Im Ostkreis steht die Kampagne auf der Kippe

Kontaktlos schunkeln nicht möglich

Auf den farbenprächtigen Umzug in Seligenstadt müssen die Narren im kommenden Jahr wahrscheinlich erneut verzichten.
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Auf den farbenprächtigen Umzug in Seligenstadt müssen die Narren im kommenden Jahr wahrscheinlich erneut verzichten.

Kontaktlos schunkeln, aerosolfrei „Helau“ summen, in Abständen von eineinhalb Metern an Motivwagen vorbeiflanieren und „Gudsjer“ sammeln - vorstellen mag sich das kaum ein Freund der „Fünften Jahreszeit“.

Ostkreis – Spaß macht das alles nicht, und so steht im Ostkreis die kommende Kampagne auf der Kippe. Seligenstadts Heimatbundchef Richard Biegel ist mit Blick auf die jüngsten Entwicklungen bei Corona-Infektionen denn auch wenig optimistisch. „Wir warten bis Ende August ab, wenn die Versammlungsstättenverordnung aktualisiert wird“, sagt er.

Doch selbst Lockerungen seien kaum eine Option, denn schließlich müssten die Vereine Geld verdienen. Von einem Vorschlag, die Wagen zu bauen und in einer Ausstellung zu präsentieren, hält Biegel nichts. Der Heimatbund investiere bis zu 40 000 Euro, die Wagenbauer wollten ihre Werke dem Publikum präsentieren, dabei auch selbst gesehen werden und gemeinsam feiern. Das Vorbeiflanieren in Corona-konformem Abstand habe etwas „von einer Beerdigung“.

Auch die Sitzungen im Riesen seien selbst bei Lockerungen kaum vorstellbar. Derzeit dürften gemäß der Auflagen 60 Personen sitzen und 30 stehen. „Die Leute wollen schunkeln und singen. Wie soll das unter diesen Umständen möglich sein?“ fragt der Heimatbundchef. Auch hier spielten die Finanzen selbstverständlich eine Rolle. Biegel erinnerte daran, dass vor einiger Zeit die Riesen-Kapazität wegen Brandschutzvorgaben von knapp über 400 auf 350 Besucher reduziert wurde. Noch weniger Besucher unter massiven Einschränkungen sei nicht wirtschaftlich. Eine Möglichkeit, um den Narren doch noch etwas närrisches Treiben zu bieten, wäre die Wirtshausfastnacht, die es nach dem Zweiten Weltkrieg gegeben habe. Dann könnten kleine Gruppen von Kneipe zu Kneipe ziehen und Moritaten singen. Aber das sei zunächst nur eine Idee, Ende August werde entschieden.

„Ich denke, dass das nichts wird“, formuliert Thomas Ritter von den Zellhäuser Fastnachtsnarren (ZFN) seine persönliche Meinung. Wie der Seligenstädter Heimatbund komme auch der ZFN-Vorstand Ende August zusammen, um eine Entscheidung zu fällen. Denn schließlich müsse man dann auch schon mit den Vorbereitungen beginnen. Die Tanzgruppen trainierten zwar wieder, wüssten aber, dass sie ihr Einstudiertes eventuell auch erst 2022 vor närrischem Publikum präsentieren dürften.

Volker Jäkel, als Vorsitzender des Kulturausschusses Hainstadt für die Organisation des Kinderfastnachtszuges zuständig, hält ein närrisches Treiben unter den gegebenen Umständen für unverantwortlich. Solange es „keinen vernünftigen Schutz“ gebe, könne auch kein Umzug stattfinden. Sollte es nicht „gravierende Veränderungen“ zum Besseren geben, dann wäre es das erste Mal in der mehr als 45-jährigen Geschichte, dass der Kinderfastnachtszug ausfallen müsse.

Oliver Möser, Vorsitzender der Fastnachtsfreunde Hainstadt, war gestern nicht zu erreichen. Von Oliver Signus

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