Gespräch mit Dr. Daniell Bastian

Ohne „Chef-Gehabe“: Bürgermeister im Interview

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Seligenstadts Bürgermeister Dr. Daniell Bastian: „Bei der Terminplanung werde ich klare Grenzen setzen.“  

Seligenstadt - Kaum drei Wochen im Amt, hat der neue Bürgermeister Dr. Daniell Bastian (40; FDP) bereits erste „Duftmarken“ gesetzt. Kollegialer Austausch mit Stadträtin Claudia Bicherl, regelmäßige Bürgersprechstunden und Mitarbeiter-Treffs mit Verwaltung und Bauhof. Im Interview mit Michael Hofmann lässt er auch Ecken und Kanten erkennen.

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Die entscheidende Frage zuerst: Fühlen Sie sich wohl im „Schlangennest“? Provozierender Einstieg, aber das Rathaus wurde ja schon so genannt.
Ja, sehr sogar. Der Empfang durch die Mitarbeiter war sehr herzlich. Auch in den zahlreichen Gesprächen, die ich bislang führen konnte, habe ich einen durchweg positiven Eindruck gewonnen; fast eine Art Aufbruchstimmung festgestellt. Ich bin daher sehr zuversichtlich, dass wir diesen positiven Beginn ausbauen können.

Auf welchen Führungsstil dürfen sich Ihre Mitarbeiter einstellen: autoritär, jovial, kollegial, „primus inter pares“?

Ich bin ein großer Freund eines kollegialen Führungsstils und sehe mich als Teil einer Mannschaft, die bestmögliche Ergebnisse für die Stadt und unsere Bürger erreichen will. Daher wünsche ich mir von den Mitarbeitern ein hohes Maß an Engagement, Eigeninitiative und Verantwortung. Das erreicht man nur, wenn man ihnen entsprechende Freiräume lässt und ihnen respektvoll und wertschätzend gegenübertritt. Am Ende bin ich natürlich für die Ergebnisse verantwortlich. Gerade auch dann, wenn es mal nicht rund läuft und Probleme auftreten.

Sie Sie ja noch sehr jung - können Sie überhaupt führen?

Eine gute Personalführung ist nach meiner Erfahrung keine Frage des Alters. Insbesondere bei einem kollegialen Führungsstil kommt es vielmehr darauf an, dass sie von den Mitarbeitern als Führungspersönlichkeit auch wirklich anerkannt werden. Dies möchte ich durch eine gute alltägliche Zusammenarbeit erreichen und nicht durch Symbolhandlungen oder „Chef-Gehabe“.

Freuen Sie sich wirklich auf diesen Job? Viel leichter als Ihre Vorgängerin Dagmar B. Nonn-Adams werden Sie es ja wohl auch nicht haben. Politische Freundschaften mit CDU oder Grünen lassen sich mit Blick auf die auslaufende Legislatur kaum vorstellen, außerdem haben Sie ja auch das falsche Parteibuch.

Nach meinem Eindruck erwarten die Seligenstädter von ihren politischen Vertretern, dass sich das politische Klima in unserer Stadt erheblich verbessert. Dauerhafter Streit, wie in der Vergangenheit üblich, beschädigt unsere Stadt und nutzt niemandem etwas. Mir ist es daher sehr wichtig, dass es nach der Kommunalwahl am 6. März eine Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung gibt, mit der ich konstruktiv und sachbezogen zusammenarbeiten kann. Dieser Umstand war Frau Nonn-Adams nur sehr selten vergönnt. Insofern wünsche ich mir, es etwas leichter zu haben. Im Übrigen habe ich auch nicht das falsche Parteibuch, sondern bin und bleibe Mitglied der FDP.

Als langjähriger Parlamentarier wissen Sie, dass gerade der Bürgermeister unter besonderer Beobachtung steht. Der Hinweis „Arbeits- und Urlaubszeit“ dürfte reichen...

Dass ich unter einer besonderen Beobachtung stehe, weiß ich. Das ist auch völlig in Ordnung. Ich erwarte aber, dass Grenzen eingehalten werden, dass es einen respektvollen Umgang mit mir als Person und mit dem Amt gibt. Das war bei meiner Vorgängerin leider nicht immer der Fall.

