Konzept Jahnplatz/Bleiche: Ein Kompromiss und ein Umsetzungsproblem

Philosophen auf Kollisionskurs

Blick auf die TGS-Halle und den Jahnsportplatz: Kompromiss, der die Interessen vieler Beteiligter zu berücksichtigen hat. Foto: hofmann
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Blick auf die TGS-Halle und den Jahnsportplatz: Kompromiss, der die Interessen vieler Beteiligter zu berücksichtigen hat. Foto: hofmann

VON MICHAEL HOFMANN.

Seligenstadt – Wo zwei unterschiedliche „Philosophien“ aneinanderstoßen, da rückt ein Konsens in weite Ferne. Gleich gar, wenn die Alternativen „Weiterentwicklung im Grünen“ und „Vorort von Frankfurt, Schlafstadt im Rhein-Main-Gebiet“  lauten. So zu vernehmen in der jüngsten Sitzung der Seligenstädter Stadtverordnetenversammlung im Klein-Welzheimer Bürgerhaus, als wieder einmal der Dauerbrenner „Bleiche und Stadtgebiet zwischen Jahnstraße und Steinweg“ zur Disposition stand. Unbeeindruckt von diesem drastischen Vergleich, den CDU-Fraktionschef Joachim Bergmann als Bewahrer der Kleinstadtidylle bemüht hatte, setzte die Koalitionsmehrheit aus SPD, FDP und FWS das Entwicklungskonzept des Magistrats mit seinen beiden Varianten durch, das die Planungsgruppe Darmstadt (wir berichteten ausführlich) erarbeitet hatte: Neue Sporthalle samt Tiefgarage für das marode und nicht reparable TGS-Domizil, Geschosswohnungsbau, Verkehrskreisel (kleine und große Variante) an Ellenseestraße/Jahnstraße/Kapellenstraße sowie Erweiterung der Konrad-Adenauer-Schule (KAS) und eine denkbare Kita an der Ecke Jahn- und Grabenstraße samt Aufwertung der Bleiche selbst. Keine Chance hatte dabei ein CDU-Änderungsantrag, der weder bei der Koalition, noch bei den Grünen Anklang fand.

Wie schon in der Westring-Diskussion betonte SPD-Fraktionschef Marius Müller erneut, beim Vorhaben handele es sich um „abgestufte Schritte bis zum rechtskräftigen Bebauungsplan“, der an Ende der Entwicklung stehe. Zunächst gelte es nun „einen kleinen Rahmen“ zu schaffen. Modifizierungen, etwa beim Grün- und Frischluftkeil, der das Areal durchzieht, seien auch später möglich.

CDU und Grüne waren nicht einverstanden mit der Magistratsvorlage, übten nach dem Motto „Warum später meckern, wenn‘s doch schon jetzt sinnvoll ist?“ harsche Kritik am Konzept der Planungsgruppe Darmstadt, deren beide Varianten sich ja lediglich in der Größe der Kreisel unterschieden. Bergmann beharrte darauf, „Mega-Bebauung“ müssen verhindert, die Frischluftschneise dagegen erhalten werden. Schon im Grundsatz sei das Konzept für den Bereich des Jahnsportplatzes nach dem vom Parlament beschlossenen Städtebaulichen Rahmenplan zu ändern. „Demnach soll neben der Bleiche auch der Sportplatz als markante Gliederung der Gesamtstadt durch grün erhalten, hervorgehoben und vervollständigt werden.“ Dies, so die CDU-Sicht, könne durch Verschieben der geplanten Sporthalle hin zum KAS-Gelände erreicht werden. Auch die vorgesehene viergeschossige Bebauung passe nicht in diese wertvolle Grünzone. Wenn eine Bebauung ermöglicht werden solle, dann maximal zweigeschossig entlang der Jahnstraße und „bei Wegfall des Parkstreifens“.

Die Mängelliste des Grünen-Politikers Detlev Debertshäuser folgte auf dem Fuß, enthielt sowohl die Frischluftschneise, die nur „marginal oder gar nicht“ vorkomme, und den Städtebaulichen Rahmenplan, der „aufgehoben“ sei. Die KAS-Spielwiese, für deren Erhalt sich vor einigen Jahren viele Bürger ausgesprochen hätten, finde keine Berücksichtigung, und eine „bundesligataugliche“ Sporthalle sei am Stadtrand, nicht aber in dieser zentralen Position angebracht. „Fast jeder andere Standort wäre besser.“

Nach diesem Verriss seitens der Oppositionsparteien ergriff Bürgermeister Daniell Bastian (FDP) das Wort. Die Stadt tue sich bei großen Projekten enorm schwer - das zeige sich nun erneut. Seit 30 Jahren werde über gute Ideen diskutiert, „und umgesetzt wurde nichts.“ Jetzt stehe die Politik wieder am Punkt zu erörtern, was über Jahre erarbeitet worden sei oder alles hinzuschmeißen. Das Konzept, so betonte Bastian, sei ein Kompromiss, der die Interessen vieler Beteiligter zu berücksichtigen habe: TGS, KAS, Kreis, Anwohner und Bürger, die sich für den Grünzug einsetzten. Gefragt seien vor diesem Hintergrund konstruktive Beiträge, dann gelte es abzuwägen - auch was das Maß der Bebauung betrifft.

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