34-Jähriger kommt glimpflich davon

Bewährung für drei Kilo Haschisch und Marihuana

Offenbach/Seligenstadt - Rund drei Kilogramm Marihuana und Haschisch sind kein Pappenstiel. Vor dem Schöffengericht in Offenbach saß ein Mann auf der Anklagebank, in dessen Seligenstädter Wohnung die Polizei diese Menge „Stoff“ fand. Von Stefan Mangold

Bis dato nicht vorbestraft, kommt der 34-Jährige mit einem blauen Auge davon. Richter Manfred Beck verhängt zwei Jahre Haft, ausgesetzt zur Bewährung. Oft erzählen mutmaßliche Drogendealer vor Gericht die Geschichte vom Eigenbedarf, vom Mengenrabattangebot, das sie nutzten. Diese Option zieht der Angeklagte in dieser Verhandlung nicht, der auf Nachfrage von Richter Beck zugibt: „Das war für den Handel bestimmt.“ Er sei auch nicht drogensüchtig.

Den Angeklagten hatte die Polizei zunächst gar nicht im Visier gehabt, vielmehr seinen Geschäftspartner und dessen Mobiltelefon. Die aus den abgehörten Gesprächen gewonnene Erkenntnis mündete schließlich im Oktober 2015 in eine Wohnungsdurchsuchung. Dort fand die Polizei rund zwei Kilogramm Marihuana und ein Kilo Haschisch, teilweise mit einem THC-Gehalt (Tetrahydrocannabinol als hauptsächlich rauschbewirkender Bestandteil) von knapp 24 Prozent. Enorm, wo unter Kiffern schon die Hälfte des Wertes als nicht übel gilt. Eine kleine Menge lag im Zimmer des Mitbewohners. Die nimmt der Angeklagte ebenfalls auf seine Kappe. Neben den Drogen entdeckte die Polizei 27.500 Euro und eine Unze Gold. Der Angeklagte verzichtet auf Rückgabe von Geld und Gold - das hängt mit der Absprache zusammen.

Richter Beck erwähnt, Rechtsanwalt Manuel Mayer habe ihn im Vorfeld des Prozesses kontaktiert, um auszutarieren, ob bei einem vollen Geständnis seines Mandanten noch eine Bewährungsstrafe in Frage komme. Nach der Strafprozessordnung ist das erlaubt. Der Richter muss aber in der Hauptverhandlung davon berichten. Im Anschluss gehen Beck, Mayer, der Staatsanwalt und die beiden Schöffen im Hinterzimmer in Klausur, um die Details eines Abkommens zu besprechen. Zusammenfassend konstatiert der Richter, was heraus kam: Zwei Jahre Haft auf Bewährung, die über dreieinhalb Jahre läuft, und sechstausend Euro Geldstrafe, zahlbar in monatlichen Raten von 200 Euro.

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Dafür plädiert der Staatsanwalt dann offiziell, der erklärt, die Geschichte hätte zwar locker gereicht, den Angeklagten jenseits der Zeit zu verurteilen, die noch zu Bewährung ausgesetzt werden kann, aber der Mann habe einen festen Job, den er verlöre: „Für die Gesellschaft wäre das kontraproduktiv.“

Auf der Homepage von Anwalt Manuel Mayer steht ein Goethezitat: „Unzeitige Gebote, unzeitige Strafen bringen erst das Übel hervor.“ Im Scherz bedauert der Verteidiger die Einigung: „Schade, dass ich keine große Rede gegen die Prohibition halten kann.“ Er sei der Ansicht, dass der Handel mit Cannabis generell als minder schwerer Fall zu werten sei, „egal, welche Menge im Spiel ist“.

Das sieht Richter Manfred Beck keineswegs so. Die gefundene Menge von 533 Gramm an THC läge um den Faktor 71 über dem, was als geringfügig gelte. Den nicht vorbestraften Angeklagten einzusperren, hätte jedoch „eine desozialisierende Wirkung“. Der Angeklagte habe zudem darauf verzichtet, sich herauszureden. Beck verhängt zwei Jahre Haft, die über 42 Monate laufen. Einen Bewährungshelfer bräuchte es nicht. Über 6000 Euro darf sich das Suchthilfezentrum Wildhof freuen.

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