Ein verständnisvolles Gericht

Beklaut und erwischt: Drogendealer aus Seligenstadt kommt mit Bewährung davon

18 Monate Gefängnis auf Bewährung: Ein Seligenstädter Drogenhändler kam glimpflich davon. (Symbolbild)
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18 Monate Gefängnis auf Bewährung: Ein Seligenstädter Drogenhändler kam glimpflich davon. (Symbolbild)

Der 25-jährige Drogendealer aus Seligenstadt hatte Glück. Er hätte auch im Gefängnis enden können.

  • Ein Drogendealer aus dem Kreis Offenbach wurde verurteilt.
  • Er erhielt eine Bewährungsstrafe.
  • Der Seligenstädter hätte auch hinter Gittern enden können.
  • Offenbach/Seligenstadt – Richter Manfred Beck erklärte dem Angeklagten M. eindringlich, was ihn bei einem Verstoß gegen die Auflagen im Knast erwartet. Strafrechtlich fiel der 25-Jährige vorher zweimal wegen Drogenbesitzes auf: 2012 ermahnte ihn das Jugendgericht; 2017 verließ er das Amtsgericht Seligenstadt mit einem Urteil von neun Monaten auf Bewährung. 

    M. vermied es daraufhin, zu Hause Drogen aufzubewahren. Stattdessen nutzte er die Wohnung der damaligen Freundin, wo er Cannabis und Marihuana im Gesamtgewicht von mehr als einem Pfund deponierte, mit einem Rausch erzeugenden THC-Gehalt von 13 und 16 Prozent.

    Drogendealer aus dem Kreis Offenbach wurde bestohlen

    Der Angeklagte hatte einen Freund falsch eingeschätzt. Dieser wusste um die Bunkerfunktion der Wohnung und öffnete bei einem Besuch im Februar 2018 heimlich ein Fenster, ehe er mit dem Paar das Haus verließ. Dann stiegen zwei Kumpel ein und bedienten sich. Die Einbrecher erfreuten sich indes nicht lange an den Drogen, denn kurz darauf gerieten sie in eine Polizeikontrolle.

    Wie Richter Beck erwähnt, wusste der Angeklagte, wem er den Diebstahl verdankte. Den daraufhin ehemaligen Freund setzte M. dermaßen unter Druck, dass der ihn anzeigte und auf der Wache den Kontext erklärte. So erfuhr die Polizei, dass die im Februar 2018 auf der Straße konfiszierten Drogen ursprünglich M. gehört hatten. Der Angeklagte hatte kurz danach wieder Pech. In Offenbach geriet er im März 2018 in die Fänge der Polizei, als er zwölf Gramm Haschisch bei sich trug. Bei der Wohnungsdurchsuchung in Seligenstadt fanden die Ermittler beim damals Arbeitslosen neben einer Feinwaage einen in CD-Hüllen versteckten Betrag von 2 395 Euro. Die Stückelung der Scheine ließ auf Drogenhandel schließen.

    Bewährung und Sozialstunden für Drogendealer aus dem Kreis Offenbach

    Der Angeklagte legt dem Gericht den Nachweis über einen Ausbildungsvertrag vor. Richter Beck reagiert skeptisch, als M. ihm auch den Beleg für ein Gespräch bei der Suchthilfe präsentiert, erst vor Kurzem ausgestellt. Das wirkt, als habe da einer auf den letzten Drücker Punkte sammeln wollen.

    Im Vorfeld hatte Rechtsanwalt Gordian Hablizel Richter Beck signalisiert, sein Mandant werde gestehen, wenn er mit Bewährung davonkäme. Nach der Besprechung mit den beiden Schöffinnen verkündet Beck, für den Fall werde das Gericht eine Haftstrafe zwischen 15 und 18 Monaten verhängen, ausgesetzt auf eine Bewährungszeit von fünf Jahren. Außerdem solle der Angeklagte 300 Sozialstunden ableisten. Der gibt alles zu.

    Gericht zeigt Verständnis für Drogendealer aus Seligenstadt im Kreis Offenbach

    Staatsanwältin Lydia Wurzel plädiert auf 18 Monate zur Bewährung, „auch wenn die Taten eigentlich nicht mehr bewährungsfähig sind“. Die Ereignisse lägen jedoch schon zwei Jahren zurück, außerdem habe der Angeklagte dem Gericht durchs Geständnis eine umfassende Beweisaufnahme erspart.

    Verteidiger Hablizel betont, sein Mandant habe Glück, „auf ein verständnisvolles Gericht und eine verständnisvolle Staatsanwältin zu treffen“. Allerdings hoffe er auf weniger Sozialstunden, weil M. derzeit in der Ausbildung stecke.

    Richter Beck und seine Schöffinnen übernehmen das Strafmaß der Staatsanwältin und lassen sich von 300 Sozialstunden nicht herunterhandeln: „Jeden Monat 20 Stunden, das können Sie schaffen.“ Dem Angeklagten gibt Beck mit auf den Weg, sich die nächsten fünf Jahre mit Hilfe eines Bewährungshelfers am Riemen zu reißen. Wer das Gefängnis von innen kennenlerne, der wundere sich, wie es dort zugehe. „Was dann kommt, macht keinen Spaß mehr“. Beck warnt M. eindringlich: „Sie würden klein gemacht werden, weil sie dort nicht reinpassen.“ 

    VON STEFAN MANGOLD

    Für einen anderen Drogendealer aus dem Kreis Offenbach gab es ebenfalls eine Bewährungsstrafe. Bei Drogendealern aus Langen steht die Strafe noch nicht fest.

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