Einhardgymnasium

Patenschaft für jüdischen Friedhof: Schüler-AG will aufräumen und Schilder anbringen

Engagierte Jugendliche der Einhardschule mit Gisela Meutzner (links) und Lehrerin Barbara Koch (hinten, Dritte von rechts) Foto: terharn

Schüler des Einhardgymnasiums in Seligenstadt wollen eine Patenschaft für den jüdischen Friedhof übernehmen.

Seligenstadt – Eine einmalige Angelegenheit sollte es sein, eine einzigartige Sache ist es geworden: Im März 2018 trafen sich fünf Seligenstädter Einhardschüler, um den Besuch des Holocaust-Überlebenden Heinz Hesdörffer vorzubereiten. Inzwischen zählt die Gruppe zwölf Jugendliche im Alter von 15 bis 17 Jahren. Ihr Ziel: „Wir wollen eine Patenschaft für den jüdischen Friedhof neben dem Gymnasium übernehmen“, erzählt Schülerin Marie. Kontakt zu Daniel Neumann, Präsident des Landesverbands der Jüdischen Gemeinden in Hessen mit Sitz in Frankfurt, haben sie hergestellt.

Nach Hesdörffers erschütterndem Bericht im Mai 2018 blieben viele Schüler dran. Einige waren dabei, als er vor einem Jahr das Bundesverdienstkreuz erhielt. Just am 3. Mai dieses Jahres, als ein Synagogenbesuch geplant war, starb er, 96 Jahre alt.

Neue Schüler stießen dazu, andere schieden nach dem Abitur aus. Mehr als 20 Mal trafen sie sich, meist in ihrer Freizeit. Aus dem Organisationskomitee wurde die „Arbeitsgemeinschaft jüdisches Leben in Seligenstadt“. Versammlungsort ist mal die Schulbibliothek, mal das Zuhause von Gisela Meutzner, bekannt durch ihre Stadtführungen auf Spuren jüdischer Seligenstädter. Sie hatte den Kontakt zu Hesdörffer hergestellt, später zur Auschwitz- und Buchenwald-Überlebenden Éva Fahidi, die kürzlich in der Einhardstadt von ihren Leiden erzählte.

Was plant die AG konkret? „Zunächst wollen wir den Friedhof allen Schülern und Lehrern bekannt machen“, so die Mitglieder. „Sie sollen ihn besuchen und kennenlernen.“ Viele wüssten nämlich gar nicht, was sich hinter der Mauer verberge, die Hinweistafel an der Ecke sei schlecht einsehbar, das Gemäuer trotz Halteverbots oft zugeparkt. „Außerdem wollen wir die Anlage von Müll befreien.“

Was es da an Müll gebe? „Alles“, fasst Moritz in einem Wort zusammen und zählt mit den anderen auf: „Autofelgen, volle oder leere Flaschen, Dosen oder Verpackungen, Kleidung, Batterien, Feuerzeuge, Zeitungen“, kurz alles, was sich auch im Hausabfall finde. „Einmal lagen 20 gute Äpfel da“, erinnert sich Meutzner. Ein andermal war’s ein Unkrautvernichtungsmittel.

Auch am Synagogenplatz war die AG schon aktiv; auch dort wird viel weggeworfen, wurden Tafeln beschädigt. Da setzt eine weitere Idee an: „Wir wollen die Namen derer feststellen, die auf dem Friedhof begraben sind, nach Bildern und Lebensgeschichten suchen und nach Angehörigen forschen.“ Die Namen der Bestatteten sollen an der Mauer angebracht werden. Der Gefahr, dass auch diese Beschilderung zerstört wird, sind sich die Aktivisten wohl bewusst. „Dann sieht man wenigstens, was manche Leute so denken“, meint Gisela Meutzner achselzuckend.

Zur Erreichung des Fernziels Patenschaft braucht es einen langen Atem. Das ist allen klar, auch Lehrerin Barbara Koch, zuständig für den Kontakt zwischen AG und Schule. Zwar hat sie ebenso wenig jüdische Wurzeln wie Meutzner, doch sie betont: „Das ist auch mein Thema.“ In den katholischen Religionsunterricht kann sie das einbringen. Ihr Urteil über das Engagement der Einhardschüler: „Tolle Geschichte!“

VON MARKUS TERHARN

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