Holger Allmenröder mit klarem Bekenntnis

Pfarrer bekennt sich offen zu seiner Homosexualität

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Der Seligenstädter Pfarrer Holger Allmenröder ist ein Freund der ehrlichen und klaren Worte.

Seligenstadt - Weltweites Interesse gab es nach dem Schwulen-Outing vom ehemaligen Fußball-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger. Auch der Seligenstädter Pfarrer Holger Allmenröder bekennt sich öffentlich zur Homosexualität. Von Thomas Hanel

Das Schwulen-Outing des ehemaligen Fußballnationalspielers Thomas Hitzlsperger hat bundesweit und sogar weltweit für mediale Öffentlichkeit gesorgt. Er wolle sich nicht mehr verstecken, so der Sportler, und gegen Homophobie ankämpfen. In „sensiblen“ Berufen gehört dazu zunächst eine Menge Mut, so Seligenstadts Pfarrer Holger Allmenröder, der seinen Weg in diesem Sinne seit seinem 18. Lebensjahr geht.

Es gibt, sagt Allmenröder, sensible Berufe, bei denen die sexuelle Orientierung eine Rolle spielt. „Ich kann Hitzlsperger gut verstehen, dass er mit seinem Outing erst nach Beendigung seiner Profikarriere kommt.“ Katholischer Pfarrer oder Theologe zu sein und zu sich in der kirchlichen und nichtkirchlichen Öffentlichkeit zu stehen ist eine ähnlich große Herausforderung wie einstmals für Politiker oder heute noch Spitzensportler oder Pädagogen. Dennoch: „Bereits vor meinem 18. Lebensjahr war mir klar, dass ich mir meine Anlage nicht ausgesucht habe und es wohl so in Ordnung ist. Mein Weg war die Mitteilungsfreudigkeit. Wer mich deswegen ablehnte, auf den mochte ich gerne verzichten. Doch Ablehnung habe ich bemerkenswerterweise sehr selten erfahren. Das Bewusstsein darüber, wer ich bin und was zu mir gehört, wurde wichtig, auch um vor mir und vor anderen Menschen authentisch sein zu können. Mein Gottvertrauen hat mir dabei von Beginn an geholfen. Wenn Menschen mich nicht so annehmen können, Gott kann und will es!“

Kein Geheimnis

Auf den Priesterberuf und seine Regeln habe er sich mit Bedacht eingelassen. Für ihn gelten die gleichen Regeln wie für katholische Priester allgemein, er habe sich da nichts vorzuwerfen. In seinen Gemeinden St. Marien und St. Margareta und wohl auch Seligenstadt ist es kein Geheimnis, dass er zu sich als schwuler Mann steht. Jeder, der ihn aufmerksam wahrnimmt, kann das erfahren. Auch wenn er sich nicht selbst verkündigt, sondern den Glauben an Gott, so erfährt er es als großes seelsorgliches Potenzial, sich als authentischer Mensch einbringen zu können, der sich nicht genieren muss, halt ein schwuler Mann zu sein.

Pfarrer Holger Allmenröder ist bekannt für seine Streitbarkeit. Ein immer wiederkehrendes Thema: Kirchliche Obrigkeit ist auch in unserer Zeit oft mehr in das Gesetz und die Illusion der amtskirchlichen Makellosigkeit verliebt als in die Menschen und Gott. Klare Worte fand er beim Missbrauchsskandal und kritisierte den Umgang seiner Kirche mit dem Thema.

„Auch ein Pfarrer hört nicht unter dem Bauchnabel auf“

Vor wenigen Tagen erst unterstützte Allmenröder aktiv eine Initiative des Bundes der katholischen Jugend, bei der es unter anderem auch um das Verhältnis von Kirche, Priestertum und Sexualität ging. „Auch ein Pfarrer ist ein lebendes Wesen, hört nicht unter dem Bauchnabel auf.“ Und manchmal ist ein Pfarrer halt auch schwul. Selbst Papst Franziskus verurteile dies ja nicht.

Für Holger Allmenröder zählen – natürlich Äußerungen des Papstes – aber auch weitere Gründe. „Ich will authentisch das Wort Gottes verkünden. Dazu muss ich selber authentisch sein. Und dazu gehört auch meine Homosexualität, zu der ich stehe.“ Klingt einfach und plausibel. Ehrlich halt. Schon in der Pubertät fühlte er sich zum eigenen Geschlecht hingezogen, outete sich gegenüber seinen Eltern aber erst mit 18 Jahren. „Man hätte mich vielleicht sofort in die Klapsmühle gesteckt“, erinnert Allmenröder an die Zeit Mitte des vergangenen Jahrhunderts. Auch wenn Präsidenten großer Staaten heute noch indirekt zur Jagd auf Homosexuelle aufrufen, spielt er auf Russlands Präsidenten Putin an. Allmenröder: „Dieser Mann ist ein Idiot.“ Jetzt lebe man schließlich im Jahr 2014.

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Dass er sich auch heute noch mit seinen Äußerungen und seinen klaren Grundsätzen nicht nur Freunde macht, ist Allmenröder klar. Aber wie anders könne sich Kirche gegenüber den Menschen mehr öffnen als durch Ehrlichkeit, Authentizität und klare Worte?, fragt er.

Reduziert werden auf schwul sein will er nicht. Sexualität gehöre schließlich zu jedem Menschen, egal welcher Ausrichtung. Aber er wisse schon um seine Verantwortung und seine Verpflichtung als katholischer Priester. „Ich kenne meine Aufgaben und den Lebensstil, den ich freiwillig und bewusst als Pfarrer gewählt habe. Daran halte ich mich.“ Aber seine Homosexualität gehöre halt unbedingt zu seiner Berufung als Verkünder des Wort Gottes. „Ich verkünde mich ja nicht selber, sondern eine geistliche Botschaft.“ Und dazu gehöre Ehrlichkeit und Öffnung.

„In der katholischen Kirche sind viel zu lange Dinge unter den Teppich gekehrt worden.“ Gerade beim Thema Sexualität seien die katholischen Anweisungen zur Lebensführung wenig hilfreich. Ein System, selbst eins in seiner Kirche, das Menschen ablehnt, könne er nicht akzeptieren. Will er auch nicht. Pfarrer Holger Allmenröder zitiert den großen Gelehrten und Bischof Albertus Magnus: „Religion, die sich nicht um den Menschen bemüht, driftet in den Aberglauben.“ Und mit Aberglauben, damit will der tiefgläubige, überzeugte, beliebte und schwule Pfarrer Holger Allmenröder nichts zu tun haben.

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