Im Ernst: Wie halten Sie’s mit den Dienstzeiten? Bitte jetzt nicht den Satz „Der Seligenstädter Bürgermeister ist immer im Dienst.“ Sie haben eine Familie und wissen, dass die Inanspruchnahme weder Rücksicht auf Feierabend noch auf Wochenende nimmt. Gibt es einen Mittelweg?

Bei der Terminplanung werde ich klare Grenzen setzen und diese auch offen kommunizieren. Als Familienvater mit drei Kindern, die ein Recht auf ihren Vater haben, kann und werde ich nicht jeden Termin wahrnehmen. Im Übrigen bin ich ja auch nicht alleine. Frau Bicherl und die ehrenamtlichen Magistratsmitglieder nehmen bereits jetzt zahlreiche Termine wahr. Dies möchte ich gerne so beibehalten und gegebenenfalls ausbauen.

Nicht jeder kann mit CDU-Stadträtin Bicherl, CDU-Stadträtin Bicherl kann auch nicht mit jedem. Auf welche Strategie setzen Sie? Kooperation, Konfrontation oder Ignorieren durch klare Aufgabentrennung?

Kollegiale Zusammenarbeit. Anders sind die immensen Aufgaben wie die weitere Stadtentwicklung, das Flüchtlingsthema oder die Sanierung des städtischen Haushalts nicht zu lösen. Nach den ersten Wochen bin ich sehr zuversichtlich, dass uns beiden dies gelingt.

Wenn ein Bürger seinen Meister sprechen möchte – wie leicht kommt er an Sie heran?

Am einfachsten ist es, mir eine Mail zu schreiben oder sich in meiner neuen Bürgersprechstunde anzumelden, die ab Februar an jedem zweiten Donnerstag von 16 bis 17 Uhr stattfinden wird.

Einen einzigen Exkurs ins Wahljahr gönnen wir uns: Auch eine Seligenstädter Bürgermeisterwahl nimmt, wie so viele politischen Kontroversen, eine Sonderstellung im Kreis Offenbach ein. Wie beurteilen Sie – aus der Distanz – die Zuspitzung durch Einspruch und Dienstaufsichtsbeschwerde bis hin zur Ergebnis-Feststellung durch die Stadtverordnetenversammlung? Gibt’s Wunden, die nicht heilen?

Ich bin der Meinung, dass sich die Beteiligten an diesen Vorgängen selbst am meisten geschadet haben. Aber auch der Ruf unserer Stadt hat erneut gelitten. Für mich persönlich ist die Sache abgehakt. Wir müssen nach vorne schauen. Als Konsequenz aus der Wahlanfechtung habe ich mich auch dazu entschieden, die Funktion des Gemeindewahlleiters bei der Kommunalwahl auf einen Verwaltungsmitarbeiter zu übertragen. Damit sind Debatten und Spekulationen über Handlungen des Wahlleiters von Anfang an ausgeschlossen.

Bilder: Abschied von Nonn-Adams

Bitte in Stichworten: Drei Ziele, die Sie in dieser Amtszeit unbedingt erreichen möchten.

Verbesserung des politischen Klimas, ausgeglichener Haushalt und weitere Steigerung der Qualität unserer Bildungs- und Betreuungseinrichtungen.

Was werden Sie anders machen als Dagmar B. Nonn-Adams, was beibehalten, was verbessern?

Frau Nonn-Adams hat unsere Stadt gerade im kulturellen Bereich in herausragender Art und Weise repräsentiert. Das werde ich versuchen beizubehalten. Ansonsten möchte ich meinen eigenen Stil finden. Wie erfolgreich das am Ende ist, haben die Bürger zu beurteilen.

Was mögen Sie sehr, was gar nicht?

Ich mag eine offene und transparente Kommunikation. Das führt in der Regel zu guten Ergebnissen und vermeidet Missverständnisse und Ärger. Gar nicht leiden kann ich das Nichteinsehen von eigenen Fehlern.

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