Wendeplatz „teures Vergnügen“

Bei ÖPNV-Umgestaltung am Bahnhof herrscht große Einigkeit

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Projekt Bahnhof und ÖPNV-Verknüpfungspunkt: „Alles hängt noch an einem Vertrag mit der Bahn-AG, dabei geht es um das Wegerecht zur Schaltstation“.

Seligenstadt – Der gordische Knoten scheint bis auf eine Winzigkeit durchtrennt. Beim Seligenstädter Dauerbrenner „Umgestaltung des Bahnhofsbereichs mit einem ÖPNV-Verknüpfungspunkt“ haben sich die Beteiligten - die Stadt Seligenstadt, Kreisverkehrsgesellschaft Offenbach (kvgOF), die Deutsche Bahn AG, der private Investor Ludwig Toth und die Versorgungsträger für Gas und Strom - auf eine „für alle akzeptable und für diskutable Variante“ verständigt, die auf einem Übersichtslageplan dargestellt wird. Von Michael Hofmann

„Alles hängt noch an einem Vertrag mit der Bahn-AG, dabei geht es um die Zuwegung zur Schaltstation“, so Bürgermeister Dr. Daniell Bastian (FDP) gestern. Ohne diese Wegerechtsfläche sei eine vernünftige Planung freilich nicht möglich.
Basis aller Überlegungen ist ein Stadtverordnetenbeschluss vom Juli 2016, in dem der Magistrat den Auftrag erhielt, im Zuge der Gesamtplanung des Bahnhofsareals „zu prüfen, wie eine zentrale Umsteigestelle für Busse und Anrufsammeltaxen sowie Haltemöglichkeiten für Touristenbusse eingepasst werden können.“ In Gesprächen mit dem Eigentümer sollten die nötigen Flächen verhandelt werden. Vorgaben bei der Planung: Ein Minimum an Parkraumverlust, zudem soll der Fuß- und Fahrradverkehr aus Gründen der Sicherheit um den Bushaltepunkt geführt werden.

Im Auftrag des Tiefbauamts erstellte die Ingenieurgesellschaft MBH Habermehl & Follmann eine Objektplanung, hatte dabei Belange von ÖPNV, nichtmotorisiertem und motorisiertem Individualverkehr zu berücksichtigen. Im Blickfeld behalten mussten die Experten zudem die städtebaulichen Entwicklungen im Bahnhofsumfeld nach dem Konzept des Investors Toth (Wohnbebauung/gewerbliche Nutzungen/Stellplatzbedarf). Im Zuge des Umgestaltungskonzeptes sollte der öffentliche Straßenraum der Eisenbahnstraße mit einbezogen werden, um so eine optimale Neuordnung des Planungsraums entwickeln zu können.

Teil des Umgestaltungskonzepts: Der öffentliche Straßenraum der Eisenbahnstraße soll mit einbezogen werden, um die Neuordnung optimal gestalten zu können.

Folgende Lösung zeichnet sich ab: Nördlich vom Bahnhofsgebäude wird eine Busbucht mit zwei Haltepositionen (Fahrtrichtung Zellhausen) eingerichtet. Für die Fahrtrichtung Obertshausen, Weiskirchen und Langen sind zwei Haltepositionen auf der Fahrbahn eingeplant. Des Weiteren sind eine großzügige Fahrradabstellanlage mit Fahrradbügel und Fahrradboxen vorgesehen. Der Geh- und Radweg wird zwischen der Busbucht und der Fahrradabstellanlage geführt. Auf der Eisenbahnstraße wird zwischen Bahnhofstraße und Wolfstraße ein Fahrbahnteiler als Querungshilfe eingebaut.

Südlich vom Bahnhofsgebäude werden eine weitere Fahrradabstellanlage, eine Buswendeanlage und eine „Park & Ride“-Anlage mit ausreichenden Pkw-Stellplätzen angeordnet. Vor allem die Buswendeanlage war wohl massiver Streitpunkt zwischen Stadt und Kreisverkehrsgesellschaft. Da die Wende-Alternative, eine Busrunde über Würzburger, Gisela-, Bahnhofstraße und zurück zum Ausgangspunkt, kaum als Ideallösung in Frage kommt, habe die Stadt der naturgemäß viel Platz wegnehmenden Wendeanlage zugestimmt. „Ein teures Vergnügen“, so der Rathauchef, ohne Zahlen zu nennen. Allerdings sei damit auch eine weitere KVG-Forderung - Sanitäranlagen für die Busfahrer - leichter erfüllbar.

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Schließlich, so die Argumentation der KVG, sei der Bahnhof neben einem zentralen Umsteigepunkt für Bus und Bahn auch ein Endhaltepunkt. Eine weitere Alternative, den gesamten ÖPNV-Verknüpfungspunkt nicht am Bahnhof, sondern an der Evangelischen Kirche an der Aschaffenburger Straße einzurichten, habe die KVG kategorisch abgelehnt, sagen Bastian und Erster Stadtrat Michael Gerheim (SPD). Dabei wären die Voraussetzungen an der Peripherie weitaus besser: Bushalte- und Wendemöglichkeiten existieren bereits und müssten nicht geschaffen werden. Direkt am Parkdeck stünde auch eine Toilettenanlage zur Verfügung. Außerdem ist der Weg zum Marktplatz kaum weiter als vom Bahnhof aus.

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