Alles Kulturbanausen?

„Nur mit der Kneifzange“ - Behandelt Seligenstadt die Kultur stiefmütterlich?

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Kleines Streicherfestival mit dem Henschel-Quartett: Entscheider als Kulturbanausen? 

Franz Preuschoff ist seit Jahren der festen Überzeugung, dass „die Entscheider“ das Thema Kultur in Seligenstadt „nur mit der Kneifzange anfassen“ - sehr zum Nachteil der Stadt.

Seligenstadt – Behandelt ausgerechnet die Kultur- und Geschichtsstadt Seligenstadt diese weichen Standortfaktoren stiefmütterlich? Ja, sagt Preuschoff im Brustton der Überzeugung, hat gleich Beispiele parat. So sei der Kultur-Button auf den Homepages vieler vergleichbarer Städte an prominenter Stelle angebracht, zumeist auf der Startseite, während man sich trotz hochklassiger Veranstaltungen mühsam auf die Suche begeben müsse. Nicht müde wird Preuschoff zudem beim Hinweis, „dass ein Kultur- und Bildungshaus, ein Kulturforum nach dem Vorbild anderer, in dieser Hinsicht hellwacher Städte, ein die Zentralfunktion festigender Faktor wäre. Auf strategische Überlegungen zur Stadtentwicklung wartet man jedoch bisher vergeblich. Stattdessen verstrickt man sich in Zahlenspiele.“

Seligenstadt: Kultur sollte eine bedeutende Rolle haben

Und schließlich, so Preuschoff weiter, sei wohl gar nicht recht bekannt, welche bedeutende Rolle Kultur auch unter strukturellen Aspekten spiele. So habe Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) dieser Tage kritisch die große Zahl von Mittelzentren nach dem Landesentwicklungsplan angesprochen und angezweifelt, ob alle die Voraussetzungen dieser Klassifikation erfüllen. Mittelzentren haben „die Aufgabe, einen größeren Raum u. a. mit kulturellen und sportlichen Angeboten, mit Schulen, Bildungseinrichtungen, mit medizinischer Betreuung und Einzelhandel zu versorgen“. In der Berichterstattung und Kommentierung darüber, hat Preuschoff festgestellt, tauche der Name des Mittelzentrums Seligenstadt nicht auf. Weder bei den Städten, deren Eignung infrage gestellt wird, noch bei denen, welchen der Status ausdrücklich zugebilligt wird. „Das kann Gutes, aber auch Schlechtes bedeuten.“

Auch Gemeinden sind verpflichtet

Im Jahr 2010 hatte René Rock, der heutige Chef der FDP-Landtagsfraktion, für die Liberalen der Seligenstädter Stadtverordnetenversammlung, unterstützt von der CDU, sogar angeregt, die Eingruppierung Seligenstadts im Landesentwicklungsplan als Mittelzentrum „mit Teilfunktionen eines Oberzentrums“ zu beantragen. Verstanden worden sei das damals als „Startsignal, dass wir uns als Stadt weiterentwickeln wollen“. Geschehen aber sei nichts. Heute, so meint Preuschoff, „gilt es auf der Hut zu sein, dass der Mittelzentrums-Status erhalten bleibt. Es sei die Frage erlaubt, ob der politische Wille besteht, die Stadt weiterzuentwickeln und einer Mittelzentrums-Funktion gerecht zu werden.“ Abgesehen davon, dass inzwischen auch in Hessen die Verfassung mit dem Staatsziel Kultur auch die Gemeinden und Gemeindeverbände (Kreise) verpflichte, gehörten nicht zuletzt das kulturelle Angebot und die damit verbundene Infrastruktur zu den Klassifikationskriterien. „Ein Pfund, mit dem die Stadt wuchern könnte.“ Doch obwohl allenthalben nachzulesen sei, welche Bedeutung dem als Standortfaktor zukommt, verzichte Seligenstadt in der Außendarstellung (Homepage) darauf.

VON MICHAEL HOFMANN

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