Klein-Welzheim

Biberratten machen sich in Seligenstadt breit – NABU kritisiert Fütterung

Keine gute Idee: Wildtiere wie Nutrias sollten nicht gefüttert werden. Auch an der Wasserburg gibt es ausreichend Nahrung für die Nager.
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Keine gute Idee: Wildtiere wie Nutrias sollten nicht gefüttert werden. Auch an der Wasserburg gibt es ausreichend Nahrung für die Nager.

In Seligenstadt sind die Nutrias auf dem Vormarsch, auch genannt Biberratten. Nicht nur die Stadt sieht das skeptisch, auch der NABU äußert Sorgen.

Seligenstadt – Diese Nager sind keine in Deutschland heimische Art, trotzdem fühlen sie sich offensichtlich pudelwohl: An der Wasserburg im Stadtteil Klein-Welzheim hat sich inzwischen eine mindestens fünfköpfige Nutria-Familie niedergelassen. Seit einigen Monaten häufen sich die Sichtungen.

„Das ist ein reizvolles Gebiet für die Tiere, weil es teilweise eingezäunt und zugewachsen ist. Das schützt vor Störungen“, sagt Michael Geist, Vorsitzender des NABU-Ortsverbands Seligenstadt/Mainhausen.

Noch reizvoller für die Nutrias (auch Biberratte oder Sumpfbiber) ist der mehr als reich gedeckte Tisch – Spaziergänger versorgen sie mit allerlei Leckerbissen. Das ist Michael Geist allerdings ein Dorn im Auge. „Wenn Wildtiere durch Fütterung an den Menschen gewöhnt werden, ist das immer schlecht. Sie verlieren ihre natürliche Scheu und kommen in Gebiete, wo sie nicht mehr geschützt sind – zum Beispiel näher an Straßen, wo sie überfahren werden können.“

Biberratten in Seligenstadt: Umweltamt sucht Rat beim Regierungspräsidium

Gleichzeitig führt das sogenannte Zufüttern zur stärkeren Vermehrung der Tiere. „Ist eine Gruppe zu groß, vertreiben die Älteren ihren Nachwuchs aus den Revieren. Dieser sucht sich dann entlang von Flüssen und Bachläufen eigene Gebiete. So breiten sich die Tiere immer weiter aus“, erklärt der Naturschützer.

Ein weiteres Problem: Nutrias sind Pflanzenfresser. Füttert man sie falsch, können Krankheiten in die Gruppe getragen werden. Und dann sind da noch die Ratten, angelockt von den Essensresten. „Das war auch schon in Seligenstadt an der Fähre ein Problem, als Leute die Enten gefüttert haben“, erinnert sich Michael Geist.

Im Rathaus steht man den aus Südamerika stammenden Nagern aus einem anderen Grund recht skeptisch gegenüber. Einige Bürger haben sich aus Sorge vor Schäden durch die Nutrias gemeldet – von der Verdrängung heimischer Tiere sowie untergrabenen Uferbefestigungen und Dämmen ist da die Rede. Zwar haben städtische Mitarbeiter vor einigen Wochen bei der Überprüfung keine Schäden an Wasserschloss-Teich oder Uferbereich feststellen, dennoch hat sich das Umweltamt vorsorglich an das dafür zuständige Regierungspräsidium (RP) Darmstadt gewendet. Das stellte klar: Maßnahmen können nur ergriffen werden, wenn die Nutrias wirklich Auswirkungen auf Biodiversität und das Ökosystem haben, Großmuschel-, Röhricht- und Wasserpflanzenbestände also geschützt werden müssen. Das sei im Seligenstädter Stadtteil aber nicht der Fall.

Wachsende Biberratten-Population in Seligenstadt: Umsiedeln kommt nicht in Frage

Bei der Stadt will man die Situation an der Wasserburg also erst mal weiter beobachten. Richtet die Nutria-Gruppe Schäden an, müsse man sich erneut mit dem RP besprechen.

Doch schon jetzt ist klar: Ein Umsiedeln der Tiere ist gesetzlich nicht möglich, weil Nutrias auf der EU-Liste invasiver Arten stehen – und damit nicht bewusst aus- oder umgesetzt werden dürfen. Im Einzelfall bestehe aber die Möglichkeit, sie abzuschießen oder lebend zu fangen und dann im Anschluss zu töten – in Abstimmung mit der Jagdgenossenschaft. Darüber denke man in Seligenstadt aktuell aber noch nicht nach, heißt es vonseiten der Stadt. Das wäre auch in den Augen von Michael Geist die denkbar schlechteste Lösung: „Man sollte doch immer froh sein, wenn sich was Neues ansiedelt.“

Biberratten in Seligenstadt besser nicht füttern – Es handelt sich nicht um Haustiere

Untersuchungen habe laut NABU Hessen außerdem gezeigt: Werden Nutrias von einem Ort vertrieben, den sie zuvor für sich erobert haben, dauert es meist nicht lange, bis die nächsten Nager an gleicher Stelle sesshaft werden. Das „Problem“ wäre also nur kurzzeitig behoben.

Die einzige und bessere Lösung, die auch die Vermehrung der Nagetiere verlangsame, sieht Geist deshalb in einem absoluten Fütterungs-Verbot. „Ich verstehe, dass Leute und gerade Kinder fasziniert sind, aber für die Tiere ist das Füttern einfach nicht gut. Das führt nur zu vielen Konflikten zwischen Mensch und Tier.“ (Julia Oppenländer)

Nicht nur Nutrias, auch Wildkatzen scheinen sich in Seligenstadt wohl zu fühlen. Die sind allerdings nicht nur wasserscheuer als die Biberratten, sondern auch deutlich seltener zu sehen.

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