Premiere am Tag des Denkmals

Panzer auf dem Marktplatz

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Sherman-Panzer am 27. März 1945 am Marktplatz : Die US-Einheit, die das Vorrücken dokumentierte, wurde vom später „berühmten“ Regisseurs Russ Meyer kommandiert.

Seligenstadt - Ein außergewöhnlicher Fund aus dem amerikanischen Nationalarchiv soll am Tag des offenen Denkmals (8. September) erstmals in Seligenstadt gezeigt werden: ein bislang noch nicht vorgeführter Film vom 27. März 1945.

Damals zog eine US-Einheit mit Panzern und Transportfahrzeugen von Babenhausen kommend über den Marktplatz in Richtung Hausen und dann nach Hanau. Zwei Tage vorher war Seligenstadt am Palmsonntag von amerikanischen Einheiten eingenommen worden.

Seit einigen Jahren stehen der Seligenstädter Hobbyhistoriker Thomas Laube und Thomas Steigler aus Großauheim in Kontakt, um Informationen und historische Dokumente auszutauschen. Dabei spielt eine einstige Veröffentlichung in der Offenbach-Post eine entscheidende Rolle. War doch das Motiv eines Sherman-Panzers bei der Durchfahrt vom Marktplatz auf die Frankfurter Straße Anlass, dem Bild und seiner Entstehung nachzugehen. Thomas Steigler nutzte im vergangenen Jahr einen Aufenthalt im US-Bundesdistrikt Washington D.C., um im dortigen Nationalarchiv Unterlagen über den Einmarsch der US-Army im März 1945 in unsere Region einzusehen, da dieser Themenkomplex sein Forschungsschwerpunkt ist. Nur durch Zufall entdeckte Thomas Steigler dabei die Seligenstadt-Filmrolle, da die Bezeichnung der Rolle nicht auf diesen Inhalt schließen ließ.

Bedrückende Atmosphäre

Die das Vorrücken der amerikanischen Soldaten dokumentierende Einheit wurde übrigens vom später „berühmten“ Regisseurs Russ Meyer kommandiert, dessen „Softcore“-Filme der 60er und 70er Jahre seine Vorliebe für Damen mit extremen Oberweiten unter Beweis stellten.

Im etwa zwei Minuten langen Film über Seligenstadt sind mehrere Fahrzeuge bei der Fahrt über den Marktplatz zu sehen. An den Häusern sind weiße Fahnen zu erkennen. Einzelne Passanten schauen den Panzern bei der Fahrt zu. Ein Panzerkommandant zeigt den amerikanischen Soldaten auf dem Markplatz das Victoryzeichen. Auch der Splitterschutz über den Luftschutzbunker unterhalb des Marktplatzes ist gut zu erkennen.

„Die einzigartige und bedrückende Atmosphäre im Luftschutzbunker ist der geeignete Ort dieses außergewöhnliche Zeitdokument der Öffentlichkeit zu zeigen, und ich bin dankbar, dass Bürgermeisterin Nonn-Adams dies ermöglicht“, so Thomas Laube, der die Vorführung organisiert.

Gezeigt werden sollen der Film und weitere Bilddokumente am Denkmalstag (Sonntag, 8. September) von 11 bis 17 Uhr im ehemaligen Luftschutzbunker unterhalb des Marktplatzes. Das Thema des Tag des offenen Denkmals lautet: „Jenseits des Guten und Schönen: Unbequeme Denkmale?“ 

mho

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