf diesem übersichtlichen Gebiet mit einer überschaubaren Fläche soll das Modellprojekt für Einzelhandel und Außengastronomie vorerst gelten. Begrenzt ist das Gebiet durch die Parkdecks Kloster und Altstadt, den Parkplatz Feuerwehr sowie den Bahnhof.

Seit dem 19. März befindet sich im Innenhof der Glaabsbräu ein Corona-Testzentrum, in Zusammenarbeit mit einem privaten Unternehmer eröffnet. Von dort, so der Bürgermeister, sei das gesamte Modellprojekt-Gebiet innerhalb weniger Minuten zu Fuß erreichbar. Nach einer Online-Terminvereinbarung (coronatest-seligenstadt.de) können Bürger und Besucher aus dem Umkreis sowohl Corona-Schnelltests als auch PCR-Tests absolvieren. Auch der kostenlose wöchentliche „Bürgertest“ ist im Angebot.

Zu den Dienstleistungen gehört darüber hinaus eine mobile Teststation, die Unternehmen, Altenheime, Kitas und Schulen in Anspruch nehmen können. Die Abrechnung geschieht direkt über die Kassenärztliche Vereinigung. Alle Tests stehen unter ärztlicher Leitung. Dabei ist das Ergebnis des Antigen-Schnelltests bereits nach 15 Minuten über einen QR-Code einsehbar.

Um das Modellprojekt in einem übersichtlichen Rahmen zu starten, soll sich das Einzugsgebiet in einer ersten Projektphase vom 1. bis zum 30. April auf die Einwohner der Einhardstadt sowie der angrenzenden Ostkreis-Kommunen Hainburg und Mainhausen beschränken. Sollten die Erkenntnisse und Erfahrungen in diesem Zeitraum weitere Kapazitäten zulassen, werde das Modell in der zweiten Projektphase vom 1. bis zum 31. Mai für jedermann geöffnet. Zudem nehmen dann auch Gastronomen und Einzelhändler aus dem gesamten Stadtgebiet inklusive der Stadtteile Froschhausen und Klein-Welzheim teil.

Zum Ablauf: Kunden und Gäste lassen sich vor dem Einkauf oder Besuch der Außengastronomie auf das Coronavirus testen und legen dem Geschäft, Café oder Restaurant das Ergebnis samt Lichtbildausweis (Personalausweis, Pass oder Führerschein) vor. Dabei darf der Test höchstens 24 Stunden alt sein. Es ist nicht erforderlich, dass dieser aus dem Testzentrum bei der Glaabsbräu stammt. Indes werden keine sogenannten Selbsttests akzeptiert.

Wie bei Click & Meet nehmen Geschäfte und Gastronomie zusätzlich die Personaldaten samt Adresse und Telefonnummer sowie Datum und Uhrzeit des Besuchs auf. Diese Daten werden zur Nachverfolgung mindestens 14 Tage aufbewahrt.

Bei Aufenthalt in Geschäft und Außengastronomie gelten die gängigen AHA-Re-geln rund um Mindestabstand, Tragen medizinischer Masken sowie Personen-Quadratmeter-Beschränkung. Beim Aufenthalt am zugewiesenen Tisch kann die Maske abgelegt werden. Aufgrund des unvermeidlichen engen Kontakts zu den Mitarbeitern soll sie jedoch während des Bestellens und Annehmens der Speisen und Getränke übergestreift werden.

Teilnehmende Gewerbetreibende und Gastronomen weisen durch optisch einheitliche Plakate und Informationen auf Bedingungen und Hygienevorkehrungen hin. Eine geeignete Vorlage soll die Stadtmarketing-Gesellschaft zur Verfügung stellen. Außerdem sollen die Geschäfte und Gastwirte durch regelmäßiges Testen ihrer Mitarbeiter für zusätzliche Sicherheit sorgen. Voraussetzung sind aber in jeden Fall niedrige Infektionszahlen (dazu Kasten).

Durch den Anreiz der damit verbundenen Möglichkeiten zu Einkauf und Besuch der Gastronomie würde das Modellprojekt zu einer Zunahme freiwilliger Tests unter den Einwohnern führen. „Dies hat zur Folge, dass sich die Dunkelziffer der Infektionen verkleinert und weitere Infektionsketten nachverfolgt und unterbrochen werden können. Das erhöht die Chance, dem Virus durch weitere Isolierung von Erkrankten entgegenzuwirken. Dies ist – neben der Zunahme der Impfkapazität – ein wichtiger Baustein der Bekämpfung der Pandemie“, sagt Daniell Bastian.

Der Antrag werde von einer Allianz aus Bürgerschaft, Gewerbetreibenden und Verwaltung getragen. Kontakt bei Interesse: Wirtschaftsförderin Tanja Frisch, Tel. 06182 87-8000. mho

